Daum und Magath: Plakate und Samba

Frankfurts Christoph Daum und Wolfsburgs Felix Magath, einst als Meistertrainer Vorzeigetypen ihrer Branche, zeigen im Abstiegskampf Nerven. Immerhin gibt sich der VfL-Coach großzügig.
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München - Wie ohnmächtig Christoph Daum dem drohenden ersten Abstieg seiner Trainerkarriere gegenübersteht, zeigt allein schon die Zahl der Platitüden, die er so von sich gibt. Am Freitag, einen Tag vor dem Spiel seiner Eintracht bei Meister Borussia Dortmund, schreckte Daum nicht mal davor zurück, die älteste Fußball-Nicht-Weisheit von sich zu geben. „Im Fußball ist wirklich nichts unmöglich“, sagte Daum, der Ball sei schließlich rund. Und damit nicht nur er, sondern auch seine Spieler an das Wunder glauben, hat Daum vor dem alles entscheidenden Spiel bei Borussia Dortmund Plakate mit Motivationsphrasen in der Kabine aufgehängt.

Was bleibt ihm auch anderes übrig? Der nur noch theoretisch mögliche Nichtabstieg – die Eintracht liegt als Tabellensiebzehnter (34 Punkte, 30:47 Tore) einen Zähler hinter Gladbach (16., 35 Punkte, 47:67; zuletzt drei Siege hintereinander) und Wolfsburg (15., 35 Punkte, 40:47) – wäre höchstens Schadensbegrenzung für Daum. Sein Abschied aus Frankfurt zum Saisonende scheint ohnehin festzustehen.

Vorstandschef Heribert Bruchhagen, der Daum vor zwei Monaten – wieso auch immer – geholt hatte, plant schon für Liga zwei. Mit einem Etat von 40 Millionen Euro (davon 17 Millionen Personalkosten) ginge der Traditionsverein den sofortigen Wiederaufstieg an. Der Ostwestfale wird der Boss in Frankfurt bleiben, allerdings wird ihm künftig ein Manager zur Seite gestellt wird, mutmaßlich Jan Schindelmeiser, früher Hoffenheim.

Größte Frankfurter Sorge ist auch nicht die bevorstehende Trainersuche, sondern sind die unberechenbaren eigenen Anhänger, die letzten Samstag das Feld stürmten. Vereinspräsident Peter Fischer hat offiziell dazu aufgerufen, Vernunft walten zu lassen. Bruchhagen: „Es geht in diesem Spiel auch um unser Image." Und wohl weniger um den Klassenerhalt.

Für Felix Magath, wie Daum bereits mehrmaliger Meistertrainer, dagegen wäre ein Abstieg eine „persönliche Katastrophe“. Seine Wolfsburger (derzeit punktgleich mit Gladbach Tabellen-15.) kämpfen bei der TSG Hoffenheim darum, die Klasse doch noch zu halten.

Die Stars, das hat Magath klar gemacht, müssten auch in der Zweiten Liga bleiben. „Ich hoffe, die Spieler sehen, dass es schöner ist, in der ersten Liga zu spielen als in der zweiten“, sagte Magath zu seiner „Motivationshilfe“. Er selbst hat es immerhin geschafft, sogar im aufreibenden Abstiegskampf Imagepflege zu betreiben: Magath erklärte, auf seine mit VW vereinbarte Nichtabstiegsprämie – einen 250<TH>000 Euro teurer Bentley – zu verzichten. Stattdessen sollte der Konzern sechs Minibusse für karitative Organisationen verschenken. Eine Nichtabstiegsprämie zu verschenken haben seine Spieler nicht: Sie bekommen keine.

Ein bisschen Spaß würden sie bei geschafften Klassenerhalt dennoch haben. Die Rückreise aus Hoffenheim würde in einem Samba-Zug durchgeführt werden. „Die Spieler können die Zugfahrt genießen. Es ist auch vorgesehen, dass ich mitfahre“, so Magath.

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