Das eigentliche Problem von Bundestrainer Klopp ist in der Bundesliga zu sehen

Mit den Serben wartet in München erneut ein Gegner, der genau das spielt, was dem wankenden DFB-Team Problem bereitet. "Wir müssen unsere Schritte machen", sagt Klopp. Die Frage ist nur: Wie?
Patrick Strasser |
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Bundestrainer Jürgen Klopp will am Donnerstag in München den ersten Sieg einfahren.
Bundestrainer Jürgen Klopp will am Donnerstag in München den ersten Sieg einfahren. © IMAGO/Nordphoto/Memmler

Nun kennt man den wahren Grund. "Ich bin hier angestellt worden, um die Probleme, die wirklichen Probleme zu erkennen, und daran zu arbeiten, sie abzustellen – theoretisch", sagte Bundestrainer Jürgen Klopp auf einer seiner acht Pressekonferenzen in zwölf Tagen und merkte gewohnt spitzfindig an: "Es ist nicht so, dass ich jetzt hoffe, dass gar keine da sind. Das wäre ja auch blöd."

Nicht erst seit den beiden Nations-League-Spielen unter der Ära des Neuen gegen die Niederlande (1:1) und Griechenland (0:1) wirkt die deutsche Nationalmannschaft wie eine Ansammlung lauter Probleme, wirklicher Probleme. Auch wenn man diese wie Klopp dank einer Casting-Schwemme mit 44 Profis in zwei Kadern etwas zu übertünchen versucht.

Kader zwei soll sich am Donnerstag in München gegen Serbien (20.45 Uhr, ZDF) sowie am Sonntag in Thessaloniki erneut gegen die Griechen beweisen.

Der tiefe Block als Dauerproblem

Die nun Auserwählten stehen vor einer Mammutaufgabe: Wie knackt man einen tiefen Block, wie man heutzutage im Fußballjargon sagt? Wie kann der vor dem Tor des Gegners geparkte Bus beiseite manövriert werden? Findet Klopp ein Rezept gegen Riegel-Recken wie die aus Serbien, die sich den Sonntagabend von Augsburg als Blaupause heranziehen können? Hinten dicht, vorne sticht – fertig war das 1:0 der Griechen trotz DFB-Dominanz mit 75,8 Prozent Ballbesitz.

Das Problem ist nicht neu. Beim WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay hatte man 75,6 Prozent Ballbesitz, eher ein umständliches Ballgeschiebe. Den letzten Ball schob Paraguay im Elfmeterschießen ins Tor.

Was dem DFB-Spiel fehlt

Keinen Bock gegen einen tiefen Block? Verständlich. Aber hat man in der Nationalelf einen Plan, ein Gegenmittel? Die Lösung wäre: Kreativität im Aufbauspiel, Bespielen der Tiefe und Halbräume, großzügige Box-Besetzung. Was dann funzt, wenn die Flügelspieler die Seiten aufreißen. Also das Dribbling suchen, Gegenspieler im Eins-gegen-Eins hinter sich lassen, per Doppelpass oder Abschluss für Gefahr sorgen.

Hier liegt das Problem, das wirkliche Problem im deutschen Spiel. Die stärksten Flügelspieler der Bundesliga haben ausländische Pässe. Michael Olise, mit Lamine Yamal der weltbeste Rechtsaußen-Linksfuß, ist Franzose. Luis Díaz, der nimmermüde Linksaußen-Rechtsfuß, ackert für Kolumbien.

Verletztes Supertalent Lennart Karl

Doch da gibt es noch einen im Bayern-Kader: Lennart Karl. Der 18-Jährige hätte schon bei der WM auf der rechten Seite wirbeln sollen, verletzte sich vor dem letzten WM-Test in Chicago gegen die USA (2:1) schwer – Muskelbündelriss.

Durch das WM-Aus des Supertalents war Bundestrainer Julian Nagelsmann endgültig gezwungen, auf den bei Experten wie Fans so umstrittenen Leroy Sané zu setzen, dessen zu seltene gezeigte Genialität schon beim FC Bayern manche zur Weißglut, manche zur Verzweiflung gebracht hatte.

Versäumnisse unter Nagelsmann

Zweiter Kardinalfehler von Nagelsmann: Für Karl nominierte er nicht Said El Mala vom 1. FC Köln, das zweite deutsche Teenager-Flügeltalent, Kategorie Linksaußen-Rechtsfuß, nach. Sondern mit dem Leipziger Assan Ouedraogo, ein überdurchschnittliches Talent im zentralen Mittelfeld. Dieser spielte dann keine Minute.

"Die Spielmacher der heutigen Zeit sind am Flügel", sagte Klopp, der wohl Karl und El Mala (es wäre sein DFB-Debüt) gegen Serbien von der Leine lässt. Kevin Schade auf dem linken und Karim Adeyemi auf dem rechten Flügel hatten sich in den ersten beiden Partien versucht – es blieb beim Versuch.

Klopp-Ideologie trifft DFB-Realität

Dabei fußt Klopps Ideologie, die er beim Borussia Dortmund und in Liverpool fast zur Perfektion brachte, auf: Organisiertes Chaos, intensivstes Gegenpressing und offensiv orientierte Außen in einem 4-3-3. Ein System, das gegen stärkere Gegner gut funktionieren kann. Bisher brachte dieser Ansatz einen DFB-Treffer in 180 Minuten – Negativrekord beim Start eines Bundestrainers.

Der sagte voller Hoffnung: "Es kann nicht sein, dass wir ständig besser sein wollen, als irgendjemand, der im Moment den Weltfußball beherrscht. Wir müssen unsere Schritte machen, da sind wir dabei. Im Idealfall werden sie bald ein bisschen größer." Folgt gegen Serbien der Beweis?

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