Darauf ein Ahlenfelder

Kult-Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder wird 70. Unvergessen: Dialoge mit Rehhagel oder Breitner – und ein Abpfiff nach 32 Minuten.
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Oberhausen - Endgültig zum Kult-Schiri avancierte Wolf-Dieter Ahlenfelder, als er bei der Partie zwischen Werder Bremen und Hannover die erste Hälfte nach 32 Minuten abpfiff, dann doch weiterspielen ließ und schließlich 90 Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit endgültig zur Halbzeit pfiff. Noch heute bekommt man im Bremer Vereinslokal ein Pils und einen Malteser, bestellt man einen „Ahlenfelder“.

Jene Anekdote stammt aus dem Jahr 1975. 13 Jahre später hörte Ahlenfelder nach 106 Bundesliga-Spielen auf. Heute wird er 70 Jahre alt – einer der besten, aber auch umstrittensten Fußball-Schiedsrichter in der Geschichte der Bundesliga.

„Es war eine schöne Zeit“, sagt er und stellt fest: „Es fehlt mir heute an Menschlichkeit. Ich glaube, wir hatten mehr Spaß am Fußball.“ Dass es bei Ahlenfelder, der als Rentner mit seiner Frau Christel in Oberhausen lebt, mehr „menschelte“, daran hatte der gelernte Industriekaufmann selbst großen Anteil. Unvergessen ist „Ahlis“ Dialog mit Trainer Otto Rehhagel, den er aufforderte: „Bleib auf deinem Hintern sitzen, sonst komme ich mit Pattex zu deiner Bank.“ Legendär seine Aufforderung an Spieler, die auf dem Boden lagen: „Junge, steh auf, die Rasenheizung ist nicht an.“ Als Ex-Bayern-Star Paul Breitner einst meckerte: „Du pfeifst wie ein Arsch“, antwortete Ahlenfelder schlagfertig: „Du spielst ja auch wie ein Arsch.“ In der Saison 1983/84 wurde er vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit der „Goldenen Pfeife“ als damals bester deutscher Schiedsrichter ausgezeichnet.

Aber dem lebenslustigen Oberhausener, der auch dem ein oder anderen „Pilsken“ nicht abgeneigt war, unterliefen auch Irrtümer – wie damals in Bremen, nachdem die fettige Gans zum Mittagessen mit ein paar Gläsern Bier und einigen Malteser-Schnäpsen „bekämpft“ worden war.

„Es ehrt mich unheimlich, dass man mich noch kennt“, sagt Ahlenfelder. Den Fans ist er noch immer ein Begriff, obwohl der einst kleine, rundliche Schiri im Gegensatz zu vielen anderen populären deutschen Referees in seiner Karriere weder ein Länderspiel noch eine Europapokal-Begegnung leitete.

Dennoch, glaubt der Jubilar, „habe ich für den Fußball in Deutschland einiges getan“. Gleichzeitig findet Ahlenfelder aber auch kritische Worte in Bezug auf die heutige Schiedsrichter-Zukunft. Es fehle an Typen! Ahlenfelder 2012 im „11Freunde“-Interview: „Das wird von Funktionären gesteuert, die auf der Tribüne sitzen und beobachten. Es sind die größten Gipsköppe aller Zeiten, die dort herumlaufen. Ein Beispiel: Geht vom Trikotausziehen beim Torjubel die Welt unter? Da frage ich mich, ob der Sepp Blatter noch alle auf dem Ofen hat.“

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