Chelseas Champions-League-Triumph: Havertz flucht, Tuchel tröstet

Kai Havertz hat den Taktik-Giganten Thomas Tuchel ans Ziel aller Träume geführt. Der FC Chelsea ist zum ersten Mal seit 2012 wieder Champions-League-Sieger.
| AZ/SID/dpa
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Champions-League-Party vor Fans: Chelseas Mannschaftskapitän Cesar Azpilicueta stemmt die Trophäe in die Luft.
Champions-League-Party vor Fans: Chelseas Mannschaftskapitän Cesar Azpilicueta stemmt die Trophäe in die Luft. © Pierre Philippe Marcou/Pool AFP via AP/dpa

Porto – Noch vor dem Sprung ins große Champions-League-Glück nahm sich Taktik-Gigant Thomas Tuchel Zeit für Pep Guardiola. Der Temmanager des FC Chelsea hielt das bärtige Gesicht des Katalanen nach dem Finaltriumph sanft in beiden Händen und tröstete seinen Freund, den er in der Drachenhöhle von Porto beim 1:0 (1:0) gegen Manchester City wieder kalt ausgecoacht hatte. 

Seine Spieler stürzten sich im Hintergrund schon wie wild auf den Matchwinner Kai Havertz. Der deutsche 80-Millionen-Mann hatte eine äußerst schwierige Saison hinter sich, er wurde von Corona geplagt und vom Verletzungspech verfolgt - und dann schoss er sein erstes Champions-League-Tor (43.), als sein Klub ihn am meisten brauchte.

Havertz: "We won the fucking Champions League"

Seine emotionalen Worte im Anschluss waren dann ein bisschen zu viel für das zurückhaltende englische Fernsehen, aber der deutsche Nationalspieler hat Manieren. "Entschuldigung fürs Fluchen", schrieb der 21-Jährige in der Nacht nach dem Champions-League-Sieg mit dem FC Chelsea und setzte einen in etwa als nervöses Lächeln verstandenes Smiley dahinter. Sein Sieger-Interview bei BT Sports kurz nach dem Endspiel, in dem er das entscheidende Tor zum 1:0 gegen Manchester City erzielt hatte, hatte zuvor in den sozialen Medien für viel Freude gesorgt.

Anzeige für den Anbieter Twitter über den Consent-Anbieter verweigert

"Um ehrlich zu sein, im Moment ist mir das scheißegal, wir haben die verdammte Champions League gewonnen", sagte der überglückliche Havertz am TV-Mikrofon angesprochen auf den Druck durch die hohe für ihn gezahlte Ablösesumme auf englisch ("To be honest, right now I don't give a fuck on that, we won the fucking Champions League!"). Der TV-Reporter drehte sich grinsend Richtung Kamera und entschuldigte sich für die Emotionen. Bei Twitter zensierte der Sender die beiden Wörter mit einem kurzen Piep.

Tuchel nach Champions-League-Triump emotional

"Ich laufe wie durch einen Film", sagte Tuchel bei Sky sehr emotional: "Meine Kinder sind hier, meine Frau, meine Eltern. Meine Oma schaut zu Hause zu und ist über 90! Für die alle ist das jetzt. Und für unsere Fans."

Am Ziel: Thomas Tuchel küsst den Henkelpott.
Am Ziel: Thomas Tuchel küsst den Henkelpott. © Susana Vera/Pool Reuters via AP/dpa

Unter dem Jubel von 6.000 Chelsea-Supportern stemmten sie um 23.13 Uhr Ortszeit alle den silbernen Henkelpott, der für Tuchel der Heilige Gral ist: Der Teammanager selbst, Timo Werner, Antonio Rüdiger, auch der phänomenale Franzose N'Golo Kante, der sich seinen deutschen Teamkollegen wohl schon in zweieinhalb Wochen im EM-Gruppenspiel entgegenstellen wird. Ilkay Gündogan und Guardiola hingegen schauten traurig zu. Trotz hunderter Millionen Euro Investitionen schaffte der frühere Bayern-Trainer es auch im fünften City-Jahr nicht auf den Thron.

43. Minute: Havertz schießt Chelsea ins Glück

Chelsea feierte einen spektakulären Außenseitersieg, den zweiten der Blues nach dem fürchterlichen K.o.-Schlag für Bayern München im Endspiel 2012. Havertz umspielte in der 43. Minute City-Torhüter Ederson und schob lässig ein. Tuchel, im Vorjahr noch Finalverlierer mit Paris St. Germain, flippte beinahe aus vor Freude. 

Der Moment: Havertz spitzelt den Ball an Ederson vorbei und muss anschließend nur noch einschieben.
Der Moment: Havertz spitzelt den Ball an Ederson vorbei und muss anschließend nur noch einschieben. © Jose Coelho/Pool EPA/AP/dpa

Vor sechs Jahren hatte er mit Guardiola an einem legendären Abend in einer Münchner Edel-Weinbar mit Salz- und Pfefferstreuern Partien des FC Barcelona nachgespielt - nun forderte er ihn auf der größten Bühne heraus. In der laufenden Saison hatte er seinen Konkurrenten bereits zweimal matt gesetzt. Das dritte Mal folgte am Samstag.

Manchester City: Star-Truppe kommt nicht zur Entfaltung

Guardiola, zweimal Sieger der Königsklasse mit Barca, schleuderte Tuchel fast alles an Offensivspielern vor die Füße, was er zu bieten hatte. Seine Aufstellung war atemberaubend: Mit Riyad Mahrez und Raheem Sterling in vorderster Front, dem genialischen Eröffner Kevin De Bruyne dahinter, Phil Foden und Bernardo Silva auf den Flügeln und dem zuletzt so torgefährlichen Metronom Gündogan im Zentrum. 

Tuchel setzte dem englischen Meister nach einer gewöhnungsbedürftigen Eröffnungsshow ein lauf- und kampfstarkes Mittelfeld entgegen, das seine Stärken im Umschalten hat. Hinten warteten der bärenstarke Rüdiger, der nach 40 Minuten ausgewechselte Thiago Silva und Cesar Azpilicueta: Der guardiolatypische Erstickungsfußball sollte nicht zur Entfaltung kommen.

Werner vergibt zwei Großchancen

City hatte mehr (häufig arg fruchtlosen) Ballbesitz - dennoch bekam einer die ersten Großchancen, der zuletzt schwer unter Ladehemmung litt: Werner trat nach Vorarbeit des auffällig starken Havertz in bester Position über den Ball (10.), es wäre ein Traumstart für Chelsea gewesen. 

Drei Minuten später schob der Nationalstürmer Ederson aus sieben Metern den Ball in die Arme. Havertz rotierte ab und an in die Spitze. Tuchel peitschte die Fans auf: Das Spiel blieb elektrisierend, von höchster Klasse.

Schaffte es City mal zur Grundlinie, rauschte von der Seite stets noch ein Abwehrspieler in dunkelblau heran. Auf der Gegenseite spitzelte Havertz nach phänomenalem Steilpass von Mason Mount den Ball an Ederson vorbei, der die Hände zurückziehen musste, um eine Rote Karte zu vermeiden. 

City-Star De Bruyne verletzt ausgewechselt

Guardiola schien sich verzockt zu haben, doch noch wechselte er nicht. Die Minuten verrannen, ohne dass die dominanten Citizens allzu gefährlich waren, Kapitän De Bruyne musste angeschlagen und unter Tränen vom Feld. Bei Chelsea, das am Ende belagert wurde, ging Werner torlos. Azpilicueta schlug den Ball vor Gündogan von der Linie (69.).  

Havertz, Werner und Rüdiger werden Gündogan sehr schnell wiedersehen: Im EM-Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in Seefeld/Tirol. Ob das Quartett allerdings von dort ohne zweiwöchige Quarantäne auch nach Deutschland zum ersten Gruppenspiel in München reisen darf, ist offen. 

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