Chancen nicht genutzt: Bayers zweiter Anzug sitzt nicht

Vorzeitiges Weiterkommen hatte Leverkusens Trainer Gerardo Seoane im letzten Europa-League-Spiel die Chance zum Rotieren gegeben. Die Erkenntnisse sind enttäuschend bis ernüchternd.
| dpa
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Leverkusens Jonathan Tah präsentiert einem Fan sein Trikot nach der Partie.
Leverkusens Jonathan Tah präsentiert einem Fan sein Trikot nach der Partie. © Marton Monus/dpa
Budapest

Der zweite Anzug sitzt einfach nicht! Was sich bei Bayer Leverkusen im Herbst andeutete, wird langsam zur Gewissheit: Der eigentlich breite Kader hat ein großes Leistungs-Gefälle. Ausfälle kann sich Bayer kaum leisten.

Nachdem die Werkself vor einigen Wochen nach Verletzungen in eine kleine Krise geschlittert war, verpasste beim 0:1 (0:0) zum Abschluss der Europa League bei Ferencvaros Budapest die B-Elf die große Chance, Werbung in eigener Sache zu machen und den Konkurrenzkampf anzuheizen.

Gleich neun Spielern hatte Trainer Gerardo Seoane angesichts des bereits sicheren Weiterkommens und Gruppensiegs eine Bewährungschance auf europäischer Bühne gegeben. Richtig genutzt hat sie keiner. Am ehesten noch Linksverteidiger Daley Sinkgraven, der nach der Genesung von Mitchel Bakker aber sicher wieder ins zweite Glied rutschen wird, und Paulinho, der zwischenzeitlich eh schon nahe an der Startelf war. Torhüter Andrej Lunew bekam gegen die eigentlich harmlosen Ungarn, die zuvor alle fünf Spiele verloren hatten, keine Gelegenheit, sich auszuzeichnen.

Und der Rest? 

In der Offensive vergab Nadiem Amiri drei gute Torchancen recht kläglich, Karim Bellarabi zeigte erst gute Ansätze, tauchte dann aber ab. Stürmer Lucas Alario sah kaum einen Ball und ist in dieser Verfassung keine Konkurrenz für den geschonten Patrik Schick, der am Samstag beim 7:1 gegen Fürth vier Treffer erzielt hatte. Im Mittelfeld zeigte Ex-Kapitän Charles Aranguiz eindrucksvoll, warum er nach seiner Verletzung den Stammplatz verloren hat. Defensiv zeigte Panos Retsos ein paar gute Läufe, Flanken und Defensiv-Arbeit waren mäßig. Innenverteidiger Odilon Kossounou, der seinen Stammplatz an Edmond Tapsoba verloren hat, hätte schon nach vier Minuten mit einem haarsträubenden Rückpass fast den Rückstand begünstigt.

Für Seoane muss sich der Eindruck verfestigt haben, dass er leistungsmäßig nicht wie erhofft auf Rotation wird setzen können. Er lobte das Team für seinen Einsatz. Dass er mangelnde Entschlossenheit monierte, wiegt in einem solchen Spiel aber doppelt schwer.

Leistungsträger werden ran müssen

Will Bayer in der Liga den Champions-League-Platz sichern und in der durch die Champions-League-Absteiger Borussia Dortmund und FC Barcelona aufgewerteten Europa League endlich mal richtig weit kommen, werden die Leistungsträger fast immer ran müssen. Allen voran Schick und Jung-Nationalspieler Florian Wirtz. Denen Seoane die Reise nach Budapest auch deshalb ersparte, weil sie in den vergangenen Wochen eh schon angeschlagen waren.

In Budapest konnten sie sich wenigstens ausruhen. Deshalb wird Seoane zum Spiel am Sonntag bei Eintracht Frankfurt noch einmal kräftig rotieren. Dann werden nämlich wohl alle Stammkräfte zurückkehren.

© dpa-infocom, dpa:211210-99-326869/2

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