BVB-Trainer Tuchel: Ausbruch á la Klopp

Die Verfolgerfrage der Fußball-Bundesliga scheint vorerst geklärt. In einer emotionaler Schlussphase siegt Dortmund beim Pokalsieger Wolfsburg und distanziert den Vizemeister auf zehn Punkte.
| dpa
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Emotional und voll dabei: Dortmunds Coach Thomas Tuchel.
firo/Augenklick Emotional und voll dabei: Dortmunds Coach Thomas Tuchel.

Wolfsburg - Borussia Dortmunds "Big-Point-Sieg" in Wolfsburg hätte auch Jürgen Klopp nicht irrer bejubeln können als sein Nachfolger Thomas Tuchel. Als richtigen Herausforderer von Rekordmeister FC Bayern wie zu Klopps besten Dortmunder Zeiten sieht der BVB-Coach sein Team aber auch nach dem verrückten 2:1 (1:0) am Samstag im Verfolgerduell nicht.

"Wir sind weit davon entfernt, die Bayern irgendwie zu jagen", befand Tuchel, nachdem der Tabellenzweite bis auf fünf Punkte an den bislang souveränen Spitzenreiter herangerückt war und die tolle Heimserie der Wolfsburger von 29 Spielen ohne Niederlage gebrochen hatte.

"Wenn man sich die Tabelle anguckt, war das ein wichtiger Sieg, das war ein Big-Point-Sieg", jubelte der überragende Sven Bender nach der Revanche für das verlorene Pokalfinale, wodurch der BVB den Vizemeister auf nunmehr zehn Punkte distanzierte. "Aber wir müssen die Füße am Boden halten. Es geht darum, gegen Frankfurt am Sonntag den nächsten Schritt zu machen", forderte Tuchel.

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Diese Bodenhaftung hatte der sonst so abgeklärte Trainer in der Schlussphase jedoch verloren. Nach der Achterbahnfahrt der Gefühle, dem verwandelten Foulelfmeter von Wolfsburgs Ricardo Rodriguez in der 90. Minute und Shinji Kagawas unverhofftem Siegtreffer 118 Sekunden später zeigte er Emotionen wie Vorgänger Klopp nach wichtigen Erfolgen.

 

 

"Das war schon ein Ausrufezeichen", sagte Sportdirektor Michael Zorc zum ungewohnt emotionalen Auftritt Tuchels.

Zunächst war der Borussen-Coach gestikulierend zur Wolfsburger Bank gerannt, drehte dann ab und trat mit Inbrunst gegen eine Werbebande. Dafür wurde Tuchel für die letzten Sekunden von Schiedsrichter Tobias Stieler des Innenraums verwiesen.

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"Gegen die Bande habe ich getreten aus einer Mischung aus Frust und Freude. Das hatte keinen tieferen Sinn. Die Energie musste einfach raus", meinte Tuchels, räumte aber zu seinen Gesten Richtung VfL-Bank ein: "Das war auch ungebührlich, ich habe mich da provozieren lassen, weil Wolfsburgs Co-Trainer nach dem Elfmeter sehr ungebührlich uns gegenüber gejubelt hat. Ich wollte ihm damit zeigen, dass er sich zu früh gefreut hat. Ich hätte das komplett sein lassen können."

Tuchel gingen diese Worte angesichts des unverhofften Sieges sicher leichter über die Lippen. Wie bei allen Dortmundern wollte auch bei ihm das breite Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht entschwinden. Dieses fiel angesichts der ersten Niederlage der Bayern drei Stunden zuvor in Gladbach umso breiter aus.

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"Natürlich tut es auch mal gut, dass die Bayern auch mal ein Spiel verlieren", gab Bender zu, und Tuchel meinte: "Ich habe es schon ein bisschen vermutet, dass Gladbach in der jetzigen Form dazu in der Lage ist."

Zu einer Kampfansage an die Bayern ließ sich indes niemand hinreißen. Die Westfalen jubelten vielmehr über den Sieg im Spitzenspiel als wichtigen Schritt zurück in Richtung Champions League denn über Bayerns Ausrutscher.

"Es sieht gut aus", meinte Zorc dazu. Beeindruckend war die Leistung auf dem Platz indes nur in der ersten halben Stunde, als die Gäste den Vizemeister an die Wand spielten - obwohl in Mats Hummels, Sokratis und Julian Weigl drei elementare Defensivkräfte wegen eines Magen-Darm-Infekts fehlten und während des Spiels auch noch Ilkay Gündogan ausfiel.

"Das muss auch mal gewürdigt werden mit den ganzen Ausfällen. Da ist uns ja fast die gesamte mittlere Achse weggebrochen", meinte Zorc. Spätestens als Gündogan mit einer Prellung nach 55 Minuten vom Feld musste, kippte auch die Partie.

Danach spielte nur noch der VfL, dessen Verantwortliche mit dem lethargischen Spiel vor der Pause und vor allem Josuha Guilavoguis Riesenfehler vor dem Dortmunder 1:0 durch Marco Reus (32.) haderten.

"Das erste Tor, das tut mir leid, aber das darf nicht sein, wenn wir da oben spielen wollen. Und wir haben ja alle diese Ambition", meinte der sichtlich erboste VfL-Manager Klaus Allofs an seinem gründlich verdorbenen 59. Geburtstag.

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