Bielefelds Aufstieg? Alle freuen sich wie Bolle

In der AZ spricht Kult-Kicker Ansgar Brinkmann über die Bundesliga-Rückkehr seiner Bielefelder, sein Dschungelcamp-Abenteuer, Kumpel Jürgen Klopp – und warum die Fifa ihn wohl bald einsperren wird.
| Interview: Thomas Becker
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Für Bielefeld absolvierte Kultkicker Ansgar Brinkmann 60 Spiele in der 1. und 2. Bundesliga.
Imago Images 3 Für Bielefeld absolvierte Kultkicker Ansgar Brinkmann 60 Spiele in der 1. und 2. Bundesliga.
Bielefeld in Jubellaune: Arminia um Coach Uwe Neuhaus (l.) kehrt zurück in die Bundesliga – und am meisten freut sich darüber ihr ehemaliges Enfant terrible Ansgar Brinkmann.
Imago Images 3 Bielefeld in Jubellaune: Arminia um Coach Uwe Neuhaus (l.) kehrt zurück in die Bundesliga – und am meisten freut sich darüber ihr ehemaliges Enfant terrible Ansgar Brinkmann.
Der "weiße Brasilianer" gegen "Schweini": Als Ansgar Brinkmann (l.) das letzte Mal auf die Bayern traf, galt Basti Schweinsteiger noch als Talent.
Imago Images 3 Der "weiße Brasilianer" gegen "Schweini": Als Ansgar Brinkmann (l.) das letzte Mal auf die Bayern traf, galt Basti Schweinsteiger noch als Talent.

München - AZ-Interview mit Ansgar Brinkmann: Der ehemalige Profi (50) gilt als Arminias Kult-Kicker und letzter Straßenfußballer Deutschlands. Für die Bielefelder absolvierte er 60 Spiele in der 1. und 2. Liga.

AZ: Herr Brinkmann, nur für Osnabrück, einen Ihrer insgesamt 18 Klubs, haben Sie mehr Spiele absolviert als für Bielefeld. Nach elf Jahren Abstinenz ist der Klub nun wieder Erstligist. Wie haben Sie Ihre Arminia in all den Jahren erlebt?
ANSGAR BRINKMANN: Nach elf Jahren ohne Bundesliga kann sich jeder vorstellen, was da los war in der Stadt! Alle freuen sich wie Bolle, bald die Havertzs, Sanchos und Lewandowskis dieser Welt wieder auf der Alm begrüßen zu können. Das ist schon mal ein Brett. Es war ein langer, harter Weg zurück in die Bundesliga. Die Wirtschaft in Bielefeld hat sich hinter den Verein gestellt und ihn entschuldet, wieder auf null gebracht. Damit auch wieder eine ordentliche Personalpolitik betrieben werden kann – was in Bielefeld ja nicht immer einfach war. Auch Präsident Hans-Jürgen Laufer hat einen Top-Job gemacht, Respekt!

Bielefeld in Jubellaune: Arminia um Coach Uwe Neuhaus (l.) kehrt zurück in die Bundesliga – und am meisten freut sich darüber ihr ehemaliges Enfant terrible Ansgar Brinkmann.
Bielefeld in Jubellaune: Arminia um Coach Uwe Neuhaus (l.) kehrt zurück in die Bundesliga – und am meisten freut sich darüber ihr ehemaliges Enfant terrible Ansgar Brinkmann. © Imago Images

Wie sieht’s sportlich aus?
Bielefeld war ja schon in der letzten Saison die beste Rückrundenmannschaft. Trotzdem hätte niemand geglaubt, dass wir das so durchziehen. Der Kader ist gut, die Mannschaftsteile funktionieren, wir haben auch individuelle Qualität, dazu dieser Trainer mit seiner Unaufgeregtheit. Für viele war die Bundesliga ein Kindheitstraum – das macht auch nochmal Kräfte frei. Mannschaften wie Hamburg und Stuttgart mit ihren Top-Kadern sind alles, aber nicht konstant. Deswegen hat der VfB in der Hinrunde als Tabellendritter den Trainer entlassen. Mit dieser Mannschaft muss man normalerweise nach der Hinrunde acht bis zehn Punkte Vorsprung haben. All das haben wir natürlich ausgenutzt, aber auch selbst am Limit gespielt.

Brinkmann: "Der Aufstieg 2002 war emotionaler als heute"

Wohl kaum ein Spieler hat so oft den Verein gewechselt wie Sie. Woher kommt diese spezielle Bindung zur Arminia?
Ich lebe in Bielefeld, habe viele Freunde hier. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich auf alle Vereine schaue, bei denen ich gespielt habe.

Da haben Sie aber zu tun!
Klar, mir wird nie langweilig.

Sie haben auf dem Platz den sechsten von nun insgesamt acht Aufstiegen der Arminia miterlebt. Wie war das damals 2002?
Heribert Bruchhagen und Benno Möhlmann wollten mich schon öfter mal verpflichten, und mit Bastian Reinhardt, Arne Friedrich und Rüdiger Kauf hatten wir eine coole Truppe. Klar war der Aufstieg emotionaler als der heute, aber das ist höhere Gewalt. Zu erleben, wie eine Stadt komplett ausrastet – das fällt diesmal halt leider aus. Aber das Ergebnis bleibt das gleiche: Mehr als Bundesliga geht nicht.

Nach gutem Start stand damals am Ende dann doch wieder der Abstieg...
Wenn es damals schon den Video-Schiedsrichter gegeben hätte! Zwei Mal hätte es Elfmeter geben müssen, in Dortmund und auf Schalke. Ein Sieg aus den letzten fünf Spielen hätte uns gereicht – den haben wir aber nicht mehr hinbekommen.

Brinkmann: "Im Fußball halten Freundschaften lange"

Es ging ja grandios los für die Arminia: 3:0 gegen Bremen und gleich mal Tabellenführer!
Als Tabellenführer sind wir dann zum FC Bayern gefahren, zu Kahn, Ballack, Salihamidzic, Elber und Pizarro. Die hatten dann – wie sie das öfter gern machen – ein paar Jungs gegen uns geschont: Mehmet Scholl saß zum Beispiel auf der Bank. Was ich nie vergessen werde: Unsere Fans hatten T-Shirts mit der Aufschrift ‘Der Tabellenführer lässt grüßen’. Schon beim Warmmachen dachte ich mir so: ‘Die Bayern im eigenen Stadion provozieren? Wenn das mal gut geht!’ Irgendwann stand’s 3:1, und als Elber das 4:1 macht, rief Mehmet Scholl rein: ‘Ansgar, das schafft ihr noch!’

Der "weiße Brasilianer" gegen "Schweini": Als Ansgar Brinkmann (l.) das letzte Mal auf die Bayern traf, galt Basti Schweinsteiger noch als Talent.
Der "weiße Brasilianer" gegen "Schweini": Als Ansgar Brinkmann (l.) das letzte Mal auf die Bayern traf, galt Basti Schweinsteiger noch als Talent. © Imago Images

Haben Sie noch Kontakt zu Ex-Kollegen wie Scholl?
Klar sind wir in Kontakt, auch mit Kloppo, meinem alten Zimmerkollegen aus Mainzer Zeiten. An dem Tag, als bekannt wurde, dass ich ins Dschungelcamp gehe (Anfang 2018, d. Red.), hatte ich so einige Whatsapps auf dem Handy: ‘Ansgar, das kannst du nicht machen. Denk an dein Image!’ Hab’ ich zurückgeschrieben: ‘Was für ein Image?’ Aus Liverpool kam um 23 Uhr eine Whatsapp mit dem Text: ‘Weltklasse! Ich gucke jede Folge.’ Dann kamen Bilder von ihm und seiner Frau beim Gucken und Lachen, er mit seinen 78 Zähnen da vorne. Will sagen: Im Fußball halten Freundschaften lange.

Jürgen Klopp ist schon ein ganz besonderer Typ, oder?
Kloppo war schon ein Erlebnis. Wir haben viel gelacht. Oft werde ich gefragt, ob sein Erfolg absehbar war. Nun, das soziale Paket hat er schon gehabt, er war ein Gerechtigkeitsfanatiker, hat studiert, ist ein intelligenter Mann. Und er kann gönnen und sich freuen, wenn es anderen gut geht. Aber Leute, es war doch nicht absehbar, dass der Mainz nach oben bringt, mit Dortmund Meister wird und mit Liverpool die Champions League gewinnt!

Brinkmann: "Es gibt nun ein Filmprojekt mit meiner Wenigkeit"

Sie haben 2009 den A-Trainer gemacht, bislang aber nicht als Coach gearbeitet. Wieso nicht?
Ich arbeite ja im Fußball, mache Lesungen und hab’ seit acht Jahren eine Kolumne im Radiosender 1Live. Die wollten zwei Folgen, haben sich aber so kaputtgelacht, dass acht Jahre daraus geworden sind. Fußball ist meine Basis, gern auch hinter den Kulissen. Ich hatte schon Optionen: Ein Drittligist und ein Zweitligist waren dabei – hab’ ich nicht gemacht. Weil ich diesen Ablauf 20 Jahre lang hatte, von 17 bis 37. Danach war es wirklich so schön rumzucruisen, Longboard zu fahren. Wenn meine Freunde früher gesagt haben ‘Wir fahren zu Rock am Ring’, saß ich freitagmorgens 600 Kilometer lang im Bus – wir sind noch Bus gefahren, nicht geflogen! Und das alles wollte ich nicht mehr. Dafür gibt es nun ein Filmprojekt mit meiner Wenigkeit.

Erzählen Sie!
Das wird spannend. In meinem Fußballerleben war ja ein bisschen Tempo. Ich war ein Wahnsinniger, das muss man nicht verschweigen. Ich hab’ denen gesagt: ‘Wir können in meiner Vergangenheit unterwegs sein, Rückblicke machen, wie ich im Polizeiwagen sitze und weglaufe. Aber ich will auch im Ist-Zustand unterwegs sein, Freunde besuchen wie Campino oder Cantona treffen. Und ich will auch Regie führen.’ Da meinten die: ‘Ansgar, das ist ein Projekt von 1,5 Millionen Euro – wir haben einen Regisseur.’ Hab’ ich gesagt: ‘Könnt ihr euch einrahmen und in die Küche hängen.’ Mit Vorgaben ist schwierig bei mir. Um es kurz zu machen: Das wird richtig krank. Aber gut.

Klingt prima. Wann und wo wird das zu sehen sein?
Wird noch ein bisschen dauern, nicht vor Ende des Jahres. Es wird fünf Folgen geben, 35 bis 45 Minuten lang. Keine baut auf der anderen auf. In die erste Folge knallen wir alles rein, was ich an Wahnsinn auf und neben dem Platz erlebt habe – wer sich das angesehen hat, schaut sich alle fünf an. Und in der letzten Folge schmeiß’ ich ‘ne Fackel auf die Fifa, da sperren sie mich für fünf Monate ein, aber danach geht’s auch weiter.

Lesen Sie auch: Bundesliga startet am 18. September in die Saison 2020/21

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