Augsburg plant die Majestätsbeleidigung

Otto Rehhagel kehrt auf die Bundesliga-Bühne zurück. Die Schwaben wollen dem 73-Jährigen das Comeback jedoch vermiesen: „Dafür werden wir alles geben.”
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Rehhagel kehrt beim Abstiegsduell in auf die Bundesliga-Bühne zurück. Die Schwaben wollen dem 73-Jährigen das Comeback jedoch vermiesen: „Dafür werden wir alles geben”

Augsburg - Die Augen der Bundesligafans, und sicher nicht nur jener, sind am Samstag nach Augsburg gerichtet. FCAugsburg gegen Hertha BSC Berlin, was normalerweise ein Spiel zweier Klubs im Abstiegskampf wäre, muss als Bühne herhalten für das unerwartetste Comeback des Jahrzehnts. Altmeister Otto Rehhagel, seit einer Woche bei Hertha im Amt, feiert seine Rückkehr auf die Bundesligabühne – und die Augsburger wollen die Bühne auf keinen Fall bereitwillig räumen. Die bayerischen Schwaben wollen Rehhagel die Rückkehr nach zwölf Jahren gründlich vermiesen. Auf „König Otto” könne man im Abstiegskampf keine Rücksicht nehmen, verdeutlichte Augsburgs Manager Andreas Rettig einen Tag vor der Partie am Samstag. „Wir haben natürlich eine Majestätsbeleidigung vor”, sagte er im ZDF.

Für beide Kellerteams geht es um verdammt viel, man bezeichnet diese Spiele eines Tabellensiebzehnten (Augsburg) gegen einen 15. (Hertha) nicht umsonst gerne als Sechs-Punkte-Spiele. „Am Samstag kommt es darauf an, dass die Leute mit Begeisterung dabei sind”, betonte der 73 Jahre alte Rehhagel. Für seine Hertha BSC geht es um ganz viel. Sechs Pflichtspiele ohne Punkt, elf Ligapartien ohne Sieg, nur ein einziges Tor 2012. „Wir haben nicht mehr viel Zeit”, sagte Rehhagel. „Es zählt nur ein Sieg. Dafür werden wir alles geben”, sagte Rehhagels Gegenüber, Augsburgs Coach Jos Luhukay. Ob Rehhagels Anstellung für die Fußball-Schwaben zum Nachteil werden könne? „Ein Trainerwechsel kann kurzfristig immer einen positiven Impuls setzen. Fußball hat viel mit dem Kopf zu tun”, erkannte Rettig.

Die heiße Phase im Kampf um den Klassenerhalt hat jedenfalls schon zwölf Spieltage vor Saisonende begonnen, die Kiste mit den Psychotricks ist geöffnet. Durch den Sensationscoup sind die Querelen der letzten Wochen und die sportliche Talfahrt der Hertha in den Hintergrund gedrängt worden. Die kriselnde alte Dame befindet sich seit der Inthronisierung von Rehhagel in einer Aufbruchsstimmung. Alles Dinge, die den Mitkonkurrenten ganz bestimmt nicht schmecken dürften. Vor allem beim Thema Selbstvertrauen scheint Rehhagel in der kurzen Zeit bereits einige Dinge bewirkt zu haben. Die Spieler lauschen ehrfürchtig seinen Worten – die Erfolge seiner Vergangenheit bescheren ihm den Respekt, den Vorgänger Michael Skibbe möglicherweise nicht hatte. Oder schnell verlor.

Doch der Hype um seine Person, der seit Sonntag an der Spree herrscht, lässt ihn völlig kalt. „Ich will keine Personality-Show. Ich will den Klassenerhalt”, hatte Rehhagel im „kicker”, der vor seinem 821. Spiel als Liga-Trainer, das erste wieder nach 4165 Tagen, erklärt. „Ich habe einmal mit Bayern ein Freundschaftsspiel in Augsburg bestritten. Ansonsten kenne ich den Verein noch aus Hallers Zeiten”, bemerkte Rehhagel. Nationalspieler Helmut Haller hatte zuletzt von 1973 bis 1976 für den FC Augsburg gespielt. Ein Sieg gegen die aktuellen Augsburger könnte nach sechs Niederlagen im Jahr 2012 für Hertha zum Befreiungsschlag werden, hofft Rehhagel: „Natürlich wäre es schön, wenn wir gewinnen.”

Rehhagels Popularität in der Hauptstadt ist jedenfalls riesig. Auch abseits des Sports. Die CDU-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses nominierte ihn als Wahlmann für die Präsidentenwahl auf der Bundesversammlung. „König” Otto darf damit am 18. März mitbestimmen, ob Joachim Gauck neues Staatsoberhaupt wird.

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