Revolution im Iran: Frauen dürfen zum Public Viewing ins Stadion

Erstmals seit fast 40 Jahren durften in Teheran Frauen ins Fußballstadion. Zum Public Viewing. Bislang war das größte Stadion des Landes, das auf Deutsch "Freiheit" heißt, für Frauen verbotenes Terrain.
| sid
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Public Viewing in einem Restaurant im Stadtzentrum. Iranische Fußballfans feiern den 1:0-Sieg ihres Teams gegen Marokko. Nach nationalen und internationalen Protesten haben die iranischen Behörden den Frauen im Land vorerst Zugang zum Fußballstadion gestattet.
Vahid Salemi/AP/dpa Public Viewing in einem Restaurant im Stadtzentrum. Iranische Fußballfans feiern den 1:0-Sieg ihres Teams gegen Marokko. Nach nationalen und internationalen Protesten haben die iranischen Behörden den Frauen im Land vorerst Zugang zum Fußballstadion gestattet.

Teheran/Kasan - Mit bunten Mützen auf dem Kopf, den Nationalfarben auf den Wangen, Fahnen um den Hals und Vuvuzelas an den Lippen waren sie gekommen, um Geschichte zu schreiben. Doch die Staatsmacht ließ sie nicht ins Azadi-Stadion, die Polizei blockierte die Eingänge.

Nach einer Stunde mit Protesten, Sitzblockaden und Diskussionen war die iranische Revolution aber nicht mehr aufzuhalten: Die Frauen strömten zum ersten Mal seit 37 Jahren in die Fußballarena in Teheran. Während auf der großen Videowand das WM-Spiel gegen Spanien lief, feierten Tausende auf der Tribüne sich selbst und einen historischen Moment. Fotos und Videos auf Twitter und Instagram zeigten der Welt, dass der Bann gebrochen war.

Das Stadionverbot für Frauen, das der einflussreiche Klerus nach der Islamischen Revolution 1979 verhängt hatte, war aufgehoben - noch nicht für Live-Fußball, aber immerhin für Public Viewing. "Wenn die Zuschauer bewiesen haben, dass sie die Regeln respektieren, hoffen wir, dass wir auch das nächste Spiel im Stadion übertragen können", sagte Tayebeh Siavoshi, Abgeordnete des iranischen Parlaments, "und dass dies der Anfang ist, dass Familien Spiele im Azadi besuchen dürfen."

Bislang war das größte Stadion des Landes, das auf Deutsch "Freiheit" heißt, für Frauen verbotenes Terrain - wie alle anderen Fußball-Arenen auch, wenn Männer spielen. Seit dem 5. Oktober 1981, als sie zum letzten Mal in Teheran ein Spiel sehen durften. Offiziell sollen sie damit vor den vulgären Äußerungen und Gesängen der Männer geschützt werden. Wer doch hinein wollte, musste sich einen Bart ankleben und sich als Mann verkleiden. Wer erwischt wurde, wurde verhaftet.

Wie 35 Frauen, die beim Besuch des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino im März versuchten, ins Azadi-Stadion zu gelangen. Der Boss des Weltverbandes verzichtete damals auf öffentliche Kritik und verwies auf "private" Gespräche mit Staatspräsident Hassan Rohani und dessen Zusage, dass ein Ende des Verbots geplant sei.

Beim 1:0-Auftaktsieg der Iraner gegen Marokko waren alle geplanten Public-Viewing-Veranstaltungen noch abgesagt worden. Danach feierten und tanzten Zehntausende in Teherans Straßen - Männer und Frauen.

Als am Mittwochabend nach offizieller Ankündigung, kurzfristiger Absage wegen "Infrastrukturproblemen" und dem endgültigen Okay aus dem Innenministerium die Frauen ins Stadion strömten, verbreitete auch die FIFA Fotos von diesem historischen Moment - ebenso wie der offizielle Twitter-Account der iranischen Nationalmannschaft.

Die Spieler allerdings wollten sich nicht äußern. Sie verwiesen auf die Aussage ihres Kapitäns Masoud Shojaei, das Thema wolle man "in der Familie klären". Sein spanischer Kollege Sergio Ramos sah nach dem 1:0 gegen den Iran nicht nur den WM-Titelkandidaten als Sieger, sondern auch die iranischen Frauen: "Sie sind diejenigen, die heute gewonnen haben. Hoffentlich die ersten von vielen."

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