Jetzt gegen Schweden: Ende oder Wende für die DFB-Elf?

Joachim Löw kann gegen Schweden reüssieren – oder historisch schlecht scheitern. Dann droht dem Bundestrainer, der in Sotschi bewusst lässig in Shorts und mit Sonnenbrille posiert, das WM-Aus.
| Patrick Strasser
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Noch wirkt er ganz entspannt: Bundestrainer Joachim Löw von Fans umringt in Sotschi.
Christian Charisius/dpa Noch wirkt er ganz entspannt: Bundestrainer Joachim Löw von Fans umringt in Sotschi.

Sotschi - Es sind nicht die großen Fußballmetropolen, sondern kleinere Städte, die für historische Dramen der deutschen WM-Geschichte stehen. Córdoba 1978 mit dem peinlichen 2:3 gegen Österreich. Oder Gijón 1982 mit dem Nichtangriffspakt gegen das Austria-Team. Sowie Lyon 1998, als Kroatien die DFB-Elf im Viertelfinale mit 3:0 nach Hause schickte.

Reiht sich in diese Aufzählung der Schande am späten Samstagabend "Sotschi 2018"? Der Kurort am Schwarzen Meer, der in den letzten Tagen dank seiner kilometerlangen Strandpromenade Fans, Spieler sowie Bundestrainer Joachim Löw zum Flanieren, Sonnen und Baden einlud, könnte künftigen Generationen als Synonym für das Scheitern der Weltmeister von 2014 dienen. (Lesen Sie hier: Hummels fällt gegen Schweden aus

Bei einer Niederlage im zweiten Gruppenspiel gegen Schweden (20 Uhr, ARD live sowie im AZ-Liveticker) und einem Erfolg der Mexikaner wenige Stunden zuvor gegen Südkorea droht dem DFB-Team das Undenkbare: Chancenlos nach zwei Partien, kein Super-, eher ein Mega-GAU. Historisch schlecht.

Das Motto der Titelverteidiger "Best Never Rest" (die Besten gönnen sich keine Pause) würde ihnen im vorzeitigen Urlaub in den Ohren klingeln. Doch warum zweifeln? Warum vom Scheitern ausgehen? Das wäre gegen jede Sportler-Ehre und kontraproduktiv für die 90 Minuten Wahrheit auf dem Platz.

DFB-Team bei der WM: Warnschüsse ignoriert

"Wir sind überzeugt, dass wir gewinnen“, sagte Sami Khedira, „ich bin der festen Überzeugung, dass diese Mannschaft den Charakter und den Willen hat, dieses Turnier noch weiterzuführen." Braucht dieses Team den maximalen Druck? Geht es nur dann, wenn man sich nicht mehr – wie zuvor im Trainingslager und trotz der Warnschüsse in den Tests gegen Österreich (1:2) und Saudi-Arabien (2:1) – einreden kann, dass es doch immer gut gegangen und diese Mannschaft wie selbstverständlich auf den Punkt fit und bereit sei?

Die Führungsspieler der WM-Helden von Rio wirkten wie Autofahrer, die im nahenden Stauende trotz aller Warnungen gedanken- und tatenlos auf die bereits gecrashten Wagen auffuhren. Tilt!

Ein Auffahrunfall ohne taktischen Airbag, ohne Lösungen, die hätte helfen können – ob vom Trainer oder den Leadern der Reisegruppe. Weil sich Fans und Medien, die Voyeure dieser kollektiven Havarie, in den Tagen danach die Protagonisten vorknöpften, reagierten die Unfallfahrer teils einsichtig, teils genervt und beleidigt.

"Jogi cool" und die Gewitter von Sotschi 

Doch aus genau diesen Momenten kann Trotz entstehen, eine Jetzt-zeigen-wir-es-allen-Haltung. "Die wichtigsten zwei Waffen sind Energie und Körpersprache", sagte Löw. Mit dieser aus Wut gespeisten Energie hat eine deutsche Nationalelf schon oft ihren Karren wieder flottbekommen.

Das Schweden-Spiel könnte zum Nadelöhr dieses Turniers werden. Auch an früheren WM-Kreuzungen (das 4:2 gegen Schweden 1974, das 2:1 gegen Holland 1990, das 2:1 gegen Algerien vor vier Jahren) nahm Deutschland die richtige Ausfahrt und parkte am Ende an der Haltestelle Weltmeister.

Schweden wird ein sportlicher Stresstest, eine moralische Charakterprüfung. Besonders Joachim Löw hatte die Bühne des Kurorts Sotschi ganz bewusst dafür genutzt, "höggdschde" Lässigkeit zu demonstrieren. Er poste sonnenbebrillt und kurzbehost an der Strandpromenade, als wäre er schon im Titelverteidiger-Urlaub.

Tollkühn? Gar dreist oder einfach nur keck und von Selbstverständnis übermannt? "Jogi cool" setzte alles auf eine Karte. Sein Vertrag wurde vor der WM vorzeitig bis 2022 verlängert. Wäre er bei einem Scheitern noch zu halten? Würde man dem vorzeitig gestrandeten Bundestrainer den dann fälligen Groß-Umbruch noch zutrauen? Für Samstagabend sind in Sotschi Gewitter angesagt. Es wird knallen. So oder so.

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