Khedira-Kinderfotos: Kicken im Kinderzimmer

Khedira ist der neue Boss der DFB-Elf. Hier erinnert sich sein Entdecker im AZ-Interview an die Tage in der E-Jugend, wo Sami sogar im Tor spielte.
| Interview: Markus Merz
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Khedira-Männer auf der heimischen Couch: Vater Lazhar mit Bruder Rani (spielt bei VfB Stuttgart II) und Bruder Denny (v.l.).
M. Merz 5 Khedira-Männer auf der heimischen Couch: Vater Lazhar mit Bruder Rani (spielt bei VfB Stuttgart II) und Bruder Denny (v.l.).
Khedira spielt eine überragende EM für Deutschland.
firo 5 Khedira spielt eine überragende EM für Deutschland.
Der siebenjährige Khedira (TV Oeffingen) erhält eine Medaille.
privat 5 Der siebenjährige Khedira (TV Oeffingen) erhält eine Medaille.
Khedira in seinem Kinderzimmer im Jahre 2005.
privat 5 Khedira in seinem Kinderzimmer im Jahre 2005.
Familienidylle im Jahre 2004: Sami Khedira (Mitte), mit blondierten Strähnen, engumschlungen mit seinen beiden Brüdern Denny (links) und Rani.
privat 5 Familienidylle im Jahre 2004: Sami Khedira (Mitte), mit blondierten Strähnen, engumschlungen mit seinen beiden Brüdern Denny (links) und Rani.

AZ: Herr Ihring, Sie haben Sami Khedira gemeinsam mit dessen Vater Lazhar Khedira in der F- und E-Jugend des Stuttgarter Vorortvereins TV Oeffingen trainiert. Sie müssen in diesen Tagen besonders stolz sein.

ROLAND IHRING: Auf jeden Fall. Erst am Samstag habe ich mit meiner Familie beim Abendessen wieder über Sami und die tollen Zeiten gesprochen. Danach haben wir dann noch ein paar Videokassetten von damals eingelegt.

Und war bei Sami schon damals das Talent erkennbar?

Man hat schon gesehen, dass er ein richtig Guter wird. Und das Lustige ist, dass sich manche Dinge über die Jahre überhaupt nicht verändert haben. Den Laufstil hatte er auch schon in der F-Jugend. Sami ist schon als kleiner Junge enorm viel gelaufen. Das war sensationell. So wie jetzt gegen Griechenland, als er ja 11,5 Kilometer gelaufen ist. Es hatte immer den Anschein, als hätte Sami drei Lungen.

Damals haben Sie Sami Khedira aber nicht nur im Mittelfeld aufgeboten.

Ja, richtig. Sami hat eigentlich überall gespielt, egal ob im Sturm oder in der Abwehr.

Sie sollen ihn sogar mal ins Tor gestellt haben, woraufhin der Vater nicht ganz so begeistert gewesen sei.

Ja, aber das war nur einmal. Er hat da mal ausgeholfen und weil ich wusste, dass sein Vater Lazhar früher selbst Torhüter war, hab ich ihn eben reingestellt. Und so ganz abwegig war das ja auch nicht, wenn man heute sieht, dass er bei Real Madrid mehr oder weniger als dritter Torhüter gesehen wird. Also für den absoluten Ausnahmefall würde er auch bei José Mourinho in den Kasten gehen.

Wie ist denn Ihr Kontakt zur Familie Khedira heute? Die Mutter arbeitet ja noch im örtlichen Kiosk.

Genau, da sieht meine Frau die Mutter von Sami öfter. Insgesamt ist der Kontakt aber weniger geworden. Früher waren unsere Familien gemeinsam im Hallenbad, das geht heute nicht mehr. Dafür bleibt keine Zeit. Aber es gibt viele Erinnerungen. Vor allem, weil mein Sohn Timo und Sami auch in einer Clique waren und sie nach der Schule oft noch zu den Khediras nach Hause sind, dort alles umgeräumt und in Samis Kinderzimmer Fußball gespielt haben.

Wie verfolgen Sie jetzt die EM-Spiele?

Meistens von zuhause aus. Sami will immer den Ball, ist ständig anspielbereit und daher auch oft genug im Bild. Gerade hat man fast den Eindruck, als würde er dem Schweini ein bisschen den Rang ablaufen, aber das hat natürlich auch mit dessen zurückliegender Verletzung zu tun. Und wenn Sami dann mal ein Tor schießt, wie am Freitag, dann freut es mich. Er trifft ja nicht so oft. Wenn, dann sind es aber immer die wichtigen Tore. Ob das 2:1 gegen Griechenland oder bei der WM 2010 im Spiel um Platz Drei zum 3:2. Und das Tor zur Meisterschaft des VfB Stuttgart 2007 gegen Cottbus.

Ist Sami bei all dem Ruhm noch derselbe geblieben?

Ja, mit Sicherheit, er ist noch sehr bodenständig, dafür hat sein Vater gesorgt. Lazhar ist wie ich häufig beim TV Oeffingen, da spielt mit Denny einer der beiden Brüder von Sami. Manchmal treffen wir uns zufällig. Die Eltern von Sami haben einen großen Anteil an seinem Erfolg. Ohne sie wäre er nicht dahin gekommen, wo er jetzt ist.

Aber eine Veränderung hat er doch durchgemacht.

Na klar! In seiner Zeit beim TV Oeffingen hat er kaum ein Wort gesprochen, war ganz schüchtern. Wenn ich ihm etwas gesagt habe, hat er immer nur genickt und hat den Mund gar nicht aufgebraucht. Daher ist es jetzt toll zu sehen, wie er mit dem ganzen Medienrummel umgeht.

Wie kam es, dass Sami damals von Oeffingen zum VfB Stuttgart gewechselt ist?

Bei einem E-Jugend-Hallenturnier wurde ich von einem Jugendtrainer angesprochen, ob er nicht mal beim VfB ein Probetraining machen will. Und so kam es dann auch.

Sie waren davon überzeugt, dass Sami seinen Weg geht?

Ja, jederzeit. Ich habe schon in der U14 gesagt, dass er mal Nationalspieler wird. Und dass er das im defensiven Mittelfeld schaffen wird. Weil Sami ist einfach kein Mesut Özil, passt mit seinen Qualitäten aber perfekt auf die Position, auf der er jetzt spielt.

Sie haben Recht behalten.

Ja, nur hat mir das nicht immer jeder geglaubt. Ich kann mich da an einen Stadionbesuch mit meinem Chef erinnern. Das war, als Sami gegen Schalke seine ersten beiden Bundesligatore erzielt hat. Nach dem Spiel hab’ ich zu meinen Chef gesagt: „Den müssen sie sich merken.“ Da hat er nur gelacht. Aber es ist ja auch alles relativ schnell gegangen. Und Samis Weg ist noch nicht zu Ende.

Nächste Station: Halbfinale gegen Italien. Mit Ihnen als Jugendtrainer von einst vorm TV?

Auf jeden Fall, wie immer im Trikot von Sami.

 

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