Kanzlerin Merkel kommt zum Deutschland-Spiel

Trotz der Menschenrechtslage in der Ukraine will die Kanzlerin bei deutscher Finalbeteiligung nach Kiew reisen. Die Kritik an einem solchen Besuch ist programmiert.
| dpa
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Schon im Vorfeld der Fußball-EM wurde wegen der Menschenrechtslage in der Ukraine über einen Boykott der Spiele in dem Land diskutiert. Nun will Bundeskanzlerin Angela Merkel bei deutscher Finalbeteiligung nach Kiew reisen. Die Kritik an einem solchen Besuch ist programmiert.

Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel will nach dpa- Informationen bei einem Einzug der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ins EM-Finale trotz der schwierigen Menschenrechtslage in der Ukraine zum Endspiel nach Kiew fahren. Das verlautete am Dienstag in Berlin aus Regierungskreisen. Merkel hatte der Löw-Mannschaft ihre Teilnahme laut Teammanager Oliver Bierhoff bereits angekündigt. Offiziell will sie sich dazu aber erst nach dem Halbfinale gegen Italien äußern, das am Donnerstagabend in Warschau ausgetragen wird.

Vor Beginn der EM hatte es im Kanzleramt geheißen, sollte sich die Lage für die inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko nicht verbessern, werde Merkel nicht bei einem Spiel neben Präsident Viktor Janukowitsch sitzen. Öffentlich hatte Merkel gesagt, die rechtsstaatliche Lage in der Ukraine gebe Grund zur Sorge. Es sei wichtig, alles dafür zu tun, dass Timoschenko schnell die richtige Behandlung gegen ihre Erkrankung bekomme.

Die 51-Jährige Oppositionspolitikerin wird inzwischen von Ärzten der Berliner Charité betreut, ihre Lage gilt aber als weitgehend unverändert.

Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, Tom Koenigs (Grüne), ist gegen einen Besuch Merkels beim EM-Finale. „Ich möchte keine Jubelbilder der Kanzlerin mit Janukowitsch sehen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Wenn sie sich beteiligen will, und das will sie ja, dann kann sie sehr viel mehr Fans beglücken, wenn sie hier (in Berlin) zur Fanmeile kommt.“ Koenigs kritisierte, Timoschenko werde zu Unrecht „in einem scheußlichen Gesundheitszustand im Gefängnis gehalten“. Es reiche deshalb nicht, wenn Merkel Timoschenko in Haft besuchte. „Wenn natürlich es Frau Merkel gelänge, Frau Timoschenko mitzubringen, dann soll sie auch aufs Spiel gehen, dann gewinnen wir auch die Europameisterschaft.“

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