Jessica Kastrop: Meine EM-Tipps für Frauen

Kein Fußball-Fan, aber dem Liebsten begeistern wollen? Die Sportmoderatorin Jessica Kastrop gibt Tipps, wie Frauen beim Fußballschauen nicht ins Abseits geraten.  
| Interview: nl
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Jessica Kastrop: In ihrem Buch „Liebe in Zeiten der Champions League“ gibt sie Beziehungstipps für fußballgeplagte Frauen.
Felix Hörhager dpa/lby 2 Jessica Kastrop: In ihrem Buch „Liebe in Zeiten der Champions League“ gibt sie Beziehungstipps für fußballgeplagte Frauen.
Ronaldo: für Männer ein Könner, für Frauen ein Augenschmaus. "Bloß nicht von ihm schwärmen", rät Jessica Kastrop.
imago 2 Ronaldo: für Männer ein Könner, für Frauen ein Augenschmaus. "Bloß nicht von ihm schwärmen", rät Jessica Kastrop.

Die Sportmoderatorin Jessica Kastrop gibt im AZ-Interview Tipps, wie Frauen beim Fußballschauen nicht ins Abseits geraten.

AZ: Frau Kastrop, bei einem großen Turnier wie der EM sitzen „Event“-Fans und „wahre“ Fußball-Fans gemeinsam vor dem Fernseher. Wie ist das Zusammenspiel?

JESSICA KASTROP: Da treffen Welten aufeinander. Denn die Fans kommen ja aus zwei verschiedenen Ecken: Der eine will einfach dabei sein und der andere will das Spiel auch verstehen. Die Mischung macht’s: Nur mit „Event“-Fans ein Spiel zu schauen, ist auch nichts, man muss auch diskutieren können: Ob der Trainer den Spieler X vielleicht auswechseln sollte oder was in dem Spiel schief läuft. Aber ich muss auch sagen: „Event“-Fans bringen immer gute Stimmung. Sie sind so positiv, weil sie unbeschwert das Spiel anschauen.

Der „normale“ Fußball-Fan ist ja gerne etwas pessimistisch eingestellt. Wie sollten sich Nicht-Fußball-Fans oder auch speziell Frauen denn verhalten?

Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich es immer gut finde, wenn Frauen sich für Fußball interessieren. Auch wenn der erste Anreiz vielleicht der ist, dass die Jungs gut aussehen und schon in jungen Jahren so viel Geld haben. Aber eine Warnung für jede Frau, die sich mit Männern ein Fußballspiel anschaut. Bitte bei einem Foul nicht sagen: „Ohhh, ist das aber gemein“, oder „Das war jetzt echt hart, oder?“. Was auch gar nicht geht ist, während des Spiels die ganze Zeit von Ronaldo zu schwärmen, „Oh, der sieht aber gut aus“.

Welche Fauxpas gibt es denn noch, was wollen richtige Fans gar nicht hören?

Wenn Mario Gomez zum Beispiel auf ein Sexsymbol reduziert wird, das finden Männer deplatziert. Und das ist verständlich, denn: Uns Frauen stört es ja auch, wenn Beachvolleyball im Fernsehen läuft und die Männer die ganze Zeit die hübschen Hintern der Spielerinnen bewundern. Es ist ja so: Ein Fußballspiel zu schauen ist nicht das Gleiche, wie mit den Freundinnen „Sex and the City“ anzuschauen. Schließlich geht es um Sport, um harten Männersport und nicht um Ballett. Alles, was verniedlichend ist, ist fehl am Platz. Auf der anderen Seite ist Fußball aber auch ein wunderschöner und ästhetischer Sport. Und die Botschaft lautet: Frauen, habt keine Angst vor Fußball. Die EM bietet da die Chance, dass sich auch die Frauen mehr für Fußball begeistern. Denn das ist längst keine Bastion der Männer mehr.

Das Horror-Szenario: Deutschland scheidet nach dem Spiel gegen Dänemark in der Vorrunde aus. Was sollte die Frau kurz nach Abpfiff auf keinen Fall sagen?

Ganz klar: „Wer war eigentlich der total süße Däne mit der Nummer 14?“

Und trösten nach dem Motto: „Ist doch nicht so schlimm“ geht auch nicht, oder?

Oh nein. Das zeigt, wie wenig Empathie da ist. Wenn man nicht versteht, dass man als Fan nach einem verlorenen Spiel schlecht gelaunt oder traurig ist. Das ist doch der Sinn: Man fiebert, leidet immer mit!

Haben Sie einen Tipp für Frauen, die sich nicht als Fußballfan sehen, aber dennoch nicht unangenehm auffallen wollen? Welche Sprüche gehen zum Beispiel immer?

Einer meiner Lieblingssprüche: „Also, der Schweinsteiger ist ja ein echter Kerl geworden, seit er auf der Sechser-Position spielt.“ Da sagt man nicht zu viel, aber die Männer denken sich: Wow, die weiß, was die Sechser-Position – nämlich Position im defensiven Mittelfeld – ist. Oder man zitiert einfach Fußballlegenden, zum Beispiel Max Merkel: „Im Training habe ich mal die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die Antialkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da war’s mir wurscht. Da hab i g’sagt: Sauft’s weiter.“ Oder Lukas Podolski mit „Wir müssen jetzt die Köpfe hochkrempeln – und die Ärmel auch.“

Wie punktet frau noch?

Es kommt beim Fußball-Fan gut an, wenn man über uns Moderatoren und Kommentatoren lästert. Dazu sind wir ja da. Und noch ein Tipp: Die Frau kann auch einfach „dumme“ Fragen stellen – vorausgesetzt, sie hat sich vorher schlau gemacht: „Sagt mal, wie hoch und breit ist eigentlich ein Tor?“ Sofort googlen alle im Handy und frau kann dann nebenbei einstreuen: „Also, ich glaube, ich habe mal gehört, dass ein Fußballtor 7,32 m breit und 2,44 m hoch ist – genau weiß ich es aber nicht.“

Jessica Kastrop (38) ist Sportjournalistin und Bundesliga-Reporterin bei Sky. Privat ist sie Fan des 1. FC Kaiserslautern.

Interview: Nadja Lebkuchen

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren