Allofs: Spricht ganz viel für Engagement beim VfL Wolfsburg

Dass der VfL Wolfsburg nicht ungeschoren aus der größten Krise der Firmengeschichte von Konzernmutter Volkswagen kommt, ist inzwischen auch Klaus Allofs klar. "Dieselgate" - der VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte - hat die VW-Tochter in der Fußball-Bundesliga längst erreicht.
| dpa/sid
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Wolfsburgs Sport-Chef Klaus Allofs bleibt noch gelassen, hat aber das Ende der VW-Unterstützung zu befürchten.
dpa Wolfsburgs Sport-Chef Klaus Allofs bleibt noch gelassen, hat aber das Ende der VW-Unterstützung zu befürchten.

Wolfsburg - Der neue VW-Chef Matthias Müller will die Millionen-Investitionen im Fußball auf den Prüfstand stellen, doch Manager Klaus Allofs sieht darin keine Bedrohung für den Bundesligisten VfL Wolfsburg. "Es ist doch klar, dass angesichts der aktuellen Situation auf die Sinnhaftigkeit der Investitionen geschaut wird, ob Aufwand und Ertrag stimmen. Da sind wir auf einer Wellenlänge, und das gab es doch auch schon in den letzten Jahren regelmäßig", sagte Allofs dem Sport-Informations-Dienst.

"Es ist natürlich klar, dass wir im Kontext dessen, was sich dort entwickeln muss, auch unsere Rolle spielen müssen", sagte Allofs der Deutschen Presse-Agentur. Die Konsequenzen für den Club sind nach wie vor nicht absehbar. "Wir müssen Herrn Müller da jetzt einfach noch ein paar Tage Zeit geben", meinte der Geschäftsführer des VfL, der jährlich mit einer hohen zweistelligen Millionensumme von VW unterstützt wird.

 

90 Millionen Euro jährlich stehen infrage

 

Allofs vertraue auf die Stärke der VW-Führung, "außerdem sprechen ganz viele Dinge für ein Engagement von Volkswagen beim VfL." Rund 90 Millionen Euro pumpt VW dem Vernehmen nach jährlich in seine hundertprozentige Tochter VfL. Dem soll durch den Einzug in die Champions League ein Werbewert von über 100 Millionen Euro entgegenstehen

 

Neuer VW-Chef Müller: "Drehen jeden Stein um"

 

Ob es bei der bisherigen Unterstützung bleibt, kann inzwischen zumindest angezweifelt werden, auch wenn Allofs noch gelassen bleibt: "Es gibt keinen Grund, sich jetzt Sorgen zu machen".

"Herr Müller" - der neue VW-Konzernchef Matthias Müller - sendete nämlich im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" eine Botschaft, die Konsequenzen sogar für den gesamten Profi-Fußball in Deutschland haben könnte. "Wir drehen jeden Stein um und werden uns auch das ansehen."

 

Müller weiter: "Wird nicht ohne Schmerzen gehen"

 

Im Zuge des Abgasskandals muss der ins Wanken geratene Auto-Gigant rigoros sparen, es drohen Strafen in Milliardenhöhe. "Deshalb stellen wir jetzt alle geplanten Investitionen noch mal auf den Prüfstand. Was nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben", drohte der Nachfolger von Martin Winterkorn auf einer Betriebsversammlung im VW-Stammwerk in Wolfsburg: "Ich bin ganz offen: Das wird nicht ohne Schmerzen gehen."

Darauf angesprochen gab sich Allofs ruhig. "Bei aller Bedeutung, die wir haben, glaube ich, dass dies in eine andere Richtung geht. Es gibt da brennendere Themen. Da geht es um andere finanzielle Größenordnungen", sagte der VfL-Sportchef.

 

VW sponsert auch DFB-Pokal und 16 deutsche Vereine

 

In der Tat ist die unter Fußball-Fan Winterkorn kontinuierlich ausgebaute großzügige finanzielle Unterstützung, mit deren Hilfe der VfL 2009 deutscher Meister und in diesem Jahr Vizemeister und Pokalsieger wurde, lächerlich gering im Vergleich zu den Summen, die VW nun an Strafe drohen. Wenn Müller im Rahmen seines Sparkurses nun aber schon das gesamte Fußball-Engagement infrage stellt, sollten auch bei Allofs die Alarmglocken klingeln.

Neben dem VfL ist VW über die Tochter Audi auch am FC Bayern München und dem FC Ingolstadt beteiligt. Das Unternehmen sponsert zudem den DFB-Pokal und insgesamt 16 deutsche Proficlubs. Die investierte Summe dafür ist noch geringer als das Geld, was VW jährlich für seine hundertprozentige Tochter VfL aufwendet.

 

Künftig keine Weltstars mehr nach Wolfsburg?

 

Schon vor Müllers Worten war der VfL von der Krise bei VW betroffen. Nach dem bisherigen Konzernchef Winterkorn musste in Kommunikationschef Stephan Grühsem ein weiterer wichtiger VfL-Aufbauhelfer den Konzern und damit nun auch den Aufsichtsrat des Clubs verlassen. Winterkorn und Grühsem entwickelten zusammen die Strategie, nicht nur den VfL, sondern die gesamte Bühne Fußball als Marketinginstrument für VW einzusetzen.

Beide sind nun weg. Auch der bisherige VW-Finanzchef und designierte Konzern-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch muss das Kontrollgremium des Bundesligisten verlassen. Wie der Aufsichtsrat beim VfL neu besetzt wird, ist offen. Dieses Gremium nickt immerhin millionenschwere Investitionen beim Bundesligisten ab. Und angesichts des VW-Sparkurses ist zumindest fraglich, ob dem VfL künftige Groß-Investitionen wie in diesem Jahr für die Weltmeister André Schürrle und Julian Draxler für zusammen knapp 70 Millionen Euro genehmigt werden. Weniger wegen des Geldes, sondern mehr wegen der Außendarstellung.

 

Lesen Sie auch: VW-Skandal - Die ersten Ingenieure gestehen

 

"Sollte es Veränderungen der Denkweise im Hinblick auf den VfL geben, bin ich fest davon überzeugt, dass ich einer der ersten bin, der davon erfährt", meinte Allofs. Noch hat niemand mit ihm gesprochen.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren