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Ab in die Anden: Wie Jogi Löw seine Zukunft plant

Der letzte Teil der AZ-Serie zu Joachim Löw. Heute: seine Zukunft. Der Ex-Bundestrainer hofft auf mehr Lebensqualität, er will die Natur genießen, nach Peru oder Chile – und die Alpen mit dem Rad überqueren.
| Patrick Strasser
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"Ich finde Entspannung in Aktivität, bin gerne in der Natur unterwegs", sagt Ex-Bundestrainer Joachim Löw.
"Ich finde Entspannung in Aktivität, bin gerne in der Natur unterwegs", sagt Ex-Bundestrainer Joachim Löw. © sampics/Augenklick

München - Er hat fertig als Bundestrainer - Joachim Löw. Den Job ist er los - und damit auch all den Druck, die belastende Erwartungshaltung. Wer an vorderster Front arbeitet, bekommt den Wind der Widerstände mit voller Wucht ab. Die 15 Amtsjahre sind in Löws Gesicht abzulesen.

Erstmal müssen die Emotionen verarbeitet werden

Die Flut der Gedanken wird in den nächsten Tagen über den 61-Jährigen hereinbrechen, ein innerer Sturm der Gefühle zieht auf. "All die Emotionen muss ich jetzt einordnen und verarbeiten", meinte Löw am Mittwoch, seinem letzten Tag im Amt, das er im Gegensatz zu seiner Würde nicht behält.

Um "diese schwere Last der Verantwortung" abzustreifen, sei "eine emotionale Pause wichtig" für ihn. Er müsse jetzt "die Enttäuschung und die Leere auch zulassen". Seine Hoffnung: "Dann wird auch wieder neue Energie kommen."

Nach all seinen Turnieren ab der EM 2008 hat er sich, im Erfolg wie im Misserfolg, erst einmal zurückgezogen, gegrübelt und gehadert. Jogi, der Einsiedler, verstummte so lange bis einige Medien ihn zur Fahndung ausschrieben.

Löw hofft auf "mehr Lebensqualität"

Jedes Mal straffte sich Löw, kam zurück. Nun kann er loslassen. Es wird gar nicht so weh tun. Den Status, beim "Verlassen der Haustür ein Objekt der Öffentlichkeit" zu sein, wie er einmal sagte, ist er bald los. Auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wird nachlassen.

Er will sich freier bewegen, hofft auf "mehr Lebensqualität", möchte wieder ausgiebiger und intensiver Freunde treffen, und bei Familienfesten und Geburtstagen auch "wirklich geistig anwesend" sein und "nicht ständig mit den Gedanken abschweifen" wie er dem EM-Onlineportal "wirsinddiefans.com" verriet.

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Fortbildungsmaßnahmen in Europa

Löw will reisen, wenn die Pandemie vorbei ist und sich überall in Europa Spiele anschauen, sich mit den jeweiligen Trainern austauschen und reinschnuppern bei europäischen Großklubs. Als "Weiterbildung und Fortbildungsmaßnahme" wie er meinte. Mit 61 Jahren, als Weltmeister.

"Jogi Löw hat Überragendes geleistet, ist mit dem Gewinn des WM-Titels in die Geschichte eingegangen", sagte der ehemalige Bayern- und Dortmund-Trainer Ottmar Hitzfeld der AZ über Löws Lebenswerk und ergänzte: "Sich über 15 Jahre so lange zu halten, kann man nicht hoch genug einschätzen." An Nachfolger und Freund Hansi Flick übergebe er mit Stolz, so Löw und versicherte: "Mein Herz schlägt weiter schwarz-rot-gold." Als Fan auf der heimischen Couch?

Löw: "Vom Ruhestand habe ich nie gesprochen"

Oder startet er eines Tages - für diesen Sommer hat er dies ausgeschlossen - doch noch einmal als Trainer durch, übernimmt eine Vereinsmannschaft? "Vom Ruhestand habe ich nie gesprochen", betonte Löw. "Ich weiß nicht, ob er gut beraten wäre, sich den Stress noch einmal anzutun mit rund 60 Spielen im Jahr, das ist eine hohe Belastung", findet Hitzfeld (72).

Also ein neuer Job als Nationaltrainer? Doch bei welchem Verband? Die Sprachbarriere ist sicher ein Hindernis. "Spanien, Italien, England, Frankreich - das passt eigentlich nicht", sagte Hitzfeld, der von 2008 bis 2014 die Schweizer Nationalelf coachte und nun sein "Leben als Rentner genießt".

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Die Schweiz als nächste Station?

Die Schweiz - könnte das eine Anlaufstelle für den Schwarzwälder Löw sein, der in Freiburg lebt? Oder als österreichischer Bundestrainer?

Für Hitzfeld wäre die "Fallhöhe zu hoch". Sein Rat an Löw: "TV-Experte ist der beste Job, dazu kann ich ihm nur raten." Angebote werden kommen. Löw, der zuletzt die Biografien von Willy Brandt und Barak Obama gelesen hat, schmiedet privat einige Pläne.

Löw zieht es in die Natur

"Ich finde Entspannung in Aktivität, bin gerne in der Natur unterwegs. Ich möchte irgendwann in meinem Leben gerne noch in die Anden gehen, Chile oder Peru, das reizt mich. Vielleicht nicht mehr so ganz so hoch wie 2003 mit dem Kilimandscharo, denn das war eine Tortur. Aber so in 4.000, 5.000 Metern Höhe - das finde ich spannend oder durch Patagonien."

Eine geografisch näherliegende Alternative: "Mit ein paar Freunden auf dem Mountainbike die Alpen überqueren."

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