Ab an die Ostküste: Deutschlands Weg bis ins WM-Finale steht
Die frohe Botschaft erhielt die deutsche Nationalelf über den Wolken, als der DFB-Tross am Samstagabend nach dem 2:1-Erfolg über die Elfenbeinküste vom internationalen Flughafen Toronto Pearson nach Winston-Salem jettete, zum kleinem Charterflughafen Smith Reynolds Airport:
Durch das überraschende 0:0 zwischen Außenseiter Curacao und Ecuador in Kansas City steht das DFB-Team bereits vorzeitig als Gruppensieger fest.
Ein Traumstart mit zwei Erfolgen – das gelang zuletzt bei der Sommermärchen-WM 2006. Zwei Siege, sechs Punkte – da kommt keiner mehr vorbei in Gruppe E.
Erstmals seit der WM 2014 übersteht Deutschland die Gruppenphase
E wie endlich – denn erstmals seit dem Titelgewinn bei der WM 2014 in Brasilien (damals mit sieben Punkten vor den USA, Portugal und Ghana) hat eine deutsche Nationalelf überhaupt die Gruppenphase überstanden. 2018 in Russland wie 2022 in Katar war jeweils in der Vorrunde Schluss. Ein Turnier blamabler als das andere.
Nun folgte die Erlösung – was die Spieler, Trainer und Verantwortlichen am Nachmittag in Toronto freilich noch nicht wissen konnten beim Nachspielzeit-Erfolg gegen die Elfenbeinküste. Dank des Doppelpacks von Super-Joker Deniz Undav stand jedoch immerhin schon das Weiterkommen in die K.o.-Runde, diesmal ins Sechzehntelfinale, fest.
"Der Zug hat keine Bremse": DFB-Elf feiert nach Last-Minute-Sieg ausgelassen auf dem Platz
Was alle Beteiligten ausgelassen wie lange nicht auf dem Rasen feierten. Als der Ballermann-Hit "Der Zug hat keine Bremse" während der Ehrenrunde im "Toronto Stadium" gespielt wurde, tanzte Torhüter-Oldie Manuel Neuer (40), der nun mit 21 WM-Einsätzen den Franzosen Hugo Lloris als WM-Rekordtorhüter abgelöst hat, im Rhythmus mit.

"Tabellarisch zählt jeder Sieg gleich viel. Aber so emotionale Siege sind vielleicht wichtiger als einfache", meinte Bundestrainer Julian Nagelsmann und bestätigte: "Das tut gut, alle spüren die Wertigkeit. Nach dem Siegtreffer lag die ganze Mannschaft im Eck, das ist ein cooles Zeichen. Das kann schon Kräfte freisetzen. Ich hoffe, dass noch einige emotionale Siege dazukommen."
Deutschland-Spiele an der Ostküste: DFB-Elf fliegt jeweils ins Teamquartier in Winston-Salem zurück
Damit steht nun der weitere Weg bis zum Ziel, dem Finale am 19. Juli in New Jersey, in der K.o.-Runde fest. Die deutsche Mannschaft bestreitet ihr Sechzehntelfinale am 29. Juni (22.30 Uhr) in Foxborough bei Boston gegen einen Dritten aus Gruppe A, B, C, D oder F. Sollte die Nagelsmann-Truppe die Partie im "Gillette Stadium" gewinnen, bestreitet sie ihr Achtelfinale am 4. Juli (23 Uhr) in Philadelphia.
Im Erfolgsfall wäre man im Viertelfinale wieder im dann vertrauten Boston – alles an der Ostküste gelegen. Allerdings will der DFB bisher bei seinem ursprünglichen Plan festhalten und nach jedem Spiel am Abend wieder ins Teamquartier in Winston-Salem zurückfliegen.
Deutschland droht nun Top-Favorit Frankreich
Der Vorteil gegenüber Platz zwei in der Gruppe und dem nun nicht zu planenden Weg (Dallas, New Jersey, Miami) bis zu einem möglichen Halbfinale: Weniger Flugmeilen, kürzere Distanzen und keine unterschiedlichen Klimaverhältnisse. Also lieber der Ostküsten-Hattrick.
Oder doch nicht? Denn rein sportlich droht nun die härteste Prüfung: Frankreich als möglicher Achtelfinal-Gegner, einer der Top-Favoriten des Turniers, der Vize-Weltmeister von 2022 und Weltmeister von 2018. "Wenn man Weltmeister werden will, muss man alle Gegner schlagen – egal, in welcher Runde man auf die Favoriten trifft", sagte Antonio Rüdiger, der den Gruppensieg schon vor dem Remis zwischen Ecuador und Curacao als Ziel ausgegeben hatte. Taktieren? Nicht mit dieser Mannschaft. Sie will den maximalen Erfolg.
Bekommen die Ersatz-Spieler gegen Ecuador ihre Chance?
Nach dem 23. Erfolg für Nagelsmann und dem elften Sieg in Serie wackelt der unter Bundestrainer Jupp Derwall 1979/80 aufgestellte deutsche Länderspielrekord (zwölf Erfolge). Es gibt nur einen möglichen Haken: Das abschließende Vorrundenspiel gegen Ecuador in East Rutherford am Donnerstag (22 Uhr, ARD & MagentaTV) ist für das DFB-Team rein tabellarisch bedeutungslos.

Eine Chance für die Ersatz-Feldspieler, zum Beispiel Nick Woltemade, Pascal Groß, Angelo Stiller, Malick Thiaw und Assan Ouédraogo, die als einzige bisher neben den Ersatztorhütern noch keinen Einsatz erhielten? Gut möglich, dass auch Torhüter Oliver Baumann, der durch Manuel Neuers Rückkehr wieder ins zweite Glied versetzt wurde, seinen Moment bekommt.
