1. FC Nürnberg: Ein Club in Quarantäne

Der 1. FC Nürnberg musste als erster bayerischer Profiverein einen Corona-Fall melden. Neben Fabian Nürnberger wurden auch Team und Trainer isoliert. Wie funktioniert das? Die AZ hat nachgefragt.
| Krischan Kaufmann
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Nürnberger Trainer Jens Keller gestikuliert am Spielfeldrand. Foto: Daniel Karmann/dpa/Archivbild
dpa Nürnberger Trainer Jens Keller gestikuliert am Spielfeldrand. Foto: Daniel Karmann/dpa/Archivbild

Nürnberg - Die Nachricht kam nicht überraschend – und schlug doch ein wie eine Bombe. Nun hat es auch einen Profiverein im Freistaat erwischt. Der 1. FC Nürnberg musste am vergangenen Freitag einen mit dem Coronavirus infizierten Spieler melden. Fabian Nürnberger hat sich angesteckt.

Ein Schock für ihn selbst, aber natürlich auch für den gesamten FCN. Die Verantwortlichen des Zweitligisten schalteten umgehend in den Krisenmodus. Aber was heißt das überhaupt, und wie geht es weiter beim Quarantäne-Club?

Medizinischer Hausarrest für Nürnberger

Aktuell steht Nürnberger unter medizinischem Hausarrest. 14 Tage lang, bis Freitag nächster Woche. Keine einfache Situation für den 20-Jährigen. "Am Anfang war er überrascht und auch vor den Kopf gestoßen", erzählt Sportvorstand Robert Palikuca. Der 41-Jährige telefoniert regelmäßig mit Nürnberger: "Natürlich macht Fabian sich Sorgen. Er hatte ja auch Familienkontakt. Er hat alle Menschen, die mit ihn Kontakt hatten, informiert – und die haben sich dann auch testen lassen."

Was seinen eigenen Gesundheitszustand anbelangt, gab Nürnberger mittlerweile Entwarnung. In einer Videobotschaft, übermittelt über die klubeigenen Social Media-Kanäle, erklärt er: "Mir geht es sehr gut. Ich merke bislang keine Anzeichen oder Ähnliches vom Virus. Um mich müsst ihr euch auf jeden Fall keine Sorgen machen."

Sollte es bei diesem positiven Verlauf bleiben, könnte der Abwehrspieler die Quarantäne am Ende als lediglich lästige Erfahrung abhaken. Für seinen Arbeitgeber sind die Auswirkungen schwieriger zu stemmen. Denn mit Nürnberger in jeweils häuslicher Isolation befinden sich derzeit auch die Mannschaft, das Trainerteam um Chefcoach Jens Keller und alle Vereinsmitarbeiter, die mit dem Verteidiger Kontakt hatten. Die Situation ist damit komplizierter als bei Klubs, die "nur" vom allgemeinen Liga-Shutdown betroffen sind.

Nürnberger Trainer Jens Keller gestikuliert am Spielfeldrand. Foto: Daniel Karmann/dpa/Archivbild
Nürnberger Trainer Jens Keller gestikuliert am Spielfeldrand. Foto: Daniel Karmann/dpa/Archivbild © dpa

Teamsitzungen oder gar Mannschaftstraining auf dem Vereinsgelände? Keine Chance! "Die Jungs und das Trainerteam dürfen ihr Zuhause nicht verlassen. Deshalb haben wir für sie Möglichkeiten geschaffen, damit sie sich fit halten können. Wir haben ihnen Laufbänder, Ergometer, Fußbälle und Hanteln besorgt. Unser Athletiktrainer hat Trainingspläne erarbeitet, die sie auch in ihren eigenen vier Wänden umsetzen können", erklärt Palikuca.

Lebensmittel und Klopapier werden an die Spieler geliefert

Weil die unter Quarantäne stehenden Spieler und Mitarbeiter nicht vor die Tür dürfen, hat der Verein einen Lieferservice für die Betroffenen eingerichtet. "Wir haben eine Versorgungskette aufgebaut, damit die Jungs auch Lebensmittel bekommen. Wir sind in ständigen Austausch mit ihnen. So weit läuft alles gut", versichert Palikuca. Ein Arbeitgeber, der seinen Arbeitnehmern das Essen und Klopapier nach Hause bringt – Corona macht's möglich.

Die Mitarbeiter, die nicht von der Quarantäne betroffen sind, wurden ins Home Office geschickt. Das Nachwuchsleistungszentrum ist geschlossen. Die Ungewissheit ist wie überall groß. Auch wie es nach der Quarantäne weitergeht, lässt sich laut Krisen-Manager Palikuca schwer einschätzen. "Dazu ist die aktuelle Zeit zu dynamisch. Wir wissen nicht, welche Maßnahmen die Regierung noch ergreifen wird."

1. FC Nürnberg arbeitet im Notbetrieb

Der Club arbeitet also nur noch im Notbetrieb, übernimmt aber trotzdem Verantwortung – auch für Menschen, die nicht zum engeren Kreis der FCN-Familie gehören. Die Nürnberger haben jetzt die Aktion "Die Club-Einkaufshelfer" gestartet. Vereinsmitarbeiter gehen für Menschen einkaufen, die zur Corona-Risikogruppe gehören und sich telefonisch melden. Ein großer Erfolg. 20 Anrufe waren es allein am ersten Tag.

Auch wenn die Quarantäne derzeit die Lage beim Club bestimmt, müssen sich Palikuca & Co. natürlich noch um andere dringende Dinge kümmern. Vor allem um die Zukunft des Clubs. Die nun von der DFL beschlossene Pause bis mindestens 2. April findet Palikuca "absolut richtig". Dennoch reißen die Spielaussetzungen eine große finanzielle Lücke beim Bundesliga- Absteiger. Palikuca: "Natürlich müssen wir jetzt rechnen. Es wird definitiv Auswirkungen haben. Egal, welche wirtschaftlichen Szenarien man jetzt durchgeht."

Womöglich sind aber all diese Fragen im Moment maximal nebensächlich. Worum es jetzt wirklich geht, betont Fabian Nürnberger in seinem Appell an die Club-Fans und auch alle anderen, die es hören wollen: "Versucht, so gut wie möglich, in eurer Wohnung zu bleiben, versucht nur im Notfall nach draußen zu gehen. Ich denke, im Moment ist dies das Beste, was wir alle tun können."

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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