Interview

Fritz Dopfer im AZ-Interview: "Die Ski-WM? Richtig, richtig genial"

Ex-Slalom-Ass Fritz Dopfer spricht im AZ-Interview über die aus deutscher Sicht überraschend starke WM, eigene Silber-Erinnerungen, den Wechsel vom Sportler zum Funktionär – und bequeme Skistiefel.
| Thomas Becker
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Fritz Dopfer.
Fritz Dopfer. © Kerstin Joensson /dpa

München - Fritz Dopfer im AZ-Interview: Der 33-jährige Deutsch-Österreicher gewann bei der WM 2015 Silber für den DSV im Slalom und organisiert aktuell den Weltcup in Garmisch mit.

AZ: Herr Dopfer, seit September sind Sie im Organisationskomitee für den Garmischer Weltcup - und hatten gleich mal mit Wetterkapriolen und einer Pandemie zu kämpfen. Wie war der Wechsel vom Sportler zum Funktionär?
FRITZ DOPFER: Eine Abfahrtspiste bin ich ja wettkampfmäßig nie runter gefahren, und als es um die Pistenpräparation ging, konnte ich schon viel mitnehmen. Das Wetter hat uns vor richtig große Herausforderungen gestellt. Das war schon auf Messers Schneide.

Spannend geht es auch bei der WM in Cortina d'Ampezzo zu. Wie ist Ihr Eindruck bislang?
Aus deutscher Sicht richtig, richtig genial! Wahnsinn, das als Fan mitzuerleben! Für Romed, Andi und Kira ist das ein Tag, der einem sehr lang in Erinnerung bleibt. Auch für das Team dahinter ist es extrem wichtig, dass solche Ergebnisse beim Saisonhöhepunkt geleistet werden. Auch für den DSV und das Werdenfelser Land als skisportaffine Gegend ein unfassbar schönes Erlebnis. Ich freue mich für Romed, den ich seit 25 Jahren kenne. Schon zu Tiroler Skiverbands-Zeiten haben wir gemeinsam trainiert und sind gegeneinander Rennen gefahren. Der Sander Andi: für mich der stabilste Super-G-Läufer der Saison. Oder die Kira: In Garmisch bin ich vor dem Weltcup mit ihr Lift gefahren - unfassbar bodenständig, immer einen klaren Blick auf ihre Leistung und eine gute Portion Selbstvertrauen. Denn wenn du bei einer WM aufs Podest fährst, hast du riesengroßes Können - und bist von dir selbst überzeugt. Auch der Jocher Simon hat ein ums andere Mal extrem überrascht. Der kommt ja aus dem Ort, wo ich aufgewachsen bin, aus Schongau. Mit seiner Schwester bin ich früher im Skiklub gefahren.

Gewann bei der WM-Abfahrt überraschend Silber: Kira Weidle
Gewann bei der WM-Abfahrt überraschend Silber: Kira Weidle © dpa

Schade, dass er nicht die Abfahrt fahren durfte, da die vier DSV-Startplätze schon vergeben waren.
Das ist echt Wahnsinn! Aber der Weg bis zu dieser schlagkräftigen Mannschaft war lang. Da haben Wolfi Maier (DSV-Alpindirektor, d. Red.) und Christian Schwaiger (Bundestrainer Männer) in den letzten Jahren geniale Arbeit geleistet. Es war schon ein Fingerzeig an die Konkurrenz, als sie den hoch dekorierten Andi Evers (Speed-Trainer Männer) vor zwei Jahren für den DSV begeistern konnten. Im internationalen Vergleich ist der DSV speziell im Speed-Bereich wieder eine Macht, eine gute Adresse. Das sind Weichenstellungen, die man nicht so sieht, die aber wesentlich waren. Umso schöner, dass es am Tag X dann funktioniert.

Dopfer: "Total schade, dass das gerade bei der WM passiert"

Wolfi Maier dürfte derzeit jeden Abend mit einem Lächeln ins Bett gehen.
Ich habe ihn in vielen Diskussionen erlebt und kann sagen: Wenn jemand 24/7 an 360 Tagen im Jahr den Skisport lebt, dann der Wolfi. Der steht in guten wie in schlechten Zeiten seinen Mann.

Am Dienstag ging der Parallel-Riesenslalom über die Bühne, unter Bedingungen, die Ihren Ex-Kollegen Felix Neureuther glatt den Renndirektor anfunken ließen. . .
Ich habe nur Teile gesehen, aber das Ungleichgewicht zwischen den Läufen hat man schon gesehen. Total schade, dass das gerade bei der WM passiert. Ich war als OK-Abgesandter beim Parallel-Weltcup in Lech, um mir da ein bissl was abzuschauen. Da hat alles super funktioniert. Es ist ja ein sehr einfach zu verstehendes und faires Format, aus Zuschauersicht sehr interessant. Deswegen hoffe ich, dass das Bild dieses Rennens von Cortina nicht in den Köpfen hängen bleibt, denn grundsätzlich ist es ein kurzweiliger, actionreicher Wettbewerb.

Ist so etwas auch beim Weltcup in Garmisch denkbar?
Stand jetzt findet nächstes Jahr in Garmisch ein Slalom und ein Parallel-Slalom der Männer statt, am 26. und 27. Februar sowie Ende Januar Super-G und Abfahrt der Damen.

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Wird der Renndirektor dann Fritz Dopfer heißen? OK-Chef Peter Fischer hat ja nach 23 Jahren seinen Rückzug bekannt gegeben.
Das ist noch offen, wie es da grundsätzlich weitergeht. Jetzt wird erst mal der Weltcup 2020/21 aufgearbeitet. Als Athlet war das Event für mich nach dem Rennen vorbei - als Ausrichter kommen da noch viele Themen im Nachgang.

Noch ein Blick in die Glaskugel: In Cortina stehen nun Ihre Disziplinen an, Slalom und Riesenslalom. Was trauen Sie den Ex-Kollegen zu?
Mich hat's riesig gefreut, dass Linus den nächsten Schritt gemacht hat. Es war eine Frage der Zeit, bis der Knoten platzt. Im Training hat er immer gezeigt, dass er absolute Weltklasse ist. Ich glaube, dass er eine sehr gute Rolle spielen kann. Auch der Luitz Stefan hätte es richtig verdient. Auch der ging durch Täler und musste erfahren: Der Weg zum Podest ist nicht nur gerade, sondern hat immer wieder Schlaglöcher. Der Stefan fährt mit den schnellsten Riesenslalom-Schwung im Weltcup, daher hoffe ich, dass er trotz der Verletzung in der Vorbereitung jetzt zündet. Alex Schmid kann auch ganz vorn mitfahren. Von den beiden kann man schon viel erwarten. Der Holzmann Sebi hat ebenfalls einen großen Schritt nach vorn gemacht. Auch Andrea Filser ist eine faszinierende Athletin. Die hat auch schon Kreuzbandrisse und Schien- und Wadenbeinbrüche gehabt wie ich, war vor zwei Jahren nicht mehr im Kader, hat sich alleine vorbereitet, in Asien Fis-Punkte eingefahren und sich wieder heran gekämpft.

Dopfer: "Mein Körper ist nicht mehr dafür gemacht"

Wie präsent ist Ihnen noch die Silbermedaille bei der WM 2015 in Beaver Creek?
Das ist schon so lange her…

Ach, kommen Sie! Das kommt doch sicher ab und zu hoch, gerade wenn WM ist…
Klar, kleine Flashbacks gibt's schon. Zwei Wochen vor der WM ist es mir ins Kreuz geschossen, ich konnte eine Woche nicht trainieren, musste gespritzt werden. Ich war ja immer einer, der viel trainieren musste, um Sicherheit zu bekommen. Im Riesenslalom am Freitag bin ich nur 15. geworden - einerseits war ich enttäuscht, andererseits angestachelt. Bei Olympia im Jahr davor bin ich Vierter geworden, fünf Hundertstel an Bronze vorbei. Dieses Mal wollte ich mir nicht vorwerfen, nicht alles riskiert zu haben. Mein zweiter Lauf im Slalom war dann einfach ein wunderschönes Flow-Erlebnis, von dem ich gar nicht mehr viel weiß. Ehrlich gesagt haben die Gespräche danach, diese Erleichterung das Rennen sogar überlagert.

Wie sehr kribbelt es noch, wenn Sie rote und blaue Stangen sehen?
Gar nicht mehr. Mein Körper ist nicht mehr dafür gemacht. Gestern war ich ein bisschen im Kraftraum - sobald ich etwas intensiver belaste, kommen sofort die Schmerzpunkte.

Es stehen keine Rennski mehr im Keller?
Der Rennschuh ist weg, und der Heckeinsteiger ist da. Mein Partner Nordica hat so ein Modell rausgebracht: Das ist jeden Morgen ein Genuss ein- und am Nachmittag wieder auszusteigen, ohne Kraftaufwand, ohne Schmerzen. Herrlich!

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