Fraser-Pryce erneut 100-m-Weltmeisterin

Kleine Frau, gigantischer Erfolg: 24 Stunden nach ihrem Landsmann Usain Bolt hat auch Shelly-Ann Fraser-Pryce ihr erstes WM-Gold in Peking erobert. Extravagant war auch ihr Kopfschmuck.
| sid
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Mit ihrem insgesamt sechsten Weltmeistertitel rückte Shelly-Ann Fraser-Pryce (rechts) auf Platz fünf der erfolgreichsten Teilnehmer seit der Premiere 1983 in Helsinki vor.
dpa Mit ihrem insgesamt sechsten Weltmeistertitel rückte Shelly-Ann Fraser-Pryce (rechts) auf Platz fünf der erfolgreichsten Teilnehmer seit der Premiere 1983 in Helsinki vor.

Peking - Das Glamour-Girl der Leichtathletik bleibt die schnellste Frau der Welt: Mit grünen Rastalocken und Sonnenblumen im Haar hat Shelly-Ann Fraser-Pryce 24 Stunden nach dem Triumph von Usain Bolt Jamaikas Sprintdouble bei der WM in Peking perfekt gemacht.

Die 28-Jährige verteidigte ihren 100-m-Titel erfolgreich und holte als erste Sprinterin zum dritten Mal Gold in der Königsdisziplin. Fraser-Pryce triumphierte im Vogelnest, wo sie 2008 mit Olympia-Gold über 100 m ihren ersten großen Triumph gefeiert hatte, vor der grandios auftretenden Niederländerin Dafne Schippers (10,81).

Die Europameisterin sprintete als erste Europäerin seit Europarekordlerin Christine Arron (Frankreich) im Jahr 2005 auf das Podium. Bronze ging an Tori Bowie (USA/10,86). Fraser-Pryce hat nun drei WM-Titel und zwei Olympiasiege über 100 m auf dem Konto - eine einzigartige Bilanz.

Ihre nun sechs WM-Goldmedaillen übertrifft als einzige Frau US-Sprinterin Allyson Felix, die bislang achtmal Weltmeisterin wurde. In Peking kann Fraser-Pryce noch gleichziehen: Sie peilt wie 2013 in Moskau das Gold-Triple aus 100 m, 200 m und Staffel-Sieg an.

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Die zierliche Jamaikanerin mit der Vorliebe für extravagante Frisuren war 2008 quasi aus dem Nichts in die Weltspitze durchgestartet. Aufgewachsen ist sie im Ghetto der jamaikanischen Hauptstadt Kingston, inmitten von Armut und Gewalt.

"Manchmal hatten wir nicht genug zu Essen", erzählte Fraser-Pryce einmal. Ihr schnellen Beine halfen ihr aus dem Ghetto, ihre Erfahrungen gibt sie nun weiter, sie hilft jungen Frauen in ihrer alten Heimat und ist Unicef-Botschafterin.

Allerdings ist Fraser-Pryce in Sachen Doping nicht unbescholten. 2010 wurde sie positiv auf Oxycodon getestet, konnte aber glaubhaft machen, dass sie den Wirkstoff in Tabletten gegen Zahnschmerzen unwissentlich eingenommen hatte.

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Die IAAF beließ es bei sechs Monaten Sperre. In Peking lief Europameisterin Schippers bereits im Halbfinale in 10,83 Landesrekord, sie steigerte ihn im Endlauf noch einmal um zwei Hundertstel. Als einzige Europäerinnen sind bislang Arron (10,73), die Russin Irina Priwalowa und die Bulgarin Iwet Lalowa (beide 10,77) schneller gelaufen.

Arron hatte 2005 in Helsinki WM-Bronze geholt, zwei Jahre zuvor war die hoch umstrittene Griechin Ekaterini Thanou in Paris zu Silber gelaufen. Die deutschen Sprinterinnen waren bereits im Vorlauf ausgeschieden. Ex-Europameisterin Verena Sailer (Mannheim) kam in ihrem Rennen nicht über Platz fünf und 11,41 Sekunden hinaus.

Nachwuchs-Europameisterin Rebekka Haase (LV Erzgebirge/11,29) und Gina Lückenkemper (Soest/11,34) zeigten bei ihrem WM-Debüt großes Potenzial. Sailer war bei der WM 2013 in Moskau im Halbfinale ausgeschieden, als letzte Deutsche hatte es Melanie Paschke 1997 in Athen ins Finale geschafft (Platz sechs).

Die drei ersten Weltmeisterinnen der Geschichte kamen aus Deutschland: 1983 und 1987 ging Gold durch Marlies Göhr und Silke Gladisch an die ehemalige DDR, 1991 siegte Katrin Krabbe.

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