Interview

Franz Reindl: "Erich Kühnhackl ist einzigartig, der perfekte Botschafter"

Eishockey-Ikone Kühnhackl wird am Samstag 70. Exklusiv in der AZ erinnert sich sein Weggefährte, DEB-Präsident Reindl, an einen fuchsteufelswilden Riesen und einen gebrochenen Daumen.
| Matthias Kerber
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DEB-Präsident Franz Reindl kennt Erich Kühnhackl seit Jahrzehnten.
imago images / Nordphoto 2 DEB-Präsident Franz Reindl kennt Erich Kühnhackl seit Jahrzehnten.
Erich Kühnhakl (l.) mit seinem Sohn Tom, der 2016  mit den Pittsburgh Penguins den Stanley Cup gewann.
Peter Kneffel/dpa 2 Erich Kühnhakl (l.) mit seinem Sohn Tom, der 2016 mit den Pittsburgh Penguins den Stanley Cup gewann.

München - Am Samstag feiert die deutsche Eishockey-Ikone Erich Kühnhackl seinen 70. Geburtstag. Im Interview mit der AZ erinnert sich dessen langjähriger Weggefährte Franz Reindl an gemeinsame Erlebnisse und hebt seine Verdienste für das deutsche Eishockey hervor.

AZ: Herr Reindl, Ihr langjähriger Weggefährte und Freund - Eishockey-Legende Erich Kühnhackl - wird am Samstag 70, es ist also höchste Zeit für eine Laudatio.
FRANZ REINDL: Absolut. Ich glaube, man kann gar nicht genug hervorheben, was er für den Eishockeysport geleistet hat und weiter leistet. Er ist nicht nur das Gesicht von Eishockey in Deutschland, er ist Eishockey in Deutschland. Fragen Sie mal die Leute draußen, nach drei Eishockeyspielern, fast jeder wird sagen: Erich Kühnhackl. Er ist das Aushängeschild, das Vorbild, der perfekte Botschafter. Mehr kann man sich gar nicht wünschen. Aber vor allem ist er ein wunderbarer Mensch. Wann immer wir vom Verband etwas brauchen, wenn es um den Nachwuchs geht, oder irgendetwas anderes, Erich ist immer für uns, für Eishockey da. Er ist eine Seele von einem Mensch, er schlägt einem keinen Wunsch ab, und auch für die Fans ist er immer nahbar.

Erich Kühnhakl (l.) mit seinem Sohn Tom, der 2016  mit den Pittsburgh Penguins den Stanley Cup gewann.
Erich Kühnhakl (l.) mit seinem Sohn Tom, der 2016 mit den Pittsburgh Penguins den Stanley Cup gewann. © Peter Kneffel/dpa

Reindl erinnert sich an Olympia 1976: "Erich war fuchsteufelswild"

Zusammen haben Sie ja auch auf dem Eis so manche "Schlacht" geschlagen. Der größte Triumph war zweifelsfrei der Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1976 in Innsbruck.
Ja, die Feier war extrem ausgelassen. Aber ich erinnere mich noch genau an die Stimmung, erst hieß es ja, wir hätten Bronze verpasst, weil damals ja ein komplizierter Koeffizient errechnet wurde. Einige saßen da, waren einfach nur traurig. Nicht der Erich! Der war fuchsteufelswild. Er hat voller Wut seinen Schläger in der Umkleide zertrümmert. Wenn ein Riese, wie er wütend wird, ist das ein Anblick, den man nicht vergisst. Ich kann Ihnen versichern, es war mucksmäuschenstill in der Kabine, keiner hat sich getraut, auch nur ein Wort zu sagen. Und dann kam plötzlich die Nachricht, dass wir doch Bronze geholt haben, da war die Freude dann noch viel größer. Da auf dem Eis zu stehen, neben den Russen und der Tschechoslowakei war sicher der schönste Moment in meiner sportlichen Karriere. Und ich bin mir sehr sicher, dass Erich das genauso sieht.

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Schon damals war Kühnhackl synonym für das deutsche Eishockey.
Ja, das war immer unglaublich. Nach den Spielen wollten die Medien nur den Erich sprechen. Wir saßen im Bus, keiner wollte was von uns wissen, während Kühnhackl vor dem Bus stand und ein Interview nach dem anderen gab. Das hat oft mal eine Stunde gedauert. Wir haben gegen die Scheiben geklopft, dass wir abfahren wollen, aber es hat ewig gedauert. Heute würde ein Bus einfach abfahren, aber abfahren ohne Erich, unseren Leader auf dem Eis und in der Kabine? Undenkbar! Wir haben ihn nur später oft ein bisschen in der Kabine dafür geärgert, dass wir warten mussten. (lacht)

Reindl: Mit Kühnhackl "ging es gut zur Sache"

Sie haben mit Kühnhackl gespielt, wie war es gegen ihn zu spielen?
Das waren immer sehr spannende Spiele, es ging gut zur Sache. Am Anfang seiner Karriere hat er selber gar nicht so hart gespielt, da war er eher der Gejagte, aber mit der Zeit hat er gelernt, hart zu spielen. Und wenn er gecheckt hat, dann hat es gescheppert, das hatte immer Konsequenzen - für den anderen. Einmal hat er mir mit einem kleinen, ungeahndeten Stockschlag unabsichtlich den Daumen gebrochen. Aber so ist Eishockey, das war kein Problem, wir haben uns trotzdem hinterher die Hand gegeben, er war immer ein vorbildlicher Sportsmann.

Ein Handschlag mit gebrochenem Daumen?
Zum Glück war es mein linker Daumen, das ging schon, kein Problem. (lacht)

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