Wohl kein zweistelliges Netto-Millionenbudget: FC Bayern Basketballer kein Favorit in der Euroleague

Wenn man im Mannschaftssport davon spricht, dass sogenannte Teambuilding-Maßnahmen durchgeführt wurden, um die Spieler näher zusammenzubringen, eine erfolgversprechende Verbindung zu entwickeln, dann war man gerne auf einer Rafting-Tour oder hat ein Floß gebaut oder sich mutig durch einen Klettergarten gehangelt.
FC Bayern fliegt am Mittwoch nach Sofia
Thorsten Leibenath ist davon "kein Freund". Für den neuen Sportchef des FC Bayern Basketball ist "Zeit das wichtigste Merkmal, gemeinsame Zeit zu verbringen", um einen echten Teamgeist heranwachsen zu lassen.
Nun ja, ab sofort haben die Münchner reichlich Zeit, denn die Euroleague-Saison beginnt am Donnerstag mit dem Duell bei Hapoel Tel Aviv (18 Uhr) und damit beginnen auch die Reisen quer durch Europa mit dem einen Abstecher nach Dubai. Am Mittwoch fliegt der Bayern-Tross nach Sofia, denn in der bulgarischen Hauptstadt trägt der israelische Klub vorerst seine Heimspiele aus.

Leibenath: "Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir auf einem guten Weg"
"Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir auf einem guten Weg", schildert Leibenath die bisherigen Fortschritte in Sachen Teamchemie und begründet: "Das liegt vor allem daran, weil ich den Eindruck habe, dass wir vernünftige Jungs haben, die sich auch grundsätzlich als Teamplayer verstehen und ihr Ego gerne auch mal hinten anstellen."
Eine gute Basis demnach, denn anders als in der Bundesliga reiht sich der FCBB in der Königsklasse eher im unteren Drittel ein, was die finanziellen Möglichkeiten angeht. Von einem Netto-Spielerbudget im hohen einstelligen Millionen-Bereich ist zu hören.
FC Bayern Basketball ist international höchstens ein Mittelgewicht
Da ist es dann umso wichtiger, dass die Mannschaft auch als solche funktioniert und möglichst wenige Störfaktoren eine Rolle spielen. "Die Wahrscheinlichkeit ist deutlich höher, dass ich guten Teambasketball spiele, wenn ich eine gute Teamchemie habe", bestätigt Leibenath.
Hierzulande der Krösus, international höchstens ein Mittelgewicht und so bisweilen der klare Außenseiter – das ist die Ausgangslage, aus der heraus der FC Bayern die Playoff-Qualifikation anstrebt und mit der es auch gegen Hapoel geht.

Gavel: "Gibt mehrere Kader, die auf dem Papier besser aussehen"
"Ich glaube, es geht immer darum, was die Mannschaft investieren möchte, um diese Ziele zu erreichen", sagt Trainer Anton Gavel, denn: "Sicherlich gibt es mehrere Kader, die vielleicht auf dem Papier besser aussehen, aber letztes Jahr haben auch die Mannschaften, die tolle Kader hatten, nicht gut abgeschlossen." Was sich auf die Binsenweisheit verdichten lässt: Mentalität schlägt Talent.
Es wird fraglos eine enorme Aufgabe, über die 38 Spiele der Hauptrunde entweder die Top-Sechs und das direkte Playoff-Ticket zu erreichen oder zumindest den Sprung in die Play-Ins mit den Teams auf den Rängen sieben bis zehn zu schaffen.

Thiemann: "Wir wollen Teams überraschen"
"Die Euroleague ist vollgepackt mit guten Teams, die alle das gleiche Ziel haben. Aber ich denke, wir haben Potenzial im Team und das ist ein Ziel, das wir uns stecken sollten", findet Welt- und Europameister Johannes Thiemann, der nach einem zweijährigen Japan-Abstecher zurück in Europa ist und ankündigt: "Wir wollen Teams überraschen, wir wollen aggressiv sein, wir wollen mit Druck spielen."
Gegen Bamberg im ersten Pflichtspiel der Saison am vergangenen Sonntag (108:72) gab es davon eine Kostprobe, in der Euroleague und gegen ein Starensemble wie bei Hapoel wartet nun aber mehr Gegenwehr. "Es wird ein anderes Spiel. Es wird natürlich deutlich intensiver", sagt Leibenath und Gavel, der die Bayern mit seiner ansteckenden Energie zum Maximum treiben will, schätzt ein: "Es wird anspruchsvoller für die Spieler, weil die individuelle Qualität höher ist und, was noch dazu kommt, ist, dass jetzt dieses Pensum anfängt."
Samstag folgt die Finalrevanche gegen Alba Berlin
Mittwoch nach Sofia, Freitag die Rückreise nach München, am Samstag folgt die Finalrevanche gegen Alba Berlin, danach geht es zum nächsten europäischen Schwergewicht Fenerbahce nach Istanbul für die Partie am kommenden Dienstag. Ein Vorgeschmack, auf das, was die Münchner während der bestimmt 80 plus X Pflichtspiele erwartet. Geht das überhaupt im Gavel-Vollgasstil? "Ja", sagt Leibenath, "wenn Anton es weiterhin so gut gelingt, die Minuten zu verteilen." Genug Spielzeit für alle, auch das wäre gut für den Teamgeist.