Überraschung beim FC Bayern: Star-Neuzugang bekommt bald deutschen Pass

Das Spannendste an diesem von Minute eins an völlig einseitigen BBL-Klassiker FC Bayern gegen Alba Berlin spielte sich lange nach der Schlusssirene ab. Während die abgewatschten Gäste aus der Hauptstadt, immerhin der amtierende deutsche Meister, noch grübelten, wie sie diese 61:95-Packung nach Hause bekommen sollten, lief bei den Gastgebern schon das Projekt Nachwuchsförderung.
FC Bayern feiert Kantersieg mit 34 Punkten Vorsprung
Wie nach jeder Partie stürmt im BMW Park der Nachwuchs der Profis aufs Spielfeld, Bälle prellend, Körbe werfend. Jungs und Mädels mit den Trikotnummern ihrer Papas. Nummer sieben? Der Sohn von Johannes Voigtmann. Die Show sind jedoch zwei Wirbelwinde, die zwischen den Körben hin und her wuseln. Kaum größer als der Ball, aber schon dribbeln wie der Vater: Kaum zu übersehen, dass zuhause bei Duane Washington jr. öfter mal Ball gespielt wird. Eine gar nicht so uninteressante Nachricht für den deutschen Basketball, wie sich noch herausstellen sollte. Dazu später mehr.
Zum Sport: Die Bayern-Basketballer haben nach dem EuroLeague-Überraschungssieg bei Hapoel Tel Aviv (86:84) auch das vermeintliche Spitzenspiel gegen den alten Rivalen Alba gewonnen. 43 Stunden nach der Schlusssirene in Sofia, wo Tel Aviv derzeit seine Heimspiele austrägt, dominierte das Team von Coach Anton Gavel den mit zwei Siegen angereisten Titelverteidiger und feierte einen Kantersieg mit 34 Punkten Vorsprung – zwei weniger als beim Auftakterfolg gegen Pokalsieger Bamberg.

Gavel: "Wir haben das Spiel von Anfang an ernstgenommen"
Zwischenzeitlich schien gar der höchste Bayern-Sieg gegen Alba möglich: 2016 waren es 39 Punkten Vorsprung. Doch gegen Ende hin trafen die Berliner dann besser als in Halbzeit eins. Da gestand die aggressiveBayern-Defensive dem Gegner bloß zwölf Punkte pro Viertel zu. Sagenhaft auch die Überlegenheit bei den Rebounds: 54:28 hieß es da für die Münchner. Zuweilen schien es, als wäre eine Jugend-Mannschaft in ein Profi-Match reingeschliddert.
"Wir haben das Spiel von Anfang an ernstgenommen", lobte Gavel, "wir konnten Alba zu schwierigen Würfen zwingen. Trotzdem gab es Situationen, in denen wir viele einfache Korbleger liegen gelassen haben und der Fokus fehlte. Das kann sich in engen Spielen rächen." Falls es in der BBL mal ein enges Spiel geben sollte.
Beste Bayern-Werfer waren Baldwin und da Silva
Dabei musste Gavel einige Stars raus rotieren: Johannes Voigtmann saß in zivil neben der Bank; auch für Justinian Jessup und Rokas Jakubaitis war kein Platz. "15 Spieler zur Verfügung zu haben, ist für den Coach Fluch und Segen", so Gavel nach der Partie, "aber es kommen so viele Spiele, und wir sind froh, dass wir rotieren können." Beste Werfer beim dritten Sieg in sieben Tagen waren vor 6600 Fans Kamar Baldwin und Oscar da Silva mit je 14 Punkten sowie Austin Wiley mit einem Double-Double (13/10). Der 2,08m-Mann hatte acht der ersten zehn Punkte beigesteuert, was Gavel nicht entgangen war: "Austin ist da sehr gut voran gegangen."
Kollege MarJon Beauchamp warf dagegen recht viele Fahrkarten, ließ sich nicht beirren, warf weiter – und traf, immerhin fünf Mal bei neun Versuchen. Eine ähnliche Streuung wies auch Duane Washington jr. auf: Nur vier von 13 Versuchen landeten im Ziel. "Wir sind froh, dass Duane wieder da ist", sagte Gavel, "das war ja sein erstes Spiel überhaupt. Er hat die Pre-Season komplett verpasst; man kann noch nicht erwarten, dass er im Rhythmus ist."

Washington jr. wird bald deutschen Pass bekommen
Der 26-Jährige ließ sein Können aufblitzen – und überraschte die Reporter danach mit der Info, dass er demnächst einen deutschen Pass bekommen werde. Geboren ist er in Frankfurt, aufgewachsen in Bad Honnef, bevor es nach Michigan, ans College und Richtung NBA ging. Nach zwei Jahren bei Partizan Belgrad hat er im Sommer nach überstandener Verletzung bei den Bayern angeheuert.
Mit dabei an diesem Samstag: der gleichnamige Papa (ein Ex-NBA-Spieler), der gleichnamige älteste Sohn, sein nicht gleichnamiger Bruder sowie die hochschwangere Freundin – es wird ein Mädchen. Duane Washington III, noch keine vier Jahre alt, fragte den AZ-Reporter, ob der nicht mal den Korb tiefer hängen könne: "Ich bin nicht groß genug." Das nicht, aber in ein paar Jahren könnte man sich den Burschen schon als ballsicheren Aufbauspieler der deutschen Nationalmannschaft vorstellen – falls ihm nicht der kleine Bruder den Job wegschnappt.