Kommt die NBA Europe? Präsident Hainer weiß um Schlüsselrolle des FC Bayern
Wenn der große Tag der Hochzeit naht, dann soll alles möglichst perfekt sein, kein Makel, keine Unreinheit, strahlender Glanz. Die Braut will ihrem Bräutigam so gegenübertreten, dass er dahinschmilzt vor Leidenschaft und Liebe, dass sein Jawort mit entwaffnender Selbstverständlichkeit über die Lippen kommt. Was das mit Basketball und der NBA Europe zu tun hat?
Nun ja, wer die Mitteilungen der Euroleague in jüngster Vergangenheit verfolgt, der stellt fest, dass sie mit einem außerordentlich positiven Unterton verfasst wurden, hervorhoben, was sich in Europas Top-Basketballliga zum Guten und Besseren entwickelt. Dazu ist von Expansionsplänen und der Etablierung neuer Organisationen die Rede.
Summa summarum gewinnt man den Eindruck, dass sich hier eine Braut nach Kräften aufhübscht und schick macht, um ihrem möglichen Bräutigam zu gefallen.
Hainer: "Haben ein Eigeninteresse, dass die NBA und die Euroleague zusammenarbeiten"
Wird es also zur Eheschließung kommen? Sagt die NBA ja zur Euroleague und umgekehrt? Immer mehr deutet darauf hin. "Wir haben eine Verpflichtung und ein Eigeninteresse, dass die NBA und die Euroleague zusammenarbeiten", sagt Herbert Hainer dazu. Der Präsident des FC Bayern Basketball ist wie Finanz-Geschäftsführer Adrian Sarmiento im regen Austausch mit beiden Parteien, wenn es darum geht, die beste und tragfähigste Lösung für den europäischen Basketball zu finden.
Beiderseitige Alleingänge werden nach Hainers Dafürhalten nicht zum Erfolg führen, darauf pocht der 71-Jährige beharrlich. "Man muss nicht alles auf die Goldwaage legen, was gesagt und geschrieben wurde", berichtete Hainer von den jüngsten Entwicklungen, die öffentlich nach Handreichung klangen, aber auch Zwischentöne enthielten.
NBA und Euroleague in Gesprächen – kommt das Miteinander?
Der Bayern-Boss schildert, dass NBA und Euroleague in "sehr intensiven Gesprächen sind, das ist auch die zielführendste Richtung. Dann findet man die bestmögliche Lösung für den europäischen Markt." Sarmiento drückt es so aus: "Wir können bestätigen, dass uns beide Seiten ganz klar bestätigen, dass sie auch miteinander sprechen. Daran besteht kein Zweifel."

Wenn man die Lage nun interpretieren möchte, so scheint sich die Einsicht durchgesetzt zu haben, dass beide voneinander profitieren können, statt sich mit einer konfrontativen Haltung gegenseitig zu schaden. Hainer, der sowohl mit NBA-Boss Adam Silver als auch dessen Vize Mark Tatum in Kontakt steht, findet: "Wenn die NBA als die Basketball-Referenz schlechthin nach Europa kommt, dann ist das gut für Europa, überhaupt keine Frage. Aber es muss zu Bedingungen stattfinden, die für alle passen."
Hainer: "Wir bringen nochmal etwas ganz anderes ein als ein reiner Basketballklub"
Auch für den FC Bayern natürlich, der einer der 13 Anteilseigner der Euroleague und gesetzt ist für das neue Projekt, wie auch immer es im vollendeten Stadium aussieht. Jüngsten Gerüchten zu anderen Interessenten aus München hielt Hainer lächelnd entgegen: "Ich gehe davon, dass es ohne den FC Bayern hier keinen wettbewerbsfähigen Basketball geben wird." Zumal dessen Gewicht über den Basketball hinausreicht. "Ein FC Bayern", verdeutlicht Hainer, "ein Real Madrid, ein FC Barcelona, wir bringen nochmal etwas ganz anderes ein in puncto Fanreichweite, Fanenthusiasmus als ein reiner Basketballklub. Das ist auch der NBA klar."
Unterm Strich könnten also die Expansionspläne der Euroleague, die Erweiterung auf 24 Teams zur Saison 2027/28 zu den Standorten passen, die die NBA ins Auge gefasst hat. Das wären gleichwohl dann schon Detailfragen, wenn man sich grundsätzlich geeinigt hat. Ob das Label NBA ab 2027 in Europa firmiert oder etwas später, sei da nicht entscheidend, so Hainer: "Silver hat gesagt, das ist nicht die oberste Priorität. Wenn, dann muss es richtig aufgesetzt sein. Da kommt es auf ein Jahr hin oder her nicht an."
Braut und Bräutigam sollten einander erstmal und unbedingt gefallen. Die Einladungen zur Hochzeitsfeier gehen schon rechtzeitig raus.

