Ist der FC Bayern dabei? Pläne einer Kooperation der Euroleague und der NBA Europe werden konkret

Wenn man sich anschaut, was historisch als tugendhaft bezeichnet wird, dann hat die NBA bislang nicht gerade einen glänzenden Eindruck hinterlassen in ihrem Bestreben, dem europäischen Basketball-Markt ihren Stempel aufzudrücken.
NBA-Boss Silver hat Expansionspläne vorangetrieben
Hat die nordamerikanische Top-Liga klug gehandelt, als sie ihre Expansionspläne vorantrieb, hat die NBA dabei gerecht gehandelt, hat sie Mut bei Schwierigkeiten bewiesen und ist die Weltmarke dieses Sports mäßigend aufgetreten? Nun, grüne Häkchen haben NBA-Boss Adam Silver und Co. sich gewiss nicht in jedem Punkt verdient.
Es mag klug gewesen sein, Europa ins Visier zu nehmen, aufgetreten ist die NBA dabei aber zunächst, als müssten alle vor ihr niederknien und sie gewähren lassen. Beirren lassen hat die Liga sich dadurch nicht, aber das richtige Maß zu finden, auf diesem Weg ist der mit großer Reichweite und vielen Dollarmuskeln bepackte Business-Riese erst mit Verzögerung eingebogen.

NBA Europe soll 2027 starten
2027 soll das Projekt, das sich NBA Europe nennt, starten – und mit jedem Tag, der vergeht, wird eine wie auch immer geartete Kooperation mit der hier etablierten Euroleague wahrscheinlicher. Nach AZ-Infos sollen sich die Dinge innerhalb der nächsten Wochen konkretisieren, wegweisende Meetings sind terminiert, denn die Zeit drängt.
Ob der Startzeitpunkt überhaupt noch zu halten ist, gehört dabei zu den wichtigen Fragen. "Es besteht vielleicht eine Chance, dass wir eine strategische Neuordnung des Basketball-Ökosystems erleben", sagt Bayern Finanz-Geschäftsführer Adrian Sarmiento (39) zur Situation, die im Idealfall darin münden könnte, dass auch der unübersichtlich durchwucherte Spielkalender mit vier europäischen Klubwettbewerben, der Konkurrenz zwischen Euroleague und Weltverband Fiba sowie dazu den nationalen Ligen sich gesundschrumpft.
Bueno: "Bis heute haben wir von der NBA keine Informationen"
Sind allerdings in den nächsten Wochen doch nicht alle Parteien zu Zugeständnissen bereit, dann wird es haarig, denn auch die Euroleague hat jüngst klargemacht, dass sie ihre eigenen Pläne vorantreibt, wenn die NBA die europäischen Standpunkte nicht hinreichend akzeptiert. "Bis heute haben wir von der NBA keine Informationen darüber erhalten, wie eine mögliche Partnerschaft oder Zusammenarbeit aussehen könnte", sagte zuletzt Euroleague-Boss Chus Bueno, der eine berufliche NBA-Vergangenheit hat, zu "The Athletic".
Unter Buenos Führung fand eine spürbare Annäherung zur NBA statt, er bewertet die wirtschaftliche Position der europäischen Königsklasse aber zunehmend besser, was auch Bayerns Sarmiento bestätigt: "Was wir sehen, ist, dass vor allem die Euroleague eine unglaubliche Entwicklung weiterhin hinlegt, auch auf der kommerziellen Ebene, und neue Sphären langsam, aber sicher erreicht."

Sarmiento: "Da gibt es sicherlich Synergien"
Ergo: Man wird auch die NBA deutlich auf den eigenen Wert aufmerksam machen. "Die NBA bringt seit Generationen Superstars hervor, die ganze Jugendkulturen prägen. Und da gibt es sicherlich Synergien, da habe ich keine Zweifel dran", führte Sarmiento weiter aus, wies aber auch auf das europäische "Sportkulturgut" hin.
"Es macht wenig Sinn, wenn zwei konkurrierende Ligen um Marktanteile in Europa kämpfen", unterstrich Bayerns Sportchef Thorsten Leibenath und betonte, nicht zuletzt, weil die Münchner zu den 13 Anteilseignern der Euroleague gehören: "Eine internationale Liga, sei es eine NBA Europe, sei es die Euroleague, wird ein Interesse daran haben, dass der FC Bayern Basketball Teil davon ist."

Euroleague hat beim Starfaktor Aufholbedarf
Bei der Lösungsfindung helfen würde sicher sportliches Spektakel vom ersten Spieltag an in dieser Woche – auch von den Bayern, die am Donnerstag (18 Uhr/Magentasport) mit ihrem Top-Spieler Andreas Obst in Sofia auf Hapoel Tel Aviv treffen, das dem Fachportal "Eurohoops" zufolge, in Vasilije Micic (5,6 Millionen Dollar/1.) und Elijah Bryant (3,6/7.) zwei der zehn bestbezahlten Profis der Liga unter Vertrag hat.
Beim Starfaktor hat die Euroleague dennoch großen Aufholbedarf. Den Glitzerfaktor bescheren hier die Klubnamen wie Real Madrid, der FC Barcelona oder die anderen Schwergewichte Panathinaikos Athen oder Fenerbahce Istanbul. Sie sind wie etwa die Derbys zwischen Roter Stern und Partizan Belgrad Teil dessen, was Sarmiento mit Kulturgut meint.
Dies zu erkennen und zu respektieren, da hat die NBA wohl den meisten Nachholbedarf. Sarmiento ist jedenfalls sicher, "dass die großen Basketball-Marken Europas alle mit dabei sind, wie auch immer die Zukunft aussieht."