FC Bayern Basketball: Pesic jagt mit voller Energie den nächsten Meistertitel
Svetislav Pesic hat unlängst eine Müdigkeit-Wahrscheinlichkeitsrechnung aufgemacht. Dabei führte er an, wie viele Pflichtspiele es für den FC Bayern Basketball gegeben habe, seit der große Trainer-Altmeister aus Serbien kurz vor Weihnachten das Zepter in München noch einmal übernommen hatte.
Ein Spiel alle drei Tage – reicht die Energie?
Der 76-Jährige kam – grob gesagt – auf ein Spiel an jedem dritten Tag. Ergo: eine ganz schön anstrengende Angelegenheit. Da ist doch kurz vor dem Start in die BBL-Playoffs am Sonntag gegen die Gladiators Trier (16.30 Uhr) die Frage nach der Energie berechtigt.
Nicht nur bei den Spielern, sondern auch beim Coach: "Sehe ich aus, als hätte ich keine vollen Batterien?", stellte der nimmermüde Pesic lachend prompt die Gegenfrage.
Der Trainer ohne freien Tag
Dann war er aber offenkundig doch recht dankbar für die Steilvorlage. "Alle sagen", merkte Pesic an, "wie können die Spieler so viel spielen?" Und setzte energisch hinzu: "Und der Trainer? Der Trainer hat keinen einzigen Tag frei." Gelächter.
Aber es ja nun in der Tat erstaunlich, mit welcher Energie dieser Herr im reifen Alter den FC Bayern noch einmal angetrieben und wieder in die Spur gebracht hat. In der Euroleague hat sich der Klub aus dem Sendlinger Westpark zumindest einigermaßen achtbar aus der Hauptrunde verabschiedet, auch wenn die Playoff-Qualifikation nicht mehr gelang.
Zurück an der Bundesliga-Spitze
Und in der Bundesliga, da dirigierte Pesic die Meisterschaftsfavoriten mit manchmal auch harter Hand zu Tabellenrang eins nach der regulären Saison. "Sveti hat uns gutgetan. Ein Sensibelchen darfst du aber nicht sein, du musst schon etwas aushalten können", stellte der Kanadier Isiaha Mike am Freitag fest.
Nach 29 Siegen aus 34 Spielen in der BBL – die ersten noch unter Gordon Herbert – beginnt nun Pesics letzte Titeljagd. Gedanken daran verschwendet er "überhaupt nicht." Das Hier-und-Jetzt zählt. Nicht zu weit nach vorne zu schauen, das predigt Pesic schließlich auch seinen Spielern, neben der Tatsache, dass er ihnen zudem jeden Hauch Lässigkeit austreiben will.
Der größte Gegner: die eigene Selbstzufriedenheit
Denn der größte Gegner des FC Bayern auf dem Weg zur dritten Meisterschaft in Folge, das ist er womöglich selbst. Besteht die Gefahr, einen Gegner zu unterschätzen? "Das ist die Stärke des Coaches, da den Finger draufzuhalten", sagte Niels Giffey.
Pesic, der Mahner. Pesic, der Wachrüttler. "Routine und Selbstzufriedenheit sind die größten Feinde im Spitzensport", erläuterte er. Denn sie lassen die Konzentration, die Gier sinken, bieten Angriffsfläche. Und Trier hat in der Saison aus den bisher drei verlorenen Vergleichen (zwei in der Bundesliga, einen im Pokal) gegen die Münchner gewiss so manche Schlüsse gezogen.
Warnung vor Trier und fehlendem Automatismus
"Wenn man dreimal gegen Trier gewonnen hat, besteht immer eine Gefahr. Ein Automatismus existiert nicht. Jedes Spiel ist anders, da du darfst dich nicht auf deine Erfahrung verlassen", sagte Pesic, der aber guter Dinge ist und seine Mannschaft in einem guten Zustand wähnt.
Obwohl das Team zu Wochenbeginn zwei Tage frei hatte, seien "80 Prozent" in der Halle gewesen, berichtete der Coach, um sich behandeln zu lassen, individuell zu trainieren oder für Wurfübungen. Pesic schlussfolgerte: "Sie sind hundertprozentig bereit, sie sind motiviert und wollen von Anfang an das Maximum anbieten."
Kader fast komplett zum perfekten Zeitpunkt
Und zudem sind sie fast vollzählig. Nachdem sowohl Elias Harris als auch Kamar Baldwin wieder spielen können, fehlt nur noch Stefan Jovic. "Das ist perfektes Timing, dass sie jetzt zurück sind", sagte Mike über das Comeback-Duo, das viele Monate ausgefallen war.
Die Mannschaft fast komplett, die Bereitschaft gegeben, der Trainer entschlossen. Es spricht nichts gegen den amtierenden Meister und gegen ein Ende mit Titel für den Grand Seigneur. "Ich investiere jetzt die Energie", so Pesic, "danach habe ich genug Zeit."
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