Experte über Bayern-Trainer-Kandidat: "Er ist ein Gewinnertyp, der da All-in geht"

Vor Spiel drei der Finalserie zwischen dem FC Bayern und Alba Berlin spricht Ex-Nationalspieler Patrick Femerling über die Favoritenrolle der Münchner, Albas Aufschwung, den Kräfteverschleiß – und warum Trainerlegende Svetislav Pesic dem Basketball als Unikat fehlen wird.
Ruben Stark
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Dyn-Experte Patrick Femerling mit Bayern-Präsident Herbert Hainer beim Interview und Moderatorin Annett Sattler (v.l.).
Dyn-Experte Patrick Femerling mit Bayern-Präsident Herbert Hainer beim Interview und Moderatorin Annett Sattler (v.l.). © IMAGO/Alexander Trienitz

AZ: Herr Femerling, die Finalserie zwischen dem FC Bayern und Alba wechselt nun für zwei Spiele nach Berlin. Sind Sie überrascht über den 1:1-Zwischenstand nach Siegen?
PATRICK FEMERLING: Nicht überrascht. Ich glaube, dass Bayern sicherlich eine sehr gute Truppe hat, aber dass Alba auch – insbesondere am Ende der Serie gegen Vechta und auch dann gegen Bamberg im letzten Spiel – zur eigenen Stärke gefunden hat. Und wenn da die Einzelteile funktionieren, ist das wirklich eine sehr unangenehme Mannschaft.

Dennoch war die Konstellation vor der Serie klar. Bayern ist der Favorit. Hat sich das verändert oder bleibt es dabei?
Bayern ist sicherlich Favorit – und gibt auch keinen Grund, warum sich das ändern sollte. Aber natürlich muss man in so einer Serie auch mit dem Gegner rechnen. Diese Spiele sind super intensiv, das kostet einfach viel Kraft, wenn man alle zwei, drei Tage performen muss, und das ist nicht so leicht.

Wie ist Ihre Erwartung für Spiel drei am Mittwoch (20.30 Uhr) in der Max-Schmeling-Halle? Erwarten Sie etwas verunsicherte Bayern oder Bayern, die ein Machtwort sprechen wollen?
Ich glaube, die Bayern kommen hochmotiviert nach Berlin. Das ist eine Mannschaft, die Qualität hat und die im ersten Spiel sehr guten Offensivrhythmus hatte und im zweiten dann eben nicht. Das ist manchmal einfach so, wenn man den Rhythmus nicht findet. Alba hat sehr, sehr physisch und sehr aggressiv von der ersten Minute, insbesondere gegen Andi Obst, verteidigt. Ich denke, dass Bayern da Mittel und Wege finden wird, wie man diese Aggressivität auf der einen Seite selber ausgleicht und es auf der anderen Seite offensiv besser löst. Aber generell ist das natürlich eine tolle Serie.

"Bayern ist durch die Tiefe des Kaders und die Qualität schon sehr gut besetzt"

Wie lautet Ihre Prognose? Entscheidet sich die Serie in Berlin oder gibt es ein Spiel fünf am Sonntag in München?
Es wird nicht leicht für Bayern München in Berlin, das ist klar, aber sie haben die Qualität und haben auch die Fähigkeit, diese Spiele auch auswärts zu gewinnen. Aber da sind so viele Details, die wichtig sind, die sofort einen kleinen Vorteil bedeuten. Und da ist es eben spannend, zu sehen, wie man diese Details für sich löst. Im zweiten Spiel hat Alba den Andi Obst sehr hart verteidigt, der kam nicht in den Flow und ich glaube auch, dass dieser Infekt, den er hatte, auch Kraft gekostet hat. Aber die Mannschaft kann das kompensieren. Eine Prognose möchte ich gar nicht abgeben. Es ist schwer, sich festzulegen. Bayern ist durch die Tiefe des Kaders und die Qualität schon sehr gut besetzt, aber Alba hat nicht viel zu verlieren.

Sie haben bei Alba Berlin gespielt. Ist da ein bisschen mehr Sympathie bedingt durch die Vergangenheit?
Ich freue mich einfach tierisch auf die Spiele. Ich habe bei Alba Menschen, die ich gerne mag. Ich habe bei Bayern Menschen, die ich gerne mag. Also ich würde mich nicht auf der einen oder anderen Seite parteiisch sehen.

Bayern hat am Mittwoch das 84. Pflichtspiel der Saison. Alba musste andererseits zweimal über die volle Distanz gehen im Halbfinale und Viertelfinale der Playoffs. Spielt der Faktor Kraft womöglich die entscheidende Rolle oder sehen Sie eher andere Faktoren?
Kraft spielt immer eine Rolle, Gesundheit spielt eine Rolle. Die Motivation auf beiden Seiten ist super hoch, diese Spiele zu gewinnen und dann am Ende Meister zu sein. Es sind maximal noch drei Spiele. Ich glaube, jeder wird alles auf dem Feld lassen, was möglich ist.

"Pesioc ist hochmotiviert für Bayern, für seine Spieler ein gutes Ende zu finden"

Diese Finalserie markiert auch das Ende der Trainerkarriere von Svetislav Pešić. Wie sind Ihre Erfahrungen mit ihm? Gibt es prägende Momente?
Ich habe vier Jahre für ihn gespielt, ich kenne ihn ewig lange und er ist ein super erfolgreicher Trainer. Er ist jemand, der akribisch und intensiv ist. Er ist mit sich intensiv, er ist mit der Mannschaft intensiv. Ich habe ihn auch erlebt als jemand, der sich sehr viele Gedanken macht, auch um seine Spieler. Er wird dem Basketballsport fehlen, weil er einfach auch so ein Unikat ist. Jemand, der besonders ist, der auch viele Leute begeistert hat, aber auch nicht immer einfach ist. Aber es muss ja Reibung entstehen. Wenn man nicht auch mal aneckt, dann entwickelt sich auch nichts daraus. Aber ich bin sicher, dass er dem Basketball in irgendeiner Form erhalten bleiben wird. Und ich glaube, er ist hochmotiviert für Bayern München, für seine Spieler ein gutes Ende zu finden.

Wird als neuer Trainer des FC Bayern Basketball gehandelt: Bamberg-Coach Anton Gavel.
Wird als neuer Trainer des FC Bayern Basketball gehandelt: Bamberg-Coach Anton Gavel. © Daniel Löb/dpa

Wo geht Ihrer Meinung nach der Weg der Bayern zukünftig hin?
Ich bin sicher, dass der Weg weiter nach vorne und weiter nach oben gehen wird. Das Investment ist da, emotional wie finanziell, die Struktur ist da. Bayern ist eine Riesenmarke, natürlich durch den Fußball primär, aber auch Basketball etabliert sich immer weiter. Es sind viele spannende Dinge, die den ganzen europäischen Basketball gerade betreffen – auch die mögliche NBA Europe – und ich glaube, dass Bayern München ein prägender Teil davon sein kann.

Glauben Sie, dass Anton Gavel diesen Weg künftig als Trainer sportlich anleitet?
Das wird die Zeit zeigen. Die Gerüchte halten sich hartnäckig, aber ich warte da ab, bis das unterschriebene Blatt von beiden Seiten da ist. Anton ist ein super Trainer, ein toller Typ, das muss man einfach sagen. Er ist auch ein Gewinnertyp, jemand, der da All-in geht mit allem, was er hat. Als Spieler wie als Trainer erlebe ich ihn so. Und wenn er bei Bayern München die nächste Chance bekommt, sich zu etablieren, dann ist es natürlich schön für ihn. Aber was auch immer passiert, das müssen erstmal andere Leute entscheiden.

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