"Es fehlt die Kraft": Die Gründe für das Final-Aus des FC Bayern Basketball

In der Final-Serie der Bayern gegen Alba Berlin sieht man beiden Teams die große Erschöpfung an. Für Sportmediziner Helmut Pabst könnte die Leistungsdelle der Bayern aber auch an einem falschen Training liegen.
| Paul Nöllke
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Bayern-Basketballer Vladimir Lucic am Ende seiner Kräfte. "Unvertanwortlich", so urteilt Sportmediziner Pabst über den Final-Spielplan.
Bayern-Basketballer Vladimir Lucic am Ende seiner Kräfte. "Unvertanwortlich", so urteilt Sportmediziner Pabst über den Final-Spielplan. © picture alliance/dpa

So eine Saison gab's noch nie: 90 Spiele hatten die Basketballer des FC Bayern hinter sich, nachdem sie im Audi Dome in München gegen Alba Berlin den Kampf um die Deutsche Meisterschaft verloren. Die vier Final-Partien fanden innerhalb von nur fünf Tagen statt. Müde und kraftlos waren allerdings auch die Profis von Alba, die mit 83 Auftritten diese Saison nur knapp hinter den Bayern lagen.

"Es war unverantwortlich, die Spiele so anzusetzen", urteilt Sportmediziner Helmut Pabst, der selbst in der 60er Jahren für den TSV 1860 Basketball spielte. "Die Spieler sind nach so vielen Spielen natürlich müde und verletzungsanfällig. Beide Mannschaften waren am Ende."

Sportmediziner Dr. Helmut Pabst.
Sportmediziner Dr. Helmut Pabst. © sampics/Augenklick

Muskeln brauchen mindestens zwei Tage für die Regeneration

In den Tagen zwischen den Partien sei bei einer so engen Taktung an eine Regeneration der Muskeln nicht zu denken. "Beim Spielen brauche ich vor allem Kohlenhydrate und Fett", erklärt Pabst. "Das dauert mindestens zwei Tage, damit sich der Muskel regeneriert." Wenn nun aber nahezu täglich die Muskeln belastet würden, sei das nicht möglich.

Das Fazit: "Es fehlt die Kraft". Dennoch vermutet Pabst auch andere Gründe für die Erschöpfung der Bayern.

"Bei dem Spiel habe ich mich gefragt, ob die Bayern vielleicht das Grundlagentraining vor Beginn der Saison vernachlässigt haben", meint Pabst im Telefonat mit der AZ. Gerade ein solches Training sei aber enorm wichtig, um Kondition aufzubauen. "Es gibt viele Trainer, die das nicht trainieren und das dann in der Eigenverantwortung der Spieler lassen", so Pabst. "Manche Spieler trainieren das dann, manche aber eben auch nicht."

Zu viel Intensität: Lag's auch am Training? 

Pabst selbst hat ähnliche Erfahrungen in seiner Zeit als Basketballer gemacht: "Wir hatten bei 1860 immer amerikanische Trainer", so Pabst. "Die haben uns im Training so geknechtet, dass wir danach halb bewusstlos in der Dusche lagen."

Doch mit einem neuen Coach aus Ungarn habe sich das geändert. "Wir haben dann ganz anders trainiert, auch einmal Waldläufe gemacht, die Kondition gestärkt." Genau das sei eine Art des Trainings, die einem als Spieler helfe, über lange Strecken die Energie zu behalten.

Zipser-Notfall als Hemmnis für die Bayern-Basketballer?

Die Bayern hatten bei der Meisterschaft allerdings nicht nur mit Müdigkeit und Erschöpfung zu kämpfen: Die vier Endspiele gegen Alba Berlin mussten sie unter dem Eindruck spielen, dass ihr Teamkollege und Nationalspieler Paul Zipser (27) wegen einer Gehirnblutung am Morgen des ersten Finales notoperiert werden musste. "Paul geht es den ganzen Umständen entsprechend gut, mehr möchten wir hierzu nicht äußern", sagte Pressesprecher Andreas Burkert über den Zustand des Spielers, der seit 2019 für Bayern spielt.

Als Bayern-Trainer Andrea Trinchieri am Montagmorgen in einem Trikot von Paul Zipser auf einer Pressekonferenz sprach, sagte er: "Nichts ist jetzt wichtiger, als dass Pauli wieder gesund wird und in sein normales Leben zurückkommen kann." Noch ist es unklar, wann Zipser wieder ins Training zurückkehren kann. Er wird aber die anstehende Olympia-Qualifikation der deutschen Nationalmannschaft verpassen.

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