"Eine Katastrophe": FC Bayern Basketball bekommt durch den Spielplan keine Pause

Die Basketballer des FC Bayern spielen vor Weihnachten, an Weihnachten, nach Weihnachten und an Silvester. Über einen Spielplan, der keine Pausen mehr kennt – und immer höheren Tribut fordert.
von  AZ
Chefcoach Svetislav Pesic hat direkt einen vollgepackten Spielplan zu bewältigen.
Chefcoach Svetislav Pesic hat direkt einen vollgepackten Spielplan zu bewältigen. © IMAGO

Gemessen an seinem Alter hat Svetislav Pesic ein extrem straffes Programm. Während andere mit 76 Jahren gemütlich ihren Ruhestand verbringen, hat der serbische Kultcoach mit dem Traineramt bei den Basketballern des FC Bayern einen der stressigsten Posten im Profisport übernommen.

"Man muss sich fragen, wie das weitergehen soll"

Seit seinem Amtsantritt als Nachfolger von Ex-Bundestrainer Gordon Herbert vor einer Woche spielte sein Klub nicht nur am 23. Dezember – sondern auch am zweiten Weihnachtsfeiertag, am 28. Dezember sowie zum Jahresabschluss an Silvester in Rostock (14 Uhr, Dyn). Pause? Ist im dicht gedrängten Spielkalender mit Dauerbelastung in Bundesliga und Euroleague schlicht nicht vorgesehen.

Andres: "Ich sehe da überhaupt keine Besserung"

Doch während Pesic neu ist und zudem nicht selbst aufs Parkett muss, machen Nationalspieler wie Andreas Obst, Johannes Voigtmann oder Justus Hollatz schon seit Jahren diese XXL-Belastung mit und sollen teilweise bei mehr als 100 Partien pro Jahr auflaufen.

Kritisiert den vollen Spielplan für die Basketball: Armin Andres.
Kritisiert den vollen Spielplan für die Basketball: Armin Andres. © IMAGO

Die Verantwortlichen – auch bei der deutschen Nationalmannschaft – schlagen Alarm. "Es ist eine Katastrophe. Die Spieler sind die Leidtragenden, die überhaupt keine Pause mehr kriegen. Man muss sich fragen, wie das weitergehen soll. Für die Spieler ist das alles hoch belastend", sagte DBB-Vizepräsident Armin Andres der Deutschen Presse-Agentur.

Man befinde sich seit Jahren in einer Art Strudel. Am Beispiel von Obst und Hollatz heißt das: Nach dem EM-Titel am 14. September in Riga ging es zügig zurück nach München, wo bereits Ende September die nationale und die internationale Saison begann. Seither und bis in den Sommer hinein geht es quasi im Drei-Tage-Takt aufs Parkett, dazu kommen Reisen. Selbst für Training bleibt kaum Zeit.

FC Bayern Basketball war nach Finalspielen "mausetot"

"Ich sehe da überhaupt keine Besserung. Die Zeit mit der Nationalmannschaft wird immer kürzer, gerade in der Vorbereitung", sagte Andres. Die Folge der großen Strapazen sind immer häufiger Verletzungen und Zwangspausen. Aufbauspieler Hollatz hatte schon während der EM in einem Blog-Beitrag seines Klubs einen Hilferuf abgesetzt.

"Das Thema ist nicht neu, doch irgendwann ist dann doch mal der Punkt, an dem es so nicht weitergehen kann: Es sind zu viele Spiele, wir werden verheizt", schrieb Hollatz. Über die Endspiele gegen ratiopharm Ulm im Sommer 2025 sagte der 24-Jährige: "Unser Team war physisch mausetot in den Finals, nach mehr als 80 Spielen."

Ein Kraftakt: Die Basketballer des FC Bayern feiern die Meisterschaft nach einer kräftezehrenden Saison.
Ein Kraftakt: Die Basketballer des FC Bayern feiern die Meisterschaft nach einer kräftezehrenden Saison. © IMAGO

Doch nicht nur das Frühjahr, der Sommer und der Herbst sind stressig – sondern auch der Winter, wenn die Teams durch die reguläre Saison hetzen. "Das macht schon müde. Nicht persönlich für mich, aber wenn ich Andi sehe, der das seit drei Jahren durchzieht. Es ist schon normal, dass man irgendwann in ein Loch fällt", beschrieb Hollatz.

Korbjäger des FC Bayern treffen auf Rostock

Alleine im Dezember hat der FC Bayern elf Spiele zu absolvieren, auch an Weihnachten und rund um den Jahreswechsel gibt es keine Pause. Im Januar und Februar steht für das Pesic-Team ein ähnliches Pensum auf dem Plan. "Die Wahrheit ist, die Spieler sind keine Maschinen. Sie müssen zwischen all den Wettbewerben funktionieren", sagte Bundestrainer Alex Mumbru. Für ihn selbst habe die Hatz auch einen Vorteil, merkte er mit einer Portion Humor an: So könne er in seiner Freizeit ständig Basketball gucken.

So auch am Silvesternachmittag. Während in München im BWM Park die letzten Vorbereitungen für den Silvester-Schlagerboom mit Florian Silbereisen laufen, muss der FCBB in Rostock auf den Court. Für die Münchner gilt es, den neunten Bundesliga-Sieg am Stück einzufahren. Rund 5000 Fans werden die Seawolves in der Stadthalle anpeitschen, wo sie bisher eine 3:2-Bilanz vorweisen können.

Im Dauereinsatz: Die Basketballer des FC Bayern um Justus Hollatz.
Im Dauereinsatz: Die Basketballer des FC Bayern um Justus Hollatz. © IMAGO

Bayern will noch vor Mitternacht zurück in München sein

Heißt für die Truppe von Pesic: Es gilt nochmal alles in die Waagschale zu werfen, um mit einem Sieg im Gepäck das Jahr 2025 abzuschließen. Übrigens: Zeit mit den Liebsten am Silvesterabend haben die Korbjäger des FC Bayern trotz der Dienstreise nach Rostock. Die Münchner planen noch im Jahr 2025 zurück in der bayerischen Landeshauptstadt zu sein, um auf 2026 anzustoßen.

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