Die Ligastheniker: Bayerns Basketballer glänzen nur noch in Europa

In der Euroleague sind die Basketballer der Bayern historisch gut, in der Bundesliga haben sie dagegen offenbar das Siegen verlernt: "Wir müssen alle 48 Stunden spielen. Die Ligen kollidieren miteinander."
| Julian Buhl
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Mit 18 Punkten kann auch er die Heimniederlage der Bayern-Basketballer nicht verhindern: Vladimir Lucic (M.).
Mit 18 Punkten kann auch er die Heimniederlage der Bayern-Basketballer nicht verhindern: Vladimir Lucic (M.). © Christina Pahnke / sampics

München - In der europäischen Königsklasse schweben die Basketballer des FC Bayern durch die Saison bis in die nun anstehenden Playoffs. Im "Brot-und-Butter-Business", wie Vereinspräsident Herbert Hainer die heimische Bundesliga gerne bezeichnet, haben die Münchner aber offenbar das Siegen verlernt. Bayerns Ligastheniker!

Die mussten am Sonntag daheim gegen die Löwen Braunschweig (83:85) die nächste überraschende Niederlage hinnehmen - die dritte in den vergangenen vier Ligaspielen und schon die siebte insgesamt.

Unter den Top 8: Fabelhafte Euroleague-Saison für den FC Bayern Basketball

Das war - bei aller Euphorie um den historischen Erfolg, es als erstes deutsches Team unter die Top 8 der Euroleague zu schaffen - alles andere als so einkalkuliert. Schließlich werden die Verantwortlichen um Hainer und FCBB-Geschäftsführer Marko Pesic nicht müde, zu betonen, dass der Gewinn der deutschen Meisterschaft nach wie vor das alleroberste Saisonziel ist.

Außer Reichweite geraten ist dieses Vorhaben freilich noch nicht für die Münchner. Die Ausgangslage dafür hat sich durch die Negativserie in der BBL allerdings auch nicht gerade verbessert. Mit 22 Siegen ist Bayern zwar längst für die Meisterplayoffs qualifiziert, Alba Berlin (22:5 Siege) und Tabellenführer Ludwigsburg (25:2) sind allerdings wohl kaum noch von den ersten beiden Plätzen zu verdrängen.

Das bedeutet, dass die beiden Rivalen in einer möglichen Playoff-Serie gegen Bayern den Heimvorteil auf ihrer Seite hätten. Und der FCBB muss als aktuell Tabellendritter nun aufpassen, bis zum Ende der regulären Saison nicht auch noch von Oldenburg (21:6) überholt zu werden.

Das Dilemma, in dem die Bayern stecken, ist in den vergangenen Wochen und Monaten immergleich: Die Münchner kommen stets aus einer physisch und mental äußerst kräfteraubenden Woche, häufig mit einem Doppelspieltag in der Euroleague - und treffen am Wochenende in der Bundesliga auf eine ausgeruhte und hochmotivierte Mannschaft.

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"Wir müssen seit Wochen alle 48 Stunden spielen", sagt Coach Trinchieri

"Es ist offensichtlich, dass die Euroleague und die BBL miteinander kollidieren", merkte Trainer Andrea Trinchieri kürzlich zum dicht gedrängten Terminkalender an. Der FCBB-Chefcoach muss bei der Abwägung, welche seiner Stars er schonen kann und wen er wie lange benötigt, um das BBL-Spiel trotzdem zu gewinnen, stets eine Gratwanderung beschreiten.

Erschwerend kommt hinzu, dass in der BBL - im Gegensatz zur Euroleague, in der es diese Einschränkung nicht gibt - nur sechs ausländische Spieler eingesetzt werden dürfen.

FCBB muss in der Bundesliga genauso abliefern wie in der Euroleague

Und so klappte dieser Spagat bei dem äußerst beanspruchten Team zuletzt auch nur noch mäßig. Gegen Braunschweig musste zu allem Überfluss auch am Ende auch noch Center James Gist, nachdem er einen Schlag auf den Nacken bekommen hatte, verletzungsbedingt vom Feld. Co-Trainer Adriano Vertemati, der den gesperrten Trinchieri gegen Braunschweig vertrat, hatte keine 48 Stunden nach Bayerns Auswärtscoup beim FC Barcelona (82:72) einen Mangel an "Fokus oder der Energie" ausgemacht.

"Manchmal ist die Motivation vielleicht nicht dieselbe, wenn du am Freitag Euroleague spielst und am Sonntag BBL", sagte der Italiener: "Doch wir müssen verstehen, dass wir in der Euroleague abliefern müssen, aber genauso in der Bundesliga."

Gegen Braunschweig angeschlagen: James Gist.
Gegen Braunschweig angeschlagen: James Gist. © Christina Pahnke / sampics

Trotz einer Karrierebestleistung von Center Leon Radosevic, der mit 23 Punkten Topscorer war, und 18 Zählern von Vladimir Lucic reichte es diesmal nicht zum Sieg.

"Wir spielen seit zwei Monaten alle zwei Tage", sagte Radosevic und räumte ein: "Natürlich sind wir Spieler etwas mehr motiviert gegen Teams wie den FC Barcelona, das ist normal - aber das sollte eben nicht so sein, nur leider ist es so." Nach der unnötigen Heimniederlage dürften die Bayern am Dienstagabend in Bonn (18.30 Uhr) nun jedenfalls besonders motiviert sein.

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