Die Drei aus der Nische: Bayerns junges Guard-Trio brilliert

Mit Baldwin, Weiler-Babb und Sisko setzen die Bayern-Basketballer auf das jüngste Guard-Trioder Euroleague. "Manchmal kann jung zu sein ein Limit sein, manchmal aber auch eine Stärke".
| Julian Buhl
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Das Guard-Trio des FCBB (v.l.): Nick Weiler-Babb und  Zan Mark Sisko.
Das Guard-Trio des FCBB (v.l.): Nick Weiler-Babb und Zan Mark Sisko. © Rauchensteiner/Augenklick

München - Natürlich warnte Andrea Trinchieri seine Spieler vor der Euroleague-Partie (Freitag 20 Uhr) bei Panathinaikos Athen auch vor Nemanja Nedovic. Der serbische Guard verstehe es bestens, seine Mitspieler und deren Größenvorteile in Szene zu setzen: "Damit wird unsere Defensive alle Hände voll zu haben." Im Gegensatz zu den Spielmachern des FCBB hat Nedovic (29), der auch ein Jahr (2013) für die Golden State Warriors spielte, eins: viel Erfahrung.

Mit 23 und 24 Jahren der jüngste Backcourt der Euroleague

Die kann das Guard-Trio der Bayern noch gar nicht haben. Wade Baldwin, Nick Weiler-Babb (beide 24) und Zan Mark Zisko (23) bilden den aktuell jüngsten Backcourt der Euroleague. Ein Experiment, das der Klub im Sommer ganz bewusst einging. Denn Erfahrung und Qualität sind dort selten und kosten viel Geld. Geschäftsführer Marko Pesic wollte "auf dieser schwierigen Position im europäischen Basketball eine Nische suchen". Das Ergebnis könne sich sehen lassen: "Wir haben sehr interessante, junge, variable und hungrige Spieler, die sehr viel Spaß machen."

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Bayerns Backcourt Boys haben entscheidenden Anteil am Traumstart des FCBB. Nach sieben Siegen an den ersten zehn Euroleague-Spieltagen geht Bayern als Tabellenzweiter in das Duell mit Panathinaikos, das zuletzt vier Mal in Folge verlor. "Manchmal kann jung zu sein ein Limit sein", sagt Trinchieri, "manchmal, wenn du weißt, was zu tun ist, aber auch eine Stärke."

Baldwin: "Ich mag es, die Show zu leiten"

Baldwin ist als Starting-Point-Guard zum Anführer gereift. Er bereichert das Spiel mit Athletik, Zug zum Korb und treffsicherem Mitteldistanzwurf. Im vergangenen Jahr hatte der US-Amerikaner sich noch gegen Bayern und für einen Wechsel zu Piräus entschieden. Nachdem er dort nicht glücklich wurde, entpuppt sich München nun immer mehr zur Liebe auf den zweiten Blick.

Das kann man auch über Zan Mark Sisko sagen. Der Slowene, der zum Jahreswechsel von Koper Primorska gekommen war, blüht unter Trinchieri auf. Als Trainer von Partizan Belgrad war ihm der bereits als Gegner in der osteuropäischen Adriatic League begegnet. Dort war Sisko mit 9,9 Assist pro Spiel mit Abstand bester Passgeber und stellte mit 19 Zuspielen in einer Partie einen Rekord auf.

Zan Mark Sisko: Der Rain Man des FCBB

"Ich habe am eigenen Leib gespürt, wie gut er sein kann", so Trinchieri. In der Rückrunde habe Sisko bei Bayern "seine Nische noch nicht gefunden. Ich versuche jetzt, eine für ihn zu schaffen". Ein echter Point Guard, wie Sisko es ist, sei schließlich selten.

Der introvertierte 23-Jährige hat bei Trinchieri, der das Gegenteil verkörpert, einen etwas unrühmlichen Spitznamen. "Ich nenne ihn Rain Man", sagt er. Sisko erinnere ihn an den Autisten mit Hochbegabung aus dem gleichnamigen Filmklassiker mit Tom Cruise und Dustin Hoffman: "Er redet nicht viel, aber er ist dennoch ein verdammt guter Basketballspieler." Grinsend fügt er hinzu: "Manchmal macht mich der Rain Man damit verrückt."

Für Trainer Trinchieri ist Weiler-Babb wie ein alter Volvo

Das gilt auch für Weiler-Babb. "Wade und Zan machen einen exzellenten Job", sagt Trinchieri, "bei Nick warten wir darauf, dass er sein Level noch etwas erhöht." Der Italiener setzt Weiler-Babb häufig auch als Forward ein, manchmal auch mit Baldwin und Sisko. "Eine komplett andere Position und Rolle", wie Trinchieri weiß. Gegen Valencia (15 Punkte) und Vechta (21) avancierte Weiler-Babb trotzdem zum Topscorer.

"Er ist sich seines Potenzials noch nicht bewusst, nutzt nicht all seine PS", sagt Trinchieri und vergleicht seinen Spieler mit einem alten Volvo: "Er fährt immer im Energiesparmodus. Deshalb ist er auch nie müde." Als einen von drei Spielern setzte er Weiler-Babb in bislang allen Spielen ein. "Mein Ziel ist es, ihn müde zu kriegen", erklärt Trinchieri seinen pädagogischen Kniff, "denn dann werden wir noch besser sein."

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