"Arschbacken zusammenkneifen": Harris will die Cinderella-Story beim FC Bayern
Vielleicht das Erstaunlichste an Elias Harris‘ Comeback ist, dass er selbst nie daran zweifelte. Schon unmittelbar nach der üblen Verletzung im Playoff-Halbfinale der vergangenen Saison, also nach dem Sehnenriss am Knie vor über elf Monaten, fasste der nun 36-Jährige das feste Ziel: "Ich komme zurück". Kurz vor den Playoffs der aktuellen Saison schilderte Harris diesen langen Weg nun so selbstverständlich, als wäre er ein Mittzwanziger, der eben mal aus der beginnenden Blüte seiner Karriere gerissen wurde, das Beste aber noch vor sich haben könnte.
Harris: "Ich hoffe auf meine persönliche Cinderella-Geschichte"
"In meinem Kopf war", erzählte der Profi des FC Bayern Basketball, "es wird lange dauern und ich muss die Arschbacken zusammenkneifen, aber ich kriege das hin. Vollgas geben, es kommen Höhen und Tiefen, aber da muss ich durch." Und weil er sich gewissenhaft durch die monatelange Reha boxte, durch die manchmal auch nervenzehrende Monotonie aus Behandlung und Training, könnte Harris sich dieses Jahr erfüllen, was ihm im Juni 2025 verwehrt blieb: die Bundesliga-Meisterschaft in aktiver Rolle zu feiern und nicht als Claqueur am Rande.
"Ich hoffe auf meine persönliche Cinderella-Geschichte", sagte der 2,03-Meter große Power Forward, der auch unter dem Korb als Center agieren kann, lächelnd: "Ich glaube, dass ich hier und da helfen kann mit meiner Präsenz, meiner Erfahrung, meiner Kommunikation." Am Sonntag durfte er dies erstmals wieder auf heimischem Boden im BMW Park. Knapp 17:30 Minuten ließ Trainer-Altmeister Svetislav Pesic den Rückkehrer, der sechs Punkte zum 77:67 gegen Oldenburg beisteuerte, spielen. "Es macht riesig Spaß, ich habe diesen Wettkampf vermisst. Der Körper hält auch und macht mit", sagte er danach.

Bayern-Basketballer glauben nicht an Durchmarsch
Über 70 Spiele lang hatte Harris in dieser Saison seinen Stammplatz außerhalb des Courts, musste als Beobachter dem Auf und Ab mit dem letztlich enttäuschenden Ausgang in Euroleague und BBL-Pokal untätig zusehen. Auf die Endrunde und das Streben nach dem dritten Meistertitel in Folge blickt er nun aber mit Zuversicht. "Ich glaube an unsere Fähigkeiten und, dass wir nochmal einen draufpacken können", findet Harris, mahnte aber zu höchster Aufmerksamkeit: "Wir wissen alle, dass die Playoffs nochmal ein ganz anderer Schnack sind. Ich glaube nicht, dass man in neun Spielen durchläuft, wir müssen schon Vollgas geben, fokussiert sein. Der Zusammenhalt wird entscheidend sein."
Und einer, der über die Erfahrung aus vielen Profijahren verfügt und bei den Los Angeles Lakers auch ein bisschen NBA-Luft schnupperte, der sich gerade durch die "Achterbahnfahrt" der Rehabilitation geackert hat, der kann da gewiss einen positiven Einfluss haben. "Da machst du zwei Schritte vor, einen zurück. So geht das die ganze Zeit", berichtete Harris vor den vielen Stunden auch im TTS in München-Solln, die er in Abstimmung mit dem Klub dort für seine Rückkehr verbrachte: "Du hast Selbstzweifel, bist nicht sicher, ob es hinhaut, plötzlich machst du aber einen Riesenschritt nach vorne. So geht es hin und her. Ich war aber felsenfest davon überzeugt, dass das auf alle Fälle funktionieren wird."
Gegner in der ersten Playoff-Runde steht noch nicht fest
Nun wartet Harris mit seinen Mannschaftskollegen darauf, dass der Gegner für die erste Playoff-Runde, die am Sonntag (16.30 Uhr) mit einem Heimspiel beginnt, feststeht. Es wird einer aus dem Quartett Vechta, Trier, Rostock und Ludwigsburg sein. Klar ist das erst am Donnerstag, wenngleich am Dienstagabend (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) schon zwei potenzielle wegfielen.
Dann aber sollen die ersten Schritte zu den neun nötigen Siegen bis zum BBL-Silberpokal gegangen werden. Und Harris klingt so, als sind es nicht die letzten seiner Karriere: "Es ist mein Wunsch, dass ich selbst entscheide, wann ich fertig sein will. Aktuell sehe ich das noch nicht."
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