Zuletzt haarsträubender Fehler gegen Frankfurt: Was Nagelsmann mit Kimmichs Formdelle zu tun hat

Joshua Kimmich läuft seit Wochen seiner Form hinterher und leistete sich zuletzt gegen Frankfurt einen haarsträubenden Fehler. Das Leistungstief des Mittelfeld-Chefs reicht zurück bis zu den letzten Länderspielen.
von  Bernhard Lackner
Bundestrainer Julian Nagelsmann und sein Kapitän Joshua Kimmich.
Bundestrainer Julian Nagelsmann und sein Kapitän Joshua Kimmich. © IMAGO/Revierfoto

Derart deutliche Kritik aus eigenen Reihen muss Joshua Kimmich öffentlich selten über sich ergehen lassen. Von "Harakiri" sprach Sportvorstand Max Eberl und legte nach: "Das hätten wir uns sparen können. Ich weiß, man will viel spielerisch lösen, aber das ist dann ein Stück weit zu viel. Dann heißt es irgendwann, wenn die Gefahr zu groß wird: auch mal löschen. Dann musst du dich gar nicht in die Not bringen."

Gemeint war Kimmichs haarsträubender Fehlpass in der 86. Minute des Heimspiels gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Wochenende. Nachdem die Gäste bereits auf 1:3 herangekommen waren, entschied sich der Nationalmannschafts-Kapitän, der nahe der eigenen Eckfahne unter Druck gesetzt wurde, für einen hochriskanten Pass in den eigenen Strafraum Richtung Min-jae Kim, anstatt den Ball einfach ins Aus zu schießen. Frankfurts Angreifer Arnaud Kalimuendo nahm die Einladung dankend an und traf zum 2:3. In der Schlussphase lag sogar noch der Ausgleich in der Luft. Um ein Haar wäre das Meisterrennen mit Borussia Dortmund nochmal richtig spannend geworden.

Kimmich kontert Eberl: "Unsere DNA beibehalten"

Es war eine Szene, die bei den Bayern gar eine kleine Grundsatzdebatte auslöste. Wie viel Risiko ist man bereit einzugehen? Und vor allem: In welchen Spielphasen? Für Eberl war die Sache klar: "Das war natürlich Harakiri, was wir da gespielt haben!"

Kimmich selbst ordnete die Situation anders ein. Beim FC Bayern wolle man nunmal möglichst alles spielerisch lösen und da gehöre ein gewisses Risiko einfach dazu. "Wir haben hinten rumgespielt und versucht, hinten rauszuspielen und eine spielerische Lösung zu finden. In dem Fall hat das nicht ganz so gut geklappt", gab der 31-Jährige zu: "Auf der anderen Seite ist es unsere Spielweise, dass wir spielen wollen, dass wir auch, wenn wir Druck haben, versuchen, die spielerische Lösung zu finden." Für ihn sei es wichtig, "dass wir unsere DNA beibehalten".

Kimmich läuft seit Wochen seiner Form hinterher

Für den 31-Jährigen hatte die Szene durchaus Symbolcharakter. Kimmich läuft schon seit einigen Wochen seiner Top-Form hinterher. Immer wieder leistet sich der Mittelfeld-Chef, eigentlich Bayerns Mister Zuverlässig, ungewohnte Ballverluste in gefährlichen Räumen. Auch seine gefürchteten Chippässe in die Spitze kommen aktuell nur selten an. Von der enormen Präsenz, die ihn für gewöhnlich auszeichnet, ist derzeit ebenfalls nicht viel zu sehen. Kimmich im Formtief.

Seinen Anfang nahm der Durchhänger von Bayerns Vize-Kapitän bereits Mitte November vergangenen Jahres, als er sich im Training bei der Nationalmannschaft eine Kapselverletzung am Sprunggelenk zugezogen hatte. Da in den verbleibenden Partien gegen Luxemburg und die Slowakei unbedingt die Qualifikation für die Weltmeisterschaft fix gemacht werden musste, entschied sich der Mittelfeldspieler gegen eine Abreise aus dem Camp und blieb beim DFB-Team.

Kimmich spielte trotz Verletzung für die Nationalmannschaft

Die Partie in Luxemburg verpasste Kimmich aufgrund seiner Verletzung, im abschließenden Spiel gegen die Slowakei stellte ihn Bundestrainer Julian Nagelsmann aber wieder in der Startelf und ließ seinen Kapitän immerhin 64 Minuten auf dem Platz. Am Ende standen ein 6:0-Sieg und die Qualifikation für die Endrunde in Nordamerika. Die hatte sich Kimmich aber teuer erkauft.

Joshua Kimmich stand gegen die Slowakei trotz Sprunggelenksverletzung über eine Stunde auf dem Platz.
Joshua Kimmich stand gegen die Slowakei trotz Sprunggelenksverletzung über eine Stunde auf dem Platz. © IMAGO/Herbertz

Die Sprunggelenksprobleme sollten den 31-Jährigen auch in der Folge begleiten. Dennoch biss Kimmich auch bei den Bayern zunächst noch auf die Zähne und spielte durch, auch wenn ihn die Blessur sichtlich beeinträchtigte. Erst im letzten Spiel des Vorjahres beim 1. FC Heidenheim setzte er aus, auch die ersten beiden Partien nach dem Jahreswechsel gegen Wolfsburg und Köln verpasste er. Wirklich in Form ist Kimmich seither nicht mehr gekommen.

Bei Bayern steht die entscheidende Saisonphase an

Die Bayern werden hoffen, dass sich das schnellstmöglich ändert. Am kommenden Samstag steht das vorentscheidende Duell um die deutsche Meisterschaft bei Borussia Dortmund an, im März beginnt mit den Champions-League-Achtelfinals die entscheidende Saisonphase. Dann wird der Rekordmeister seinen Mittelfeld-Chef in Top-Verfassung brauchen.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.