"Wir sind Feiglinge geworden": Sammer-Abrechnung mit dem DFB

Die Nationalmannschaft erfüllt derzeit die Erwartungen nicht. Matthias Sammer: "Wir sind Feiglinge geworden."
von  Kilian Kreitmair
An der Seite von Manuel Baum (2.v.l.) redet sich Matthias Sammer (2.v.r.) auf dem Podium nicht nur einmal in Rasche.
An der Seite von Manuel Baum (2.v.l.) redet sich Matthias Sammer (2.v.r.) auf dem Podium nicht nur einmal in Rasche. © LUKAS BARTH

Satte 44 Spieler lud Jürgen Klopp für seine erste Länderspielperiode als Bundestrainer ein. "Aus meiner Sicht war es alternativlos, das so zu machen", sagte er über seine Entscheidung. Klopp will mit seiner außergewöhnlichen Maßnahme die Perlen des deutschen Fußballs finden.

FC Bayern sieht Probleme nicht in Nachwuchsarbeit der Vereine

Denn spätestens seit der WM steht fest: Deutschland gehört nicht mehr zur Weltelite des Fußballs. Es fehlt an Unterschiedsspielern im Vergleich zu Ländern wie Frankreich oder Spanien. Darum ging es auch im Gipfelgespräch "Viel Talent, wenig Weltklasse – wie gut bilden wir aus?" im Nobelhotel "Vier Jahreszeiten".

Wie die AZ weiß, sieht der FC Bayern dieses Problem nicht in der Nachwuchsarbeit der Vereine, sondern unter anderem im Scouting des Verbandes. So verlor der DFB jüngst Mittelfeldtalent Erblin Osmani an die kosovarische Nationalmannschaft.

Hätte auch für Deutschland spielen können: Erblin Osmani vom FC Bayern.
Hätte auch für Deutschland spielen können: Erblin Osmani vom FC Bayern. © IMAGO

Sammer: "Wir müssen Schwächen schwächen"

Wo Matthias Sammer die Komplikationen sieht? Der ehemalige Sportvorstand der Münchner sieht die Gründe für den aktuellen Zustand in verschiedenen Bereichen. "Wir sind nicht mehr mutig, sondern Feiglinge geworden", kritisierte der 59-Jährige im Rahmen der Podiumsdiskussion, die von "Sky Sport" organisiert wurde.

"Es heißt immer, dass wir unsere Stärken stärken müssen", so der gebürtige Dresdner weiter: "Das ist falsch." Laut Sammer, der beim Thema nicht nur einmal emotional wurde, müsse man stattdessen die "Schwächen schwächen".

Gleichzeitig forderte Sammer: "Wir müssen Leistung einfordern und definieren und einfach wieder fleißiger sein."

Ab Januar 2027 Geschäftsführer Sport beim DFB: Per Mertesacker.
Ab Januar 2027 Geschäftsführer Sport beim DFB: Per Mertesacker. © IMAGO

Sammer freut sich auf Mertesacker

Dass man sich von den Top-Nationen etwas abschauen sollte, hält er dagegen nicht für den richtigen Weg zurück an die Weltspitze. "Die beste Kopie ist immer noch schlechter als das Original", stellte der derzeitige Berater von Borussia Dortmund klar: "Wir sollten uns auf uns fokussieren."

Hoffnung, dass das künftig wieder beim DFB passiert, macht Sammer vor allem Per Mertesacker. Der ehemalige Verteidiger wird im Januar 2027 den Posten des Geschäftsführers Sport antreten: "Ich warte sehnsüchtig auf ihn", sagte Sammer. Mertesacker müsse sich beim Verband durchbeißen.

Hat eine schwere Aufgabe beim DFB: Bundestrainer Jürgen Klopp.
Hat eine schwere Aufgabe beim DFB: Bundestrainer Jürgen Klopp. © IMAGO

Sammer: "Es hat unter Klopp immer einen Tag länger gedauert"

Unter ihm müsse der DFB zusammen mit den Vereinen ein Konzept mit wichtigen Inhalten für den deutschen Fußball entwickeln. "Wir brauchen da kein Konzept über 400 Seiten, sondern von einer Seite." Ob er selbst dabei mithelfen würde? "Da muss der Verband die Angst ablegen", entgegnete Sammer.

Mit Blick auf die aktuelle Situation der Mannschaft von Klopp forderte der ehemalige Nationalspieler Geduld. "Er will erst ein hohes Maß an Spielern kennenlernen", so Sammer: "Es hat bei ihm immer einen Tag länger gedauert, als man gehofft hat." Ob das auf seinem Job beim DFB gleichermaßen wie in Dortmund und Liverpool zutrifft, wird sich zeigen.

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