Wie und wo Ultras in der Corona-Krise anpacken

Die Ultras zahlreicher Fußball-Klubs engagieren sich während der Corona-Krise für Bedürftige und Pfleger - darunter auch Anhänger des FC Bayern.
| Julian Buhl
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Auch die Ultra-Gruppierungen des FC Bayern engagieren sich während der Corona-Krise für soziales Engagement. (Symbolbild)
Sammy Minkoff/Augenklick Auch die Ultra-Gruppierungen des FC Bayern engagieren sich während der Corona-Krise für soziales Engagement. (Symbolbild)

München - Wer trotz der Ausgangsbeschränkung derzeit noch im Auto in München unterwegs ist, bekommt an einer Autobahnbrücke folgendes zu lesen: "Bleibts dahoam, seids solidarisch! Danke allen Helfern, München hält zam!" In großen, roten Lettern steht das auf einem weißen Banner, den Fußballfans geschrieben haben. Der FC Bayern teilte ein Foto davon auf einem seiner Kanäle in den sozialen Medien.

Botschaften wie diese gibt es in ganz Deutschland, speziell in der Nähe von Krankenhäusern. Inmitten der Corona-Krise machen Fußball-Fans vor, was Solidarität bedeutet, vor allem Ultras. Jene Fangruppen also, die noch vor wenigen Wochen im Mittelpunkt einer hitzigen Diskussion standen, die gefühlt längst eine Ewigkeit her ist. Viele Fans in München oder etwa in Dortmund, die wegen der Auseinandersetzung mit Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp besonders im Fokus standen, packen nun an, übernehmen etwa Einkäufe für Ältere.

Bayern-Ultras fordern zu Unterstützung auf

Der Club Nr. 12 aus München ruft auf seiner Homepage etwa dazu auf, "Hilfseinrichtungen und die Menschen, die auf sie angewiesen sind", zu unterstützen – und nennt beispielhaft die Münchner Tafel: "Unterstützung von jüngeren Menschen ist gefragt, um Menschen, die es in Zeiten von Hamsterkäufen besonders schwer haben, genügend Lebensmittel zu bekommen, zu helfen."

Auch für aktive Nachbarschaftshilfe setzen sich die Bayern-Ultras ein und empfehlen direkte Hilfsangebote im Treppenhaus, etwa in Form eines Zettels. Die Fans wollen auch überlegen, wie man Krankenhäuser und Arztpraxen unterstützen kann, "um den Engeln in Weiß unter die Arme zu greifen".

In einem ähnlichen Schreiben von BVB-Ultras heißt es: "Es geht jetzt darum, sich solidarisch zu zeigen und gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen."

Inspiriert wurden viele Fans von der "Curva Nord" von Atalanta Bergamo, die 40.000 Euro an eine überlastete Klinik spendete. Die "Torcida" von Hajduk Split half sogar beim Umzug eines Krankenhauses in ein neues Gebäude.

Ultras hoffen auf Verbesserung ihres Rufs

"Ich hoffe, dass das auch den Ruf der Ultras etwas verbessert", sagt Sig Zelt von der Organisation ProFans. Die deutschen Ultras verfolgen mit ihrem Einsatz für ihre Mitmenschen plötzlich ähnliche Ziele wie die Symbolfigur ihrer Protestbewegung. Dietmar Hopp, 79, arbeitet mit dem Unternehmen CureVac, dessen Mehrheitseigner er ist, aktuell intensiv an einem Impfstoff gegen das Coronavirus.

Zu seinem Engagement wollte sich der Club Nr. 12 nicht äußern. Auf AZ-Anfrage sagte er nur: "Wir halten es für nicht zielführend, das Thema Hopp mit dem Thema Corona zu verbinden. Dazu ist Zweites einfach zu wichtig."

Das sieht Hopp genauso. "Auch wenn mich die Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen sehr stören", sagte er der "FAZ", "nie würde ich versuchen, das eine mit dem anderen zu verquicken. Das sind völlig verschiedene Engagements." Für ihn bedürfe es keinerlei zusätzlicher Motivation, "mich für das Wohl der Menschen einzusetzen". Das leben auch Deutschlands Ultras gerade vor.

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