Wie alles begann: Sie nannten ihn "Guardi"

Pep-Serie, Teil zwei. Diesmal: Wie und wo alles begann. Wie Pep Guardiola sich hochkämpfte. Warum er weinte – und wie sein Trainer ihn beschimpfte.
| Florian Bogner
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Im mittleren Haus wuchs Pep Guardiola auf - bis er mit 13 in das Barcelona Jugendinternat zog.
Sascha Klahn 2 Im mittleren Haus wuchs Pep Guardiola auf - bis er mit 13 in das Barcelona Jugendinternat zog.
"Josep Guardiola": So heißt der Sportplatz in Santpedor.
Sascha Klahn 2 "Josep Guardiola": So heißt der Sportplatz in Santpedor.

Barcelona - Es ist Sommer 1984, als ein schmächtiger kleiner Junge von 13 Jahren vor den Toren der La Masia steht. Oriol Tort, Nachwuchsleiter der Jugend-Akademie des FC Barcelona mustert ihn und sagt: "Junge, du hast so einen großen Kopf, du solltest lieber studieren anstatt Fußball zu spielen!" Dann lächelt er und wischt dem kleinen Josep Guardiola über den Kopf.

Pep Guardiola weiß heute ziemlich genau, was er La Masia, dem mittlerweile ausgedienten alten Bauernhaus, in dem bis 2011 alle Jugendspieler des FC Barcelonas wohnten, zu verdanken hat: alles.

Begonnen hat die Geschichte des kleinen Pep knapp 65 Kilometer nordwestlich, im 7000-Seelen-Dorf Santpedor. Im Haus Nummer 15 an der „Plaça de la Generalitat” ist er geboren, im Dorfzentrum.

Tock, Tock, Tock. Auf diesem asphaltiertem Platz, der nicht mehr als das breite Ende einer Straße ist, bolzt der junge Pep mit seinem Ball tagtäglich gegen die Mauer. Immer wieder.

"Es gab kaum Autos, der Platz war wie leer gefegt", erinnert sich Guardiola. Bald kennt das ganze Dorf den kleinen "Guardi", Sohn des Maurermeisters Valentí. "Guardi" ist der beste Kicker, den das Dorf je erlebt hat. Heute ist der Sportplatz am Ortsrand nach ihm benannt.

Richtige Fußballspiele, die gibt’s für Pep erst auf der Klosterschule La Salle. Dort entdeckt den 7-Jährigen ein Trainer des Klubs Gimnàstic de Manresa; die Karriere des Pep Guardiola beginnt. Schnell fasst er Fuß. Die Trainer staunen: Solch ein Spielverständnis haben sie bei einem Jungen seines Alters noch nie gesehen.

Als er elf ist, meldet ihn Vater Valentí, selbst ein "Culé", ein Barça-Fan, nach einer Zeitungsannonce zu einem Probetraining beim FC Barcelona an. Pep spielt so gut, dass er noch ein zweites und drittes Mal vorspielen darf – beim letzten Mal im zentralen Mittelfeld, seiner Lieblingsposition.

Barça will ihn, doch weil der kleine Pep nach jeder Reise nach Barcelona still und traurig wirkt, entscheiden sich die Eltern Valentí und Dolors zu warten. Die zweite Chance kommt zwei Jahre später. Pep ist 13, Barça fragt wieder an. Diesmal stimmen die Eltern zu.

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Pep zieht ins alte Bauernhaus La Masia. Ein Viererzimmer wird sein neues Zuhause, er liegt oben im Stockbett. "Von hier kann ich jeden Tag das Camp Nou sehen", freut sich Pep. Die Räume sind spartanisch. Ab 23 Uhr ist Bettruhe, nachts spähen Jugendliche vom Fenster aus heimlich den Prostituierten nach, die sich am Rückgebäude vorbei auf den Weg in den Rotlichtbezirk machen.

Peps Verbindung nach Hause ist ein Telefon im Erdgeschoss. "Der Junge weinte am Telefon. Das machte uns schwer zu schaffen", sagt Valentí heute. Doch der Junge beißt sich durch.

"Ihr solltet euch jeden Abend im Bett fragen, ob ihr jetzt auch, mitten in der Nacht aufstehen würdet, um Fußball zu spielen", sagt Pep Jahre später zur nächsten Generation Nachwuchskicker aus La Masia. "Und sollte die Antwort einmal ’Nein’ lauten, dann macht lieber etwas anderes."

Aus Guardi wird Pep, aus Pep ein 19-jähriges Talent, das aber in der zweiten Mannschaft zu versauern droht.

Erst auf einen Hinweis von Johan Cruyff, Trainer der ersten Barça-Mannschaft, wird Guardiola vermehrt im zentralen Mittelfeld eingesetzt. 1989 nimmt ihn Cruyff erstmals mit zu einem Testspiel in Banyoles, Pep gelingt nicht viel. "Meine Oma ist schneller als Du!", brüllt der Niederländer.

Doch Pep steigert sich. Am 16. Dezember 1990 gibt er sein Liga-Debüt.

Der Anfang einer großen Karriere.

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