Interview

"Wer nicht mit vollem Fokus kommt, lernt ihn kennen": Elversberg-Boss warnt FC Bayern vor Sturmrakete

Der FC Bayern muss am Sonntag zur SV Elversberg: Vor dem Duell spricht deren Technischer Direktor, Josef Welzmüller, über die Strategie des Aufsteigers, Millionentransfers und erklärt, warum 40 Punkte und der Klassenerhalt nur in bestimmten Fällen ein Erfolg wären.
Kilian Kreitmair
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Technischer Direktor bei der SV Elversberg: Josef Welzmüller.
Technischer Direktor bei der SV Elversberg: Josef Welzmüller. © IMAGO

AZ: Herr Welzmüller, die SV Elversberg hat nach zwei Spieltagen zwei Punkte mehr als der FC Bayern. Wie sieht es nach dem dritten Spieltag aus?
JOSEF WELZMÜLLER: (lacht) Wenn es nach mir ginge, hätten wir auf jeden Fall noch die zwei Punkte Abstand. Vielleicht hätten wir sogar fünf Punkte Vorsprung. Aber das ist natürlich ein ganz großer Wunsch. Die Realität sieht so aus, dass der FC Bayern zu den besten Vereinen der Welt gehört und wir schon einen absoluten Sahne-Tag brauchen, um ihn zu ärgern. Aber wir sind nicht in der Bundesliga, um nur dabei zu sein, sondern um unser sehr mutiges, intensives und cleveres Spiel durchzuziehen. Und das werden wir auch am Sonntag gegen die Bayern machen.

DNA von Elversberg hat sich durch Aufstieg nicht verändert

Hätten Sie mit den zwei Siegen gegen Leverkusen und Gladbach gerechnet?
Gerechnet vielleicht nicht, aber daran geglaubt haben wir schon. Wenn man Zahlen wie Marktwert oder Etat mit den Gegnern vergleicht, sind wir in vielen Statistiken klar im Nachteil. Trotzdem haben wir uns vorgenommen, gegen jede Mannschaft mutig aufzutreten und unser Spiel auf den Platz zu bringen. Das ist uns in den ersten beiden Spielen sehr gut gelungen – und dafür sind wir mit zwei Siegen belohnt worden.

Woher kommt dieses Selbstbewusstsein?
Aus einer einfachen Regel, die hier alle leben: Wir spielen, als hätten wir nichts zu verlieren, und wir arbeiten, als hätten wir noch nichts erreicht. Mut auf dem Platz, Demut und Fleiß daneben. Das ist unsere DNA, und der Aufstieg hat sie nicht verändert, sondern bestätigt.

Auch, dass Trainer Vincent Wagner nun dabei ist, dürfte Aufwind geben. 
Natürlich sind wir froh, dass Vincent am Sonntag an der Seitenlinie stehen darf und wir nun Klarheit haben, was die Spielvorbereitung angeht. Trotz allem Trubel in den letzten Tagen ziehe ich vor allem vor der ehrlichen Einschätzung von Schiedsrichter Martin Petersen den Hut. Das ist wahrer Sportsgeist und macht den Fußball gerechter. Nun gilt es aber schnell den Fokus auf das Spiel zu richten, alle Kräfte zu bündeln und am Sonntag als Einheit ins Spiel zu gehen. Dazu gehört nicht nur Vincent, sondern der gesamte Staff, die Mitarbeiter und die Fans! Nur so haben wir eine Chance gegen Bayern.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es ist ein Spiel wie jedes andere.

Josef Welzmüller

Welzmüller schaut sich einiges vom FC Bayern ab

Sie sind gebürtiger Münchner, haben beim FC Bayern promoviert. Hat das Spiel für Sie persönlich nochmal eine höhere Bedeutung?
Klar. Mein Bruder Maxi arbeitet seit Jahren am Campus des FC Bayern. Und mein anderer Drillingsbruder Lukas fährt seit 15 Jahren zu den Auswärtsspielen der Bayern. Beide werden am Sonntag im Stadion sein. Bayern ist meine Heimat, Elversberg ist mein Auftrag. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es ist ein Spiel wie jedes andere. Es ist das Spiel, auf das ich mich in diesem Jahr am meisten freue, und natürlich auch das, das ich am liebsten gewinnen würde.

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Die Bayern haben in den vergangenen Jahren die Liga dominiert. Gibt es etwas, das sich Elversberg vom FC Bayern abschaut?
Wenn man den FC Bayern lange verfolgt, und das habe ich, dann sieht man: Erfolg ist dort keine Hoffnung, sondern eine Erwartung. Diesen Anspruch finde ich inspirierend, genauso wie die Wirtschaftlichkeit, die die Bayern seit Jahrzehnten an den Tag legen. Wir werden nie der FC Bayern sein. Aber eines kann man in unserem Maßstab übernehmen: Die Großen sind nicht groß, weil sie viel Geld haben, sondern weil sie kein Detail für klein halten.

Stechen beim FC Bayern laut Josef Welzmüller heraus: Michael Olise und Harry Kane.
Stechen beim FC Bayern laut Josef Welzmüller heraus: Michael Olise und Harry Kane. © IMAGO

Elversberg-Boss warnt FC Bayern vor Mokwa

Vor welchen Bayern-Spielern warnt die SV die Mannschaft am meisten?
(lacht) Die Mannschaft ist so gut, dass jeder Spieler auf seiner Position zu den besten Europas gehört. Allerdings: Michael Olise und Harry Kane stechen da nochmal heraus. Mich würde aber interessieren, vor welchen Spielern Vincent Kompany seine Mannschaft warnt.

Auf wen würden Sie tippen?
Vielleicht David Mokwa, weil er in einem Tempo anläuft, das ich so bisher von keinem anderen Spieler gesehen habe. Wer nicht mit vollem Fokus nach Elversberg kommt, lernt ihn kennen. Außerdem würde ich an Stelle von Kompany vor Cole Campbell warnen.

Wer nicht mit vollem Fokus nach Elversberg kommt, lernt ihn kennen.

Josef Welzmüller

Elversberg sieht sich als Durchlauferhitzer

Campbell wurde vor der Saison für rund sechs Millionen Euro verpflichtet. Keine kleine Summe für einen Aufsteiger, zumal Elversberg keinen Investor hat. Wie wird so ein Transfer finanziert?
Wie ein gesunder Mittelständler: erst verdienen, dann investieren. Wir haben in den vergangenen Jahren viele Spieler entwickelt und beim Verkauf partizipiert. Das prominenteste Beispiel ist Younes Ebnoutalib im vergangenen Winter. Wir haben diese Spieler zu einem Zeitpunkt abgegeben, an dem andere Vereine es nicht getan hätten. Da waren wir mutig und wurden belohnt. Das, gepaart mit den Bundesliga-Ausschüttungen, ermöglicht uns solche Transfers. Und die Summe, die bei Cole genannt wird, ist vor allem ein Beweis dafür, was wir in ihm sehen. Er hat einen Vierjahresvertrag, und wenn wir ihn so entwickeln, wie wir es vorhaben, könnte das in drei Jahren rückblickend ein günstiger Transfer gewesen sein.

Das ist also die Strategie, die Elversberg verfolgt?
Wir nennen uns selbst Durchlauferhitzer, und dahinter steckt ein klarer Plan. Wir scouten nicht nach Namen, sondern nach Profilen. Und wir sind mutig genug, jungen Spielern Verantwortung zu geben, bevor andere es tun. Sie werden bei uns besser, und wir werden mit ihnen besser. Dass das funktioniert, liegt auch an unserem sehr ruhigen Umfeld. Hier weicht niemand von der Idee ab, wenn es unbequem wird.

Kam vor der Saison für sechs Millionen Euro aus Dortmund: Cole Campbell.
Kam vor der Saison für sechs Millionen Euro aus Dortmund: Cole Campbell. © IMAGO

Elversberg will in der Bundesliga bleiben 

Welche Saisonziele hat der Verein mit dieser Strategie?
Unser Ziel ist der Klassenerhalt, ganz klar. Aber wir wollen ihn auf unsere Art. Wenn wir unsere Identität aufgeben, haben wir auch mit 40 Punkten etwas verloren. Wir hatten einen starken Start, und daran wollen wir anknüpfen.

Sie persönlich haben die Doktorarbeit beim FC Bayern über Internationalisierung geschrieben. Sie haben diese in der Endphase der aktiven Karriere geschrieben, und waren zudem Technischer Direktor bei der Spielvereinigung Unterhaching. Wie haben Sie das gemacht?
Ich bin sehr dankbar, dass mir die Spielvereinigung das zugetraut hat, dass ich gleichzeitig Kapitän und Technischer Direktor war. Und das mit dem Wissen, dass ich in der Endphase meiner Promotion war. Am Ende des Tages war es schon auch eine Frage der guten Tagesplanung und noch eine kleine Portion Fleiß.

Hier tut sich so viel und ich habe das Gefühl, dass ich gerade erst am Anfang stehe.

Josef Welzmüller

Welzmüller hat noch einiges mit Elversberg vor

Können Sie sich eigentlich irgendwann einen Job beim FC Bayern vorstellen?
Ich bin sehr glücklich, dass ich in Elversberg gelandet bin. Ich durfte mit dem Verein aufsteigen und wir haben noch viele Projekte geplant. Wir bauen gerade das Stadion um und auch im NLZ nach und nach investieren. Hier tut sich so viel und ich habe das Gefühl, dass ich gerade erst am Anfang stehe. Wie gesagt, München bleibt meine Heimat. Mein Auftrag ist Elversberg.

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