"Weit entfernt, Erfolg nur an Titeln zu messen": Kimmich überrascht mit Aussage vor DFB-Pokalfinale

Nach der Pressekonferenz durften Trainer Vincent Kompany und Ersatzkapitän Joshua Kimmich schonmal neben dem DFB-Pokal posieren. Fürs Foto lautete die Vorgabe aber: Nur anschauen, nicht anfassen – obwohl der Pott zum Greifen nah war. Ein Mitarbeiter des Verbands, ausgestattet mit weißen Baumwollhandschuhen, verrammelte ihn direkt wieder. Erst am Samstagabend darf ihn der Sieger bei Lamettaregen und Feuerwerk in den Berliner Nachthimmel stemmen.
Pokalniederlage würde "bitteren Nachgeschmack hinterlassen"
Geht es nach dem FC Bayern, ist die Antwort klar, wer das ist. "Wir möchten das Erfolgserlebnis haben", sagte Kompany wenige Minuten zuvor auf dem Podium: "Vom Gefühl her spricht die ganze Mannschaft über diesen Pokal schon seit dem ersten Trainingstag." Nach sechs Jahren Abstinenz hat man es sich intern vor der Spielzeit als Ziel gesetzt, den 21. Pokalsieg der Vereinshistorie einzufahren.
Der Sieg gegen den VfB Stuttgart hat also höchste Priorität. "Auch wenn wir dieses Jahr vieles richtig gemacht haben, müssen wir das Finale unbedingt gewinnen, damit es sich wirklich so anfühlt, als hätten wir einen Schritt nach vorne gemacht", betonte Torgarant Harry Kane jüngst: "Es würde einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen, falls wir nicht gewinnen." Mit anderen Worten: Die Saison der Münchner steht und fällt mit dem Double.
Von außen betrachtet, zählen immer nur die Titel und Erfolge.
Kimmich bewertet Saison nicht anhand der Titel
Wobei das offensichtlich nicht alle Bayern so sehen. Bestes Beispiel: Kimmich. "Von außen betrachtet, zählen immer nur die Titel und Erfolge", holte der Sechser am Freitagabend aus: "Ich bin aber weit davon entfernt, den Erfolg nur an den Titeln zu messen." Überraschende Worte von Kimmich, die er aber erklärte: "Wir tun immer alles, um den Erfolg zu beeinflussen, aber ich mache eine Saison nicht an einem Spiel fest." Ihm komme es auch auf die Entwicklung des Teams an.
"Ich habe schon das Gefühl, dass wir eine Mannschaft haben, die gerne zum Training kommt", so der 31-Jährige. Ob Kimmich damit den Druck von seiner Mannschaft nehmen will? Immerhin geht man als Favorit in dieses 83. Pokalfinale, auch wenn die Schwaben um Trainer Sebastian Hoeneß durch den Pokalsieg aus dem Vorjahr "Blut geleckt" haben. Sollte dem so sein, hat es Wirkung gezeigt.

Stimmung bei den Bayern war im Abschlusstraining gut
Anspannung war den Bayern im Abschlusstraining nicht anzumerken. Ganz im Gegenteil. Die Stimmung im Olympiastadion war gut, es wurde bei den warmen Temperaturen reichlich gescherzt. Jonathan Tah verteilte beim Ballhochhalten Ohrenschnipser, Kabinen-DJ Jamal Musiala beschallte das weite Rund mit einer Musikbox. Die lockerlässigen Bayern. Ob die Münchner wenigstens in der Nacht vor einem Finale eine gewisse Aufregung spüren, wollte ein Kinderreporter wissen.
"Als Jugendlicher war ich nervös, wenn am nächsten Tag ein wichtiges Turnier war", gestand Kimmich. Das hat sich aber mittlerweile gewandelt. "Ich genieße es manchmal sogar, im Hotel zu übernachten, weil ich dort schön ausschlafen kann und meine Ruhe habe." Immerhin hat der Mittelfeldspieler daheim vier Kinder, die ihn durchaus auf Trab halten. Da war die Nacht im Ritz-Carlton Hotel am Potsdamer Platz eine willkommene Abwechslung.
Meine beste Nacht ist immer vor dem Spiel.
Kompany kann vor wichtigen Spielen gut schlafen
Auch sein Trainer hat übrigens keine Schlafprobleme vor wichtigen Spielen. "Meine beste Nacht ist immer vor dem Spiel", antwortete Kompany: "Ich hatte das schon als Spieler und konnte es zum Glück als Trainer behalten. Da kann ich einmal in der Woche gut schlafen." Mit müden Bayern ist also im Pokalfinale nicht zu rechnen.