Verletzungsschock beim FC Bayern: Verpasst Serge Gnabry gar die WM?

In 37 von 46 Pflichtspielen dieser Saison stand Serge Gnabry für den FC Bayern auf dem Platz. Dazu kommen acht von maximal acht Einsätzen für die deutsche Nationalmannschaft. Konstante Leistungen, beständige Fitness seines Körpers. Bei Gnabry bedingt sich das gegenseitig stets extrem. Dass er in dieser Spielzeit bislang erst fünf Partien wegen kleinerer Blessuren verpasste, war außergewöhnlich – und für ihn außergewöhnlich positiv.
Samstagabend dann die so deprimierende Nachricht: Ausriss der Adduktoren am rechten Oberschenkel lautete die Diagnose der Vereinsärzte nachdem er sich beim Training am Tag vor dem Heimspiel am Sonntag gegen den VfB Stuttgart (4:2 verletzt hatte. Ein Schock. Für Gnabry. Für die Mannschaft. Für Trainer Vincent Kompany. Für die Nationalelf. Für Bundestrainer Julian Nagelsmann.
WM für Gnabry in Gefahr
Laut Mitteilung des FC Bayern am Samstagabend geht man an der Säbener Straße bei Gnabry von einer "längeren Pause" aus. Laut AZ-Informationen müssen je nach Heilungsverlauf und Reha-Zeit zwei bis drei Monate veranschlagt werden. Im schlechtesten Fall bis zu vier Monate. Das bedeutet: Die Saison im Bayern-Trikot ist für den 30-Jährigen gelaufen. Und das ausgerechnet jetzt, da die Meisterschaft eingefahren wird, das DFB-Pokal-Halbfinale am Mittwoch bei Bayer Leverkusen (20.45 Uhr, ZDF & Sky) und das Champions-League-Halbfinale gegen Titelverteidiger Paris Saint-Germain (27. April und 6. Mai) anstehen.
Ein Triple ante portas – und Gnabry außen vor. Wie bitter. Mehr noch, und noch bitterer: Auch seine WM-Teilnahme ist in Gefahr. Seinen Kader für das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) nominiert der Bundestrainer am 12. Mai. Nimmt Nagelsmann den Offensiv-Allrounder mit, auch wenn er erst im Laufe des Turniers (diesmal maximal acht Partien) fit wird? Sehr fraglich.

Nagelsmann: "Es tut mir sehr leid für Serge"
"Es tut mir sehr leid für Serge. Das ist gerade im Saisonendspurt, in dem so große und wichtige Spiele anstehen, eine ganz bittere Nachricht", sagte Nagelsmann und berichtete, dass er mit dem Pechvogel am Samstagabend telefoniert hatte. "Ich habe ihm gesagt, dass wir auch in der Nationalmannschaft alle hinter ihm stehen. Wir alle werden ihn bestmöglich unterstützen, damit er so schnell wie möglich wieder auf dem Platz stehen kann."
Aber wann? Natürlich wird Gnabry alles daransetzen, bei der WM in Nordamerika dabei sein zu können – schließlich hatte er wegen einer Verletzung (Muskelbündelriss, zugezogen im Mai 2024, also ebenfalls im Saisonendspurt) die Heim-EM 2024 verpasst. Gnabrys WM-Bilanz? 2022 in Katar war er Stammspieler, steuerte in drei Spielen ein Tor und eine Vorlage bei. Das blamable Vorrunden-Aus war ebenso deprimierend wie sein Fernbleiben von der WM 2018 in Russland – wegen eines Muskelbündelrisses. Was hätte dieser Serge Gnabry, der Triple-Gewinner von 2020 und sechsmalige (bald siebenmalige) deutsche Meister, für eine Karriere mit noch mehr Höhen und Titeln hinlegen können, wenn ihm diverse Muskelverletzungen nicht immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten?
Gnabry-Verletzung bedeutet mehr Spielzeit für Musiala
Apropos: In den Planungen von Kompany und Nagelsmann fehlt nun ein wichtiger Baustein. Ein flexibler Angreifer, in der Kabine als absoluter Teamplayer sehr beliebt und auf sämtlichen vier Offensiv-Positionen einsetzbar: Als hängende Spitze, über Links- bzw. Rechtsaußen sowie als Zehner, Gnabrys bevorzugte Rolle zuletzt bei Bayern und im Nationalteam. Heißt: Jamal Musiala (23), der nach seinem kürzlichen Rückschlag (Verklebungen im operierten Knöchel) als schmerzhafte Reaktion infolge des Wadenbeinbruchs samt Sprunggelenksluxation im Juli immer besser in Schwung kommt, wird ab sofort mehr gebraucht bei den Bayern. Mehr Spielzeit für den Zehner, der so behutsam behandelt wird. Ein Spiel mit dem Feuer? Mit dem Feuer namens Verletzungen?
Immerhin – und das war die positive Nachricht am Samstag: Rechtsaußen Lennart Karl (18), der auch als Zehner agieren kann, nahm erstmals nach seinem Muskelfaserriss das Lauftraining auf.