Urbig als Nationaltorhüter? "Super Verbindung zu vielen Spielern"

Der Bayern-Kapitän kehrt nicht mehr ins Nationalteam zurück, ter Stegen fällt verletzt aus - daher kommt es nun auf Baumann, Nübel und Debütant Urbig an. Wer hat die besten Chancen? Der AZ-Check.
von  Maximilian Koch
Deutsches Torhütertrio (v.l.): Oliver Baumann, Jonas Urbig und Alexander Nübel.
Deutsches Torhütertrio (v.l.): Oliver Baumann, Jonas Urbig und Alexander Nübel. © IMAGO/DeFodi.de

Manuel Neuer will es noch mal richtig wissen. Ein letztes Mal? Während viele seiner Kollegen vom FC Bayern gerade mit ihren Nationalmannschaften unterwegs sind, hechtet Neuer an der Säbener Straße den Bällen hinterher. Nach seinem kleinen Muskelfaserriss in der Wade peilt Neuer ein Comeback nach der Länderspielpause an: am 4. April bei der Bundesliga-Partie in Freiburg. Aktuell sieht es ganz gut aus, dass der Kapitän rechtzeitig fit wird – um dann auch in den Viertelfinal-Spielen der Champions League gegen Real Madrid am 7. und 15. April zwischen den Pfosten zu stehen. Und Kurs zu nehmen auf sein drittes Triple nach 2013 und 2020.

Neuer vor Zukunftsentscheidung

Ob bis dahin bereits eine Zukunftsentscheidung gefallen ist? Neuer, so heißt es beim FC Bayern, wird rund um seinen 40. Geburtstag am kommenden Freitag bekanntgeben, ob er weitermacht oder nicht. Entweder noch ein Jahr bei den Münchnern oder es kommt zum Karriereende - ins Ausland zieht es Neuer nicht mehr. Eine andere Entscheidung hat der Keeper schon jetzt getroffen: Er wird für die WM im Sommer nicht zur Verfügung stehen, eine Rückkehr unter Bundestrainer Julian Nagelsmann gibt es für ihn nicht. Und so kommt es im DFB-Tor zu einem Dreikampf um Neuers Erbe.

Ter Stegens geplatzter Traum

Eigentlich wäre diese Rolle für Marc-André ter Stegen vorgesehen gewesen, doch der 33-Jährige hatte riesiges Verletzungspech in den vergangenen Jahren. Aktuell fällt ter Stegen, der beim FC Barcelona ausgemustert und an den FC Girona verliehen wurde, wegen einer schweren Oberschenkelverletzung aus, sein WM-Traum als Nummer eins wird sich wohl nicht erfüllen.

Vor dem Comeback beim FC Bayern: Manuel Neuer.
Vor dem Comeback beim FC Bayern: Manuel Neuer. © IMAGO/DeFodi.de

Im "Kicker" bezeichnete Nagelsmann ter Stegens Situation als "extrem tragisch" und ergänzte: "Wenn man seine Historie bei der Nationalmannschaft sieht, wäre er jetzt dran gewesen. Das Buch ist auch nicht ganz zu, aber es steht außer Frage, dass das superknapp wird, weil man nicht nur die Ausfallzeit jetzt beachten muss, sondern auch die Zeit davor. Er hat dann fast ein Jahr lang kaum gespielt, das ist schon extrem wenig."

Baumann, Nübel oder Urbig?

Daher haben drei andere Keeper die Chance: Oliver Baumann, Alexander Nübel und Jonas Urbig. Hoffenheims Baumann stand zuletzt bei den Länderspielen im Tor und überzeugte. Der Routinier habe es "in der WM-Quali herausragend gut gemacht" und werde es "auch im März herausragend gut machen", sagte Nagelsmann. Nach jetzigem Stand hat Baumann die besten Aussichten, bei der WM in der Stammelf zu stehen, in den Testspielen am Freitag in Basel gegen die Schweiz und drei Tage später in Stuttgart gegen Ghana wird der 35-Jährige wohl auflaufen, um sich mit der Defensive einzuspielen.

Überzeugt beim FC Bayern: Urbig.
Überzeugt beim FC Bayern: Urbig. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

Oder kommt es doch zu einer großen Überraschung? Während der vom FC Bayern bis Saisonende an Stuttgart verliehene Nübel in der Hierarchie derzeit hinter Baumann anzusiedeln ist, weiß man bei Bayern-Aufsteiger Urbig noch nicht so recht, wie Nagelsmann mit ihm plant. Urbigs Vorteil: Er kam in dieser Saison mehrmals in der Champions League zum Einsatz und hat sich in Neuers Schatten prächtig entwickelt. Mit dem Ball am Fuß ist der 22-Jährige der beste der drei Keeper, auch auf der Linie überzeugt er mit seinen Reflexen. "Er hat für sein Alter eine extrem gute psychische Stabilität bewiesen", sagte Nagelsmann über Urbig: "Er kam in vielen Spielen rein und hat sofort performt."

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Urbigs Perspektive beim FC Bayern

Urbig habe außerdem "eine super Verbindung zu vielen Spielern", ergänzte der DFB-Coach: "Er kennt viele aus der U-Nationalmannschaft, er kennt diesen großen Bayern-Block, was sehr viel Wert für uns bringt, weil sie einfach eine gute Verbindung zueinander haben." Nagelsmann bescheinigte Urbig "eine große Perspektive, wenn alles so weiter verläuft".

Ob der Bayern-Torhüter also wirklich nur die Nummer drei oder zwei bei der WM ist, wird sich noch zeigen. Hält Urbig sein Niveau, könnte er Neuer im DFB-Team und beim FC Bayern beerben. Nübel hingegen soll nach AZ-Informationen im Sommer erneut verliehen oder verkauft werden.

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