"Underdog" FC Bayern vor schwerer Aufgabe bei der "Mannschaft der Stunde"

Der FC Bayern ist am Sonntagabend zu Gast bei der SV Elversberg. Der Aufsteiger legte einen furiosen Saisonstart hin und liegt in der Tabelle vor den Münchnern.
von  Patrick Strasser
Der FC Bayern steht vor einer schweren Aufgabe in Elversberg.
Der FC Bayern steht vor einer schweren Aufgabe in Elversberg. © IMAGO/Philippe Ruiz

Graue Mäuse? Gibt's nicht mehr in der schrillen Welt des Fußballs. Wer zunächst als Kleiner daherkommt, finanziell kaum potent, medial wenig Glanz versprühend, der gerät schnell in Scheinwerferlicht. Aus grau wird bunt, aus der Maus eine für ihre Eigenart bewunderte Katze mit Krallen.

Obwohl erst ganz frisch im Hause Bundesliga, hat sich die SV Elversberg zum Stubentiger – nun ja – gemausert. Aus der Regionalliga Südwest stieg man drei Mal auf: 2022, 2023 und 2026. Bis man diesen Sommer als 59. Verein in der höchsten Spielklasse angekommen war. Als Besucher? Als Eintagspapiertiger? Nein, die Saarländer sind gekommen, um zu begeistern.

Erster Aufsteiger seit 18 Jahren: Elversberg gewinnt beide Spiele zum Auftakt

Der erste Bundesliga-Aufsteiger, der seit 18 Jahren die ersten beiden Spiele der Saison gewann, ist Tabellenvierter. Und empfängt am Sonntag (17.30 Uhr, DAZN) den Sechsten, den FC Bayern. Der Weltverein, der sein Ziel Champions-League-Triumph mit dem 5:0 gegen den FK Bodö/Glimt zum Start der Ligaphase untermauerte, zu Gast im 13.000-Einwohner-Dorf. Schön-schräge Bundesliga. Mehr Gefälle geht nicht. Weniger Reiz auch nicht beim Duell Klein gegen Groß.

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Womit die Elversberger die SpVgg Unterhaching (1999 bis 2001) als bisher kleinsten Bundesliga-Standort abgelöst haben. Etwa halb so viele Einwohner wie Unterhaching – von den 13.080 Menschen leben 7.900 im Stadtteil Elversberg, der Rest in Spiesen. Zwei Tankstellen, kein Bahnhof. Eine Pfarrkirche, eine Tierklinik. Ein Rathaus ohne Balkon, ein Heimatmuseum. Rund zehn Kneipen und eine Unmenge an Euphorie.

In Elversberg ist alles ein bisschen kleiner als beim Rest der Liga.
In Elversberg ist alles ein bisschen kleiner als beim Rest der Liga. © IMAGO

"Underdog" FC Bayern: Elversberg in der Tabelle vor den Münchnern

Ausgelöst von Trainer Vincent Wagner, der vor dem ungleichen Duell im "kicker" den schönen Vergleich zog: "Die Bayern sind einfach extrem gut. Wir haben eine Chance wie ein Schneeball in der Wüste. Das Schöne ist: Auch in der Wüste hat's schon mal geschneit." Im Saarland, dem kleinsten Flächenbundesland, scheint alles möglich.

Nach dem 3:2 gegen Leverkusen und dem 4:3 in Mönchengladbach sei die SVE für Sportvorstand Max Eberl "die Mannschaft der Stunde". Also sei man, so Vize-Kapitän Joshua Kimmich, der "Underdog". Er schmunzelte, legte dann Fakten nach. Der Aufsteiger sei "ja furios gestartet. Wir sind hinter Elversberg momentan. Sie haben schon sieben Kisten gemacht, mehr als wir."

Harry Kane erwartet ein "schweres Spiel"

Ein Underdog mit über einer Milliarde Euro Kader-Marktwert im Vergleich zu 58 Millionen. Michael Olise wird auf 170 Millionen (alle Angaben laut transfermarkt.de) taxiert, dreimal so hoch wie der gesamte Kader der "Elv". Bayern hat 432.500 Mitglieder, Elversberg knapp 15.000. Eine herrliche Unwucht. Elversbergs Bürgermeister Bernd Huf ist Mitglied im örtlichen FCB-Fanklub "Spieser Bazis". Der Vorsitzende heißt Ulli Hönes – kein Witz. Kannste dir nicht ausdenken.

Und wenn der Kapitän der englischen Nationalmannschaft, einer der Favoriten auf den Gewinn des Ballon d'Or als Weltfußballer, schon so einiges weiß über die Emporkömmlinge, dann ist das bereits eine Auszeichnung. "Mir wurde gesagt, es ist eine kleine Stadt, ein kleines Dorf. Sie arbeiten extrem hart, und ich denke, wir erwarten am Sonntag ein schweres Spiel", sagte Harry Kane.

Warnt vor Elversberg: Harry Kane.
Warnt vor Elversberg: Harry Kane. © IMAGO

Bayerns letzter Auftritt im Saarland ging in die Hose

Für den Toptorjäger sei es "immer schön, gegen neue Teams zu spielen, in neuen Stadien, mit neuen Atmosphären. Am Sonntag wird es wieder etwas Besonderes." Und schwierig. Kane weiter: "Sie kommen so richtig ins Rollen, das macht mir im Moment ein bisschen Sorgen." Bayern müsse "bereit sein für eine weitere große Schlacht". Womöglich hängen sie diese Sätze als DIN-A2-Ausdruck in die Elversberger Kabine.

Das Stadion, die "URSAPHARM"-Arena, direkt im Gewerbegebiet am Ortsrand gelegen, wird derzeit bundesligatauglich umgebaut, fasst lediglich 9.300 Zuschauer – eine Baustelle mit Charme. "Mal was anderes für uns", so Kapitän Manuel Neuer. Bei den Bayern freut man sich auf den ungewöhnlichen Trip. "Das wird spannend", sagte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen. "Die Kollegen aus Elversberg sind ausgesprochen freundliche Gastgeber, hoffentlich dann auch beim Spiel." Das wird sich zeigen.

Beim letzten Ausflug ins Saarland bekamen die Bayern auf die Mütze, flogen am 1. November 2023 in der 2. Runde aus dem DFB-Pokal. Mit 1:2 beim 1. FC Saarbrücken. Graue Mäuse entpuppen sich oft als Aschenputtel.

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