Umstellung auf Wärmepumpen: So spart die Allianz Arena rund 750.000 Kilowattstunden

Die Allianz Arena ist als Heimspielstätte des FC Bayern nicht nur Fußballtempel, sondern ein durchdachtes Stadion mit modernem Nachhaltigkeitskonzept. Die Arena-Betreiber setzen auf drei Säulen und bessern kontinuierlich nach.
Thomas Becker |
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Ikonische Lichtinstallation außen, durchdachtes Umweltkonzept innen: Die Allianz Arena (Symbolbild).
Ikonische Lichtinstallation außen, durchdachtes Umweltkonzept innen: Die Allianz Arena (Symbolbild). © Fotomontage AZ/ IMAGO

Ein Fußballstadion ist alles andere als ein Ort der Stille. Es ist vielmehr Lärm, Licht, Masse und Energie, im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. Zehntausende Menschen strömen an einem Spieltag zusammen, wollen verpflegt, beleuchtet, geheizt und unterhalten werden. Wer glaubt, dass ein Stadion dieses Ausmaßes keine Verantwortung übernehmen kann, der täuscht sich. Und jetzt die gute Nachricht: Die Allianz Arena hat sich zu einem Vorzeigeprojekt im Bereich Stadionnachhaltigkeit entwickelt.

Modernes Umweltkonzept in der Allianz Arena mit drei Säulen

Was von außen womöglich wie eine futuristische Lichtinstallation wirkt – die längst ikonische Fassade aus ETFE-Folienkissen – ist auch von innen Ausdruck eines klug durchdachten Umweltkonzepts. Energiereduktion, Effizienzsteigerung und der Umstieg auf erneuerbare Energien sind die drei Säulen, auf denen die erfolgreiche Strategie ruht.

Neue Rasenheizung und andere Warmwasserversorgung

Vom Gaskessel zur Wärmepumpe: Eine der markantesten Veränderungen betrifft etwas, das die meisten Fans niemals zu Gesicht bekommen: die Heizung unter dem Rasen. Jahrelang wurde das satte Grün, auf dem Harry Kane & Co. so erfolgreich auf Torejagd gehen, mit Gas warmgehalten — ein reichlich energieintensives Verfahren, das in Zeiten steigender Preise und wachsendem Klimadrucks kaum mehr zu rechtfertigen ist. Die Arena hat deshalb die gesamte Rasenheizung auf Luft-Wasser-Wärmepumpen umgestellt. Allein im ersten Betriebsjahr konnten somit rund 750.000 Kilowattstunden eingespart werden. Langfristig soll die gesamte Wärmeversorgung ohne fossile Energieträger auskommen. Das Ziel: energietechnisch autark werden.

Zur Energiereduktion wurde die Rasenheizung auf Luft-Wasser-Wärmepumpen umgestellt.
Zur Energiereduktion wurde die Rasenheizung auf Luft-Wasser-Wärmepumpen umgestellt. © Allianz Arena

Parallel dazu wurde auch die Warmwasserversorgung neu organisiert. Die Umstellung auf dezentrale Warmwasserbereitung brachte wiederum eine Einsparung von mehr als 2000 Kilowattstunden pro Tag allein in den Sommermonaten - ein weiterer Beleg dafür, welch gewaltiges Potenzial in scheinbar kleinen technischen Änderungen steckt.

Flächendeckend LED, weitere Einsparung durch Solar und effizientere Steuerungssysteme

Sichtbarer ist dagegen der flächendeckende Umstieg auf LED-Technologie. Die Stromkosten für die Außenhülle allein sanken um etwa 60 Prozent. Noch subtiler ist das LED-System für die Rasenpflege: Es erlaubt, Licht und Wärme separat zu steuern. Die Pflanzen bekommen dadurch genau das Spektrum, das sie brauchen, ohne unnötige Wärmeentwicklung.

Das Licht an der markanten Außenhülle wurde auf LED umgestellt.
Das Licht an der markanten Außenhülle wurde auf LED umgestellt. © Tom Weller/dpa

Auf den Dächern des Gästeparkhauses und der sogenannten Vorkontrolle Süd liefern Photovoltaikanlagen mit rund 1,3 Megawattpeak bereits einen relevanten Teil des täglichen Grundstrombedarfs der Arena. Den Rest deckt das Stadion vollständig aus zertifiziertem Ökostrom. Auch die Deaktivierung der Lufttrockner in den Fassaden-Folienkissen brachte mehr als 47.000 Kilowattstunden Einsparung pro Jahr. Präzise Steuerungssysteme sorgen zudem dafür, dass nur genutzte Räume beheizt werden. Kühlsysteme nutzen bei niedrigen Außentemperaturen verstärkt die natürliche Frischluftzufuhr.

Gesamtwasserverbrauch, konsequente Mülltrennung und regionale Lieferketten

Ein ebenso wichtiger wie großer Bereich, was Einsparungen und Optimierungen angeht, sind Wasser, Müll und Gastronomie. Der Gesamtwasserverbrauch der Arena lag zuletzt bei 85.472 Kubikmetern pro Jahr, davon 15.635 für die Gastronomie und 5368 für die benötigte Rasenberegnung. Auf einen Spieltag herunter gerechnet ergibt das rund 2800 bis 3400 Kubikmeter - für ein Stadion mit 75.000 Zuschauerplätzen sind das durchaus vertretbare Werte.

Beim Abfall fallen zwischen zehn und fünfzehn Tonnen pro Spiel an. Diese werden allerdings konsequent getrennt, sowohl vor Ort als auch beim Entsorger. Dass in einem Stadion dieser Größenordnung die Mülltrennung funktioniert, ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Es braucht sehr klare Strukturen, gut platzierte Behälter und den Willen der Fans, bei dieser wichtigen Aufgabe auch mitzumachen.

Die Arena-Betreiber sind auf die Mitwirkung aller anwesenden Fans angewiesen.
Die Arena-Betreiber sind auf die Mitwirkung aller anwesenden Fans angewiesen. © Sven Hoppe/dpa

In der energietechnisch ebenfalls nicht zu unterschätzenden Gastronomie setzt die Arena gemeinsam mit dem Partner DO & CO auf regionale Lieferketten. Kurze Transportwege senken dabei den CO₂-Ausstoß und stärken ganz nebenbei auch noch die lokale Wirtschaft. Wenn die Brezen aus dem Münchner Umland stammen, profitieren schließlich beide Seiten.

Deutlich mehr Emissionen durch Konzerte

Neuerdings wird in der Allianz Arena nicht nur Fußball gespielt, sondern es werden auch Open-Air-Konzerte veranstaltet, da das Olympiastadion wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten bis zum Sommer 2028 als Veranstaltungsort erst mal ausfällt. Allein in diesem Sommer treten in der Alllianz Arena folgende Bands auf: Linkin Park (11./12.06.), Foo Fighters (17. Juni), The Weeknd (25.–27. Juni), BTS (11./12. Juli) und Helene Fischer (17. Juli).

Wie sich das auf die Energiebilanz der Arena auswirkt? Nun, Fußball ist ökologisch die nachhaltigere Variante gegenüber Konzerten. Ein Bundesligaspiel ist eine planbare, wiederkehrende Veranstaltung, die die vorhandene Infrastruktur optimal nutzt. Ein Konzert hingegen bedeutet: Auf- und Abbau der gesamten Bühnentechnik, individuell zusammengestellte Lichtinstallationen, zusätzlicher Strom für Soundsysteme – das alles für einen einzigen Abend. Die Emissionsspitze liegt deutlich höher, verstärkt durch den internationalen Transportaufwand von Tournee-Lkws und Technikcrews.

Ein Konzert (wie hier von Guns N' Roses im Juni 2025) hat höhere Emissionen und mehr Energieverbrauch als ein Fußballspiel zur Folge.
Ein Konzert (wie hier von Guns N' Roses im Juni 2025) hat höhere Emissionen und mehr Energieverbrauch als ein Fußballspiel zur Folge. © Gonzales Photo/Lasse Lagoni

Stromnetz für E-Autos ausgelastet, Ladepark für E-LKWS und -Busse

Und wie sieht es vor Ort mit der E-Mobilität aus? Immer mehr Fans kommen mit Elektroautos, doch das Stromnetz des Stadions ist an Spieltagen ausgelastet. Die gleichzeitige Versorgung tausender Fahrzeuge würde die verfügbare Kapazität übersteigen. Öffentliche Ladeinfrastruktur in den Parkhäusern ist derzeit nicht möglich.

Was dagegen bereits realisiert wurde: ein Ladepark für Elektro-Lkws und -Busse am Busparkplatz Süd. Gemeinsam mit MAN wurden vier Schnellladesäulen installiert, betrieben ausschließlich mit Ökostrom. Bei Bedarf kann die Kapazität erweitert werden, sobald die öffentliche Infrastruktur den nötigen Ausbau erfahren hat.

Am Busparkplatz Süd gibt es einen Ladepark für Elektro-Lkws und -Busse.
Am Busparkplatz Süd gibt es einen Ladepark für Elektro-Lkws und -Busse. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON (www.imago-images.de)

Mit EMAS-Zertifikat: Nicht nur PR-Maßnahmen

Dass all diese Maßnahmen nicht bloß PR-Aktivismus sind, belegt die Zertifizierung nach dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS, seit 2006, kurz nach der Eröffnung der Arena. EMAS verpflichtet nicht nur zur Bestandsaufnahme, sondern zur kontinuierlichen Verbesserung. Auch die DFL schreibt ihren Klubs inzwischen Nachhaltigkeitsstandards vor, verankert in Satzung und Lizenzierungsordnung. Die Allianz Arena überführt diese Vorgaben in messbare Praxis und nutzt ihre Strahlkraft als eines der bekanntesten Stadien der Welt, um Millionen von Fans für das Thema zu sensibilisieren.

Natürlich ist die Allianz Arena kein Naturschutzgebiet. Jedes Heimspiel bedeutet massive Verkehrsströme und einen erheblichen ökologischen Fußabdruck. Aber der Unterschied zwischen einem Stadion ohne Maßnahmen und einem, das systematisch an seiner Klimabilanz arbeitet, ist enorm. LED-Technik, Wärmepumpen, Photovoltaik, regionale Lieferketten, Ökostrom, Mülltrennung: Das sind keine Utopien, sondern gelebte Praxis. Die Investitionen rechnen sich ökologisch wie wirtschaftlich, und sie senden ein Signal weit über den Fußball hinaus: Großveranstaltungen und Klimaverantwortung sind keine Gegensätze, sondern eine Frage des Willens.

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  • Der wahre tscharlie vor einer Stunde / Bewertung:

    Wärmepumpen in der Allianz-Arena?
    Ist das nicht das "Teufelszeug" vom Habeck? Ironie aus.

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