Transfer-Gipfel in München: Rechte Hand von FC-Bayern-Boss Max Eberl vor Ort
Seit etwas mehr als einem Monat ist das Wechselfenster in Deutschland geschlossen. Abgesehen von der Verpflichtung vertragsloser Spieler geht nichts mehr. Das bedeutet aber nicht, dass es für Fußball-Manager wie Bayerns Max Eberl ruhiger wird. Nach der Transferperiode ist vor der Transferperiode.
TransferRoom organisiert mehrmals pro Jahr Netzwerktreffen
Hinter den Kulissen sondieren die Bosse, Kaderplaner und Scouts bereits den Markt nach Winterneuzugängen. Mindestens ebenso aktiv sind die Berateragenturen. Es werden Gespräche mit Klubs geführt und nach der bestmöglichen Station für den nächsten Karriereschritt ihrer Klienten gesucht. Ihr gemeinsames Ziel: das perfekte Match aus Verein und Spieler, auch Königstransfer genannt.
Um einen solchen zu realisieren, kamen nun zahlreiche renommierte Agenturen und Vereinsvertreter in einem Konferenzhotel in Unterföhring zusammen. Organisiert wurde der Transfer-Gipfel von TransferRoom, einem Onlinemarktplatz für Fußballer. Rund um den Globus, von São Paulo bis Tokio, finden mehrmals pro Jahr derartige Netzwerkveranstaltungen statt.

Wernscheid agiert als Schattenmann von Eberl
Diesmal mischten sich unter die Teilnehmer auch Verantwortliche aus dem Münchner Raum. Unterhachings Sportdirektor Markus Schwabl war vor Ort, der FC Bayern entsendete gleich mehrere Personen. Unter anderem Max Eberls rechte Hand, Bastian Wernscheid. Der 36-Jährige war zwischen 2021 und 2023 im Teammanagerteam und wurde anschließend zum Assistenten der Geschäftsführung.
In der Öffentlichkeit tritt Wernscheid kaum in Erscheinung. Er fungiert im Hintergrund und führt unter anderem Transfergespräche mit Beratern und Vereinen. In der Branche gilt Wernscheid als fleißiger Netzwerker mit Weitblick. Das Treffen in München ist dafür natürlich optimal. Immer wieder zogen sich er und die anderen Teilnehmer in eine ruhige Ecke des Hotels zurück. Speed-Dating beim Transfer-Tinder.
Bei den großen Vereinen liegt der Fokus oft deutlich stärker auf den Abgängen als auf der Rekrutierung.
Große Vereine nutzen Plattform eher für Abgänge
Wer könnte für welche Position attraktiv werden? Kontaktdaten wurden ausgetauscht und Anschlusstelefonate vereinbart. Und weiter zum nächsten Berater oder Vereinsvertreter. An diesem Tag stand das Netzwerken ganz oben auf der Agenda.
Warum der FC Bayern an der Veranstaltung teilnahm, wollte die AZ von den Organisatoren wissen. "Bei den großen Vereinen liegt der Fokus oft deutlich stärker auf den Abgängen als auf der Rekrutierung", sagt Tom Seeger, der sich bei TransferRoom vor allem um die Mitgliedervereine der DACH-Region kümmert. Immerhin sind bayern-like Spieler oft einfacher zu finden, als Vereine für manchen Abgangskandidaten.
FC Bayern rechnete mit mehr Einnahmen im Transfersommer
Dieses Bild zeichnete sich im vergangenen Transfersommer auch an der Säbener Straße ab. "Wir wollten eigentlich João Palhinha, Sacha Boey, Bryan Zaragoza und Alexander Nübel verkaufen", meinte jüngst Aufsichtsrat Karl-Heinz Rummenigge im AZ-Interview: "Zusammen hatten wir ein Paket erwartet, das zwischen 60 und 70 Millionen Euro bringen sollte. Am Ende hat es 20 Millionen gebracht."

800 Vereine nutzen die Plattform
Dazu kommt: Für Boey hat man keinen passenden Abnehmer gefunden. Ein breites Netzwerk kann da natürlich helfen. Über 800 Vereine aus mehr als 140 Ligen sind bei TransferRoom angemeldet. Allein in England nutzen 17 der 20 Premier-League-Klubs das Angebot. Neben festen Transfers realisieren sie darüber auch Leihgeschäfte.
"Dort ist das Leihmanagement weiterentwickelt als bei uns", so Seeger. In Deutschland komme das erst allmählich. "Für ein junges Talent die Station zu finden, an der es wirklich spielt und sich entwickelt, ist genauso wichtig wie der nächste Königstransfer", sagt er: "Meist haben die Vereine eine sehr genaue Vorstellung, in welchem Markt sich ein Spieler am besten entwickeln kann."
Für ein junges Talent die Station zu finden, an der es wirklich spielt und sich entwickelt, ist genauso wichtig wie der nächste Königstransfer.
Vereine können Leihstation für Talente finden
Gut möglich, dass sich Wernscheid an jenem Tag auch nach Leihstationen für Talente umgehört hat. Zwischen den Gesprächen erhielten die Teilnehmer des Transfer-Gipfels einen Impulsvortrag über die aktuellen Marktentwicklungen. Die Erkenntnisse sollen wiederum helfen, die Transferperioden zu planen.

Nur 7,6 Prozent der Transfers waren mit Ablösesumme verbunden
So stellten die Datenanalysten des Anbieters einen globalen Rekordsommer fest. "Weltweit wurden rund 11,3 Milliarden Euro an Ablösen bezahlt", verkündet Seeger. Allerdings wurde der Markt nicht breiter, sondern teurer. "Nur 7,6 Prozent aller Transfers waren mit einer Ablöse verbunden." In Deutschland, Österreich und der Schweiz wurde vor allem in Linksverteidiger investiert.
Die Bayern verpflichteten auf dieser Position Nathaniel Brown für rund 50 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt. „Die Vereine haben für diese Position fast viermal so viel ausgegeben wie im Vorjahr“, betont der Transfermarkt-Experte. Eine zunehmende Beliebtheit von Linksverteidigern wurde bereits beim vergangenen Netzwerktreffen anhand der Marktentwicklungen prognostiziert.
Nur 7,6 Prozent aller Transfers waren mit einer Ablöse verbunden.
Im Winter könnten Linksverteidiger, Innenverteidiger und Flügelstürmer beliebt sein
Mit Blick auf die Winterperiode zeichnet sich ab, dass neben Linksverteidigern vor allem Innenverteidiger und Flügelstürmer gesucht werden. „Wer auf diesen Positionen einen Spieler abgeben möchte, dürfte also tendenziell auf eine größere Nachfrage treffen“, so Seeger. Und die Nachfrage macht bekanntlich auch den Preis.
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