Szenenapplaus von Baumann: FC-Bayern-Kapitän Neuer ist zurück und bereit für den WM-Auftakt

Beim ersten öffentlichen Training in Winston-Salem trainierte Bayern-Torhüter Manuel Neuer erstmals mit der Mannschaft und hinterließ vor dem WM-Auftakt gegen Curacao einen blendenden Eindruck.
von  Maximilian Koch
Manuel Neuer (Deutschland) in Aktion beim öffentlichen Training auf dem Gelände der Wake Forest University.
Manuel Neuer (Deutschland) in Aktion beim öffentlichen Training auf dem Gelände der Wake Forest University. © Federico Gambarini (dpa)

Manuel Neuer war schon wieder so gut drauf, dass es auch von Oliver Baumann Szenenapplaus gab: Beim öffentlichen Training auf dem Gelände der Lake Forest Universität in Winston-Salem hechtete der 40-Jährige einem Schuss von Torwarttrainer Stefan Wessels hinterher und holte den Ball spektakulär aus dem Eck. Typisch Neuer. Die 3.000 Zuschauer auf der Tribüne waren begeistert, genauso das Torhüterteam, das geschlossen klatschte. Neuer ist zurück – und das zum exakt richtigen Zeitpunkt.

"Er wird jetzt, wenn wir in Winston-Salem ankommen, ins Mannschaftstraining einsteigen, so ist es geplant, und dann gegen Curacao auch spielen", hatte Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem 2:1 im Test gegen die USA über Neuer gesagt und damit richtig gelegen. Der Keeper konnte zum Start der Trainingswoche sein Pensum deutlich steigern, nur bei der Spielform wirkten Neuer und Baumann nicht mit. Stattdessen ließen sich Alexander Nübel und Jonas Urbig die Schüsse um die Ohren knallen.

WM-Auftakt gegen Curacao erstes Spiel von Neuer seit dem 16. Mai

Doch auch so hinterließ Neuer einen sehr guten Eindruck, nach der Einheit spielten sich die Keeper noch lange Flugbälle zu. Ehe die vielen jungen Fans auf die Jagd nach einem Neuer-Autogramm gingen. Damit steht Neuers Einsatz am Sonntag im ersten WM-Spiel in Houston gegen Außenseiter Curacao (19 Uhr/MESZ) wohl nichts im Wege.

Es wäre das erste Pflichtspiel seit dem 16. Mai, als Neuer im Bundesliga-Spiel gegen den 1. FC Köln in der 60. Minute ausgewechselt wurde. Von muskulären Problemen in der linken Wade war anschließend die Rede, Nagelsmann sprach kürzlich von einer Verhärtung. Die muss dann aber ganz schön hartnäckig gewesen sein.

"Ihm geht es gut, er ist auf dem Weg zur besten Fitness"

Ein Restrisiko bleibt in dieser Woche, wenn Neuer nach und nach im Training seinen Rhythmus finden will. Die Belastung wird weiter gesteigert. "Ihm geht es gut, er ist auf dem Weg zur besten Fitness", gab sich Nagelsmann entspannt: "Er muss sich in seinem Alter nicht eingewöhnen. Er kommt mit einer Drucksituation klar."

Das hat Neuer oft genug bewiesen. Der Torhüter, der beim FC Bayern bis 2027 verlängert hat, geht in seine fünfte WM. Mehr Erfahrung ist kaum möglich. "Jeder weiß, welche Aura Manuel hat und welche Qualitäten er der Mannschaft gibt", begründete Nagelsmann die späte Nominierung des Keepers, die Baumann den Status als Nummer eins zunichtemachte. Darüber wurde emotional diskutiert. Baumann zeigte sich als großartiger Sportsmann.

Zwischen großartigen Paraden und krassen Patzern: Neuer bewegt sich zwischen den Extremen

Nagelsmann setzte seinen Plan trotz kritischer Stimmen um. "Du brauchst bei so einem großen Turnier ein paar positive Verrückte, aber auch ein paar Ruhigere", sagte der DFB-Coach über Neuer, der 2014 beim WM-Titel in Brasilien der überragende Spieler war: "Und er ist schon einer, der nach wie vor durch seinen kindlichen Spieltrieb und seine unglaubliche Qualität für besondere Momente sorgen kann." Wie in der Champions League mit großartigen Paraden gegen Real Madrid und Paris Saint-Germain. Gleichzeitig unterliefen ihm aber auch krasse Patzer und er war immer wieder verletzt.

Zwischen diesen Extremen bewegt sich Neuer im hohen Torhüteralter. Auch bei der WM? Die Partie gegen Curacao wird für ihn die erste im DFB-Dress seit dem Viertelfinale der Heim-EM 2024 gegen Spanien (1:2 n.V.) sein. Neuer will von nun an wieder für positive Erinnerungen sorgen. "Er ist ein Weltklasse-Torwart, der in seiner Karriere bereits alles erlebt und genug Erfahrung hat", sagte Sportdirektor Rudi Völler der "Bild". Neuer werde "ein Super-Turnier spielen, davon bin ich überzeugt." Was zu beweisen wäre.

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