Stimmung in der Arena: Schon wieder tote Hose?

Die Partie gegen Gladbach ist zwar ausverkauft. Und trotzdem droht schon am ersten Spieltag der Saison Stunk. Gibt es einen Stimmungsboykott der Fans? Worum es geht, welche Standpunkte es gibt.
| Patrick Strasser
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Graue – weil leere – Bereiche in der Südkurve? Das könnte kommende Saison zur Regelmäßigkeit werden. Oben: So sieht die Südkurve aus, wenn sie voll ist.
sampics / Augenklick Graue – weil leere – Bereiche in der Südkurve? Das könnte kommende Saison zur Regelmäßigkeit werden. Oben: So sieht die Südkurve aus, wenn sie voll ist.

München - Ausverkauft, natürlich. 71137 Zuschauer werden beim Spiel des FC Bayern sie nennt. Gemeint sind: Fans, die immer Stimmung machen und diejenigen, die sich mitreissen lassen.

Von Seiten des Vereins erwartet man einen Stimmungsboykott durch die Ultras, ein Protest-Schweigen. Doch der harte Kern, der „Club Nr. 12“ (Vereinigung der aktiven Bayern-Fans) und die Ultra-Gruppierung „Schickeria“ sagt: Wer durch diverse Restriktionen keine Tickets mehr bekommt und keine homogene Gruppe bilden kann, kann keine Stimmung machen, nicht anfeuern. Einen Aufruf zum Boykott gibt es nicht.

In den letzten drei Bundesligaspielen der Triple-Saison schwieg der harte Kern der Südkurve aus Protest und mangels Karten, der Rest des Stadions beschimpfte die Schweigenden („Scheiß Schickeria!“) dafür. Eskaliert die Situation am Freitag.

Lesen Sie hier: Badstuber:

Die Bayern-Verantwortlichen setzen auf einen gewissen Reinigungsprozess, darauf, dass der harte Kern der Fans in die Isolation abrutscht. Doch ausschließen, gar rauswerfen, will man die beinahe einzigen Stimmungsmacher auch nicht. Die AZ beleuchtet die Konflikte und erklärt die Sichtweise beider Seiten.

DIE KARTENVERTEILUNG: Für die Stehplatzblöcke 112 und 113 direkt hinter dem Tor der Südkurve wurden in der Bundesliga 1785 Karten (Champions League wegen Bestuhlung 1385) verkauft, jetzt sind es sogar 300 mehr. Ein Entgegenkommen des Vereins? Nein, sagen die Fans, da der Verkauf via Internetbestellung läuft und jedes Mitglied – mittlerweile 217241 – die Chance darauf hat. Die homogene Gruppe des harten Fankerns wird somit aufgeweicht. Gregor Weinreich, der Vorsitzende des „Club Nr. 12“: „Es soll vielleicht ein stinknormaler Fanblock werden.“

DIE DREHKREUZE: Als Antwort auf teils (zu) gefährliche Überfüllung dieser Blöcke durch Fans, die sich trotz Tickets für andere Bereiche dort reinschmuggelten, wurden in der Sommerpause vor den Blockeingängen Drehkreuze installiert. Die Rudelbildung der Stimmungsfans fällt flach. Der Verein argumentiert mit Behördenauflagen und dem Sicherheitsaspekt.

DIE PYROTECHNIK: Laut der Bayern-Bosse ist man Tabellenführer an bezahlten Strafen (200000 Euro) der letzten Champions-League-Saison und sei von der Uefa verwarnt worden. Eine mögliche Platzsperre, wie angedeutet, ist jedoch in weiter Ferne. Wegen der „Feuer-Shows“ in den Finals von London und Berlin wurde vom Verein das Kontingent der personalisierten Auswärtsdauerkarten (rund 400) für den DFB-Pokal und die Champions League gestrichen. Weinreich: „Ein Nackenschlag für die treuesten Fans.“

DIE CHOREOGRAPHIEN: Am Freitag werden von der ARD Fähnchen an alle verteilt, die Hardcore-Fans verabscheuen Klatschpappen und vom Verein organisierte Choreographien. Auf eigene Choreo-Organisation, oft von Behörden und Verein erschwert, verliert man die Lust. Weinreich: „So würde ein Stück Fankultur verloren gehen.“ Der Südkurven-Rat stellte gestern einen Brief mit dem Titel „Saisonstart mit gemischten Gefühlen“ online. Das Schreiben endet mit: „Sollte nicht bald eine Trendwende einsetzen, ist zu befürchten, dass die Geschichte der Südkurve als 12. Mann unseres Teams 41 Jahre nach ihrer Entstehung im Olympiastadion dem Ende zusteuert.“

 

 

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