Shechter: "Schau Lothar, hier bin ich"

Kaiserslauterns israelischer Stürmer Itay Shechter stritt sich einst bei Maccabi Netanya mit Trainer Matthäus. Am Samstag will er die Bayern ärgern.
| Oliver Trust
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Kaiserslauterns israelischer Stürmer Itay Shechter stritt sich einst bei Maccabi Netanya mit Trainer Matthäus. Am Samstag will er die Bayern ärgern.

Kaiserslautern - Zu Lothar Matthäus hat Itay Menachem Shechter keinen Kontakt mehr, obwohl der ihn bei Maccabi Netanya trainierte. Das mag daran liegen, dass in israelischen Zeitungen von einem kleinen Zwist berichtet wird. So soll Matthäus gesagt haben, Shechter werde es in der Bundesliga nicht schaffen. Worauf Shechter gekontert haben soll, nachdem er in Kaiserslautern einen Vertrag unterschrieben hatte: „Schau Lothar, hier bin ich.“ Itay Shechter lächelt als er vom Trainingsplatz kommt und der ehemalige Trainer wieder zum Thema wird, auch, weil er am Samstag (15.30 Uhr, Sky live) auf Matthäus’ Ex-Klub FC Bayern trifft.

Wenn es um den FC Bayern geht, gibt sich der 24-Jährige respektvoll und sagt, was jeder FCK-Fan erwartet: „Ich träume von einem Tor gegen Bayern – in der 70. Minute nach einem Pass von Gil Vermouth.“ Wobei das Tor leichter zu realisieren sein wird als der Pass seines Landsmannes, der fehlt nach einer Verletzung gegen die Bayern.

Shechter aber stört das wenig. Es war ja ein Traum, würde der kontaktfreudige Israeli sagen. Und er würde dazu lachen. In Kaiserslautern hat sich schnell herum gesprochen wie offen der neue Stürmer auf alle zugeht. „Wir dachten, wir müssen uns um ihn kümmern“, sagt Pressesprecher Christian Gruber. Obwohl Vermouth wegen einer Verletzung im Trainingslager fehlte, musste sich keiner kümmern. Shechter, dessen Englisch nicht weit reicht, und dessen Deutsch praktisch kaum vorhanden ist, kauderwelschte sich munter durch den Tag.

Und Matthäus und die Bayern? „Der FC Bayern ist einer der größten Clubs Europas, aber das Spiel im letzten Jahr mit dem tollen Tor von Ivo (Ilicevic, d. Red.), das habe ich schon gesehen – und es zeigt, was man in einem Spiel alles erreichen kann“, sagt er. Und zu Matthäus? Den ominösen Satz will er „nie gesagt“ haben, doch auf der Internetseite des israelischen Verbandes wird Shechter wie folgt zitiert: „Als Spieler hat er alles gewonnen, aber als Trainer kam ich einfach nicht mit ihm zurecht.“ Matthäus erwidert darauf: „Er ist ein Clown mit der Aufmerksamkeitsspanne eines Kindes. Trotzdem hat er das Potenzial, eines Tages in der Bundesliga zu spielen.“ Wer auch immer was gesagt hat, spaßig ist es da nicht zugegangen.
In der Pfalz spielt das keine Rolle mehr. Die Bundesliga ist für Shechter eine Bühne, auf der er sich beweisen kann. Dieses Ziel verfolgt er mit aller Leidenschaft. Noch bevor der Vertrag beim FCK unterschrieben war, hatte er ein Haus, ein deutsches Handy und ein deutsches Konto. Jetzt hat er zur jüdischen Gemeinde in Kaiserslautern Kontakt aufgenommen, besucht die Synagoge.

Mittlerweile weiß er auch, wo er koscheres Fleisch kaufen kann. Zuvor gab es bei Auswärtsspielen Fisch und Gemüse und viele Fragen zu politischen Themen. Inzwischen machen sich die beiden Israelis den Spaß, alle italienischen Restaurants im Kreis Kaiserslautern abzuklappern. Und Mutter Shechter hat den Filius mit den notwendigen Küchengeräten, Gewürzen und Speisen versorgt, die der braucht, um mit seiner Familie in einem Vorort von Kaiserslautern koscher zu kochen.
Zu politischen Themen will er sich eher nicht äußern. Shechter fühlt sich einer Generation zugehörig, die sowohl um die furchtbaren Ereignisse der Geschichte, als auch den existierenden Antisemitismus weiß, aber offen mit anderen Religionen umgeht. Sein Gefühl für Deutschland sei durch alles bestimmt, aber nicht durch den Eindruck Antisemitismus ausgesetzt zu sein.

„Itay will immer dort sein, wo die Musik spielt“, sagt sein Trainer, der ehemalige Löwen-Coach Marco Kurz. Trotzdem musste sich Shechter umgewöhnen. Daran, keine Minute zu spät zu kommen und nichts in der Kabine liegen zu lassen – und an deutschen Fußball, der ihn mehr Kraft kostet als früher in Israel. „Dort haben wir eine Stunde bis 70 Minuten trainiert. So lange dauert bei Kurz das Aufwärmprogramm“, sagt er. Und mit einem Tor in drei Spielen hat Itay Shechter vielleicht auch Skeptiker Matthäus schon fast überzeugt.

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