Interview

Schweinsteiger-Kollegin Esther Sedlaczek mit deutlicher Abgrenzung: "Mache mir darüber keine Gedanken"

Esther Sedlaczek spricht in der AZ über ihre Arbeit mit Schweinsteiger – und den Umgang im TV mit einem angefressenen Bundestrainer.
von  Krischan Kaufmann
"Wir lachen übereinander, und über uns selbst!", sagt Esther Sedlaczek über ihre Arbeit mit Bastian Schweinsteiger.
"Wir lachen übereinander, und über uns selbst!", sagt Esther Sedlaczek über ihre Arbeit mit Bastian Schweinsteiger. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

AZ: Frau Sedlaczek, Fußball ist heute längst auch Showgeschäft. Und jede gute Show lebt von ihren Gesichtern. Deutschland hatte legendäre Moderatoren-Duos: Delling/Netzer, Welke/Kahn, Opdenhövel/Scholl. Wo ordnen Sie sich mit Bastian Schweinsteiger ein?
ESTHER SEDLACZEK: Gar nicht. Ich mache mir darüber keine Gedanken. Vergleiche hinken sowieso immer.

Was ist die besondere Chemie zwischen Ihnen beiden?
Wir geben uns gegenseitig Raum und reagieren spontan. Wenn sich eine Situation ergibt, dann greifen wir sie auf – auch mit Humor. Aber nichts davon ist geplant oder inszeniert.

Dieses gegenseitige Foppen ist im deutschen Fernsehen eher ungewohnt.
Vielleicht. Aber es entsteht einfach organisch. Wir lachen übereinander und über uns selbst. Und: Wir nehmen uns danach nichts krumm. Es gab noch nie eine Situation, in der einer zum anderen gesagt hätte: "Was sollte das denn jetzt?"

"Unbezahlbar":  Sedlaczek und Schweinsteiger moderieren zusammen bei der WM 2026

Sie moderieren inzwischen das dritte Großereignis zusammen.
Ja, man freut sich auf die Vorbereitung, auf die Spiele, auf das ganze Team, mit dem man unterwegs ist. Wenn das passt, ist das unbezahlbar.

Sie waren zuletzt für eine WM-Doku in den USA und in Mexiko unterwegs – allerdings mit Thomas Hitzlsperger. Warum ohne Bastian Schweinsteiger?
Eine Dokumentation hat nichts mit den Live-Übertragungen zu tun. Und Thomas ist eines unserer Gesichter. Das hat sich sehr gut ergeben.

Sie waren auch nicht durchgehend gemeinsam unterwegs?
Genau. Ich habe einen kleinen Sohn – da sind zeitliche Grenzen ganz real. Ich war in den USA und in Mexiko, Thomas war beispielsweise in Curaçao und Kanada unterwegs.

Ich habe einen kleinen Sohn – da sind zeitliche Grenzen ganz real. Ich war in den USA und in Mexiko, Thomas war beispielsweise in Curaçao und Kanada unterwegs.

Esther Sedlaczek

"In den USA ist die WM im Moment noch nicht wirklich präsent"

Wie haben Sie die WM-Stimmung vor Ort erlebt?
Ganz ehrlich? Noch keine große. In den USA ist die WM im Moment noch nicht wirklich präsent. Selbst im Taxi muss man oft erklären, was demnächst überhaupt ansteht.

Kann sich das noch ändern?
Natürlich. Die Amerikaner sind Meister darin, Euphorie zu erzeugen – gerade im Showgeschäft. Merchandising, Events, Inszenierung: Das wird alles kommen. Aber aktuell ist es noch erstaunlich ruhig.

Im Titel Ihrer Doku kommt das Wort "WM-Wahnsinn" sehr prominent vor. Was wird für Sie die größte Herausforderung bei dieser XXL-WM mit 48 Mannschaften in drei Ländern?
Ganz klar: die Distanzen. Vier, fünf Stunden Flug zwischen Spielorten, mehrere Zeitzonen, alle zwei Tage ein anderes Hotel. Das ist eine völlig andere Belastung als eine EM in Europa oder eine kompakte WM wie zuletzt.

"Ich werde die USA in kürzester Zeit unglaublich intensiv kennenlernen"

Gleichzeitig eine besondere Erfahrung?
Absolut. Ich werde die USA in kürzester Zeit unglaublich intensiv kennenlernen. Das hatte ich in Katar so nicht. Und bei der Heim-EM war vieles vertraut. Diesmal ist alles neu - das reizt mich sehr.

Im Fall von den USA mit Präsident Donald Trump lässt es sich kaum vermeiden – wie politisch wollen oder auch dürfen Sie selbst werden in Ihren Moderationen?
Nein, das sollte man auch nicht. Wir erleben gerade Konflikte, die so nah sind wie lange nicht mehr. Es gibt einen Krieg in Europa. Das darf man nicht ignorieren.

Im besten Fall sollte der Fußball eigentlich verbinden...
Genau darin liegt der Spagat. Fußball muss ein Raum bleiben, der Menschen zusammenbringt, der eine Auszeit ermöglicht. Gleichzeitig muss man Haltung zeigen. Beides auszuhalten, ist die Herausforderung.

Sedlaczek über das Interview mit Nagelsmann im Herbst 2025

Wo ziehen Sie persönlich die Grenze?
Man kann nicht auf alles eingehen. Aber es gibt rote Linien. Wenn sie überschritten werden, dann muss man darüber sprechen.

Eine "Herausforderung" könnte naturgemäß auch der Bundestrainer sein. Sie hatten im letzten Herbst die "zweifelhafte Ehre", direkt nach dem 0:2 in der WM-Quali gegen die Slowakei einen sichtbar angefressenen Julian Nagelsmann zu interviewen. Wie bereitet man sich auf so eine angespannte Situation vor?
Inhaltlich bereitet man sich immer vor – klar. Aber entscheidend ist etwas anderes: die Situation zu lesen. Wie kommt jemand auf mich zu? Wie ist die Haltung?

Julian Nagelsmann im Interview bei Esther Sedlaczek.
Julian Nagelsmann im Interview bei Esther Sedlaczek. © IMAGO/Gladys Chai von der Laage

Sedlaczek: "Gleichzeitig verstehe ich, wenn jemand seine Mannschaft schützen will"

Macht Sie das nervös?
Ja, manchmal schon. Aber nicht aus Angst, sondern aus Respekt vor der Situation. Und dann vertraue ich mir selbst – meiner Erfahrung und meiner Empathie. Wenn ich merke, jemand geht komplett in die Deckung, kann es wichtig sein, ihn ein Stück herauszuholen. Gleichzeitig verstehe ich, wenn jemand seine Mannschaft schützen will.

Und wenn eine Leistung offensichtlich nicht gut war?
Dann will ich das auch hören. Wenn jeder gesehen hat, dass es nichts war, dann sollte man das nicht schönreden.

Wie gehen Sie dann mit schroffen Reaktionen auf Ihre Fragen um?
Das Allerwichtigste ist, nichts persönlich zu nehmen. Eine innere Distanz zu bewahren. Dann steht man da drüber.

Und wenn Sie spüren, dass da doch nochmal ein Nachhaken nötig ist?
Dann mache ich das. Ganz ruhig. Das gehört zum Job.

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