Es fing schon beim FC Bayern an: Die lange Liste an Nagelsmanns verbalen Fehltritten

Julian Nagelsmann galt einst als außergewöhnlich guter Kommunikator, mittlerweile sorgt der Bundestrainer mit seinen Aussagen aber regelmäßig für Kopfschütteln. Die AZ wirft einen Blick zurück auf seine krassesten Fehltritte.
Bernhard Lackner |
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Gerät immer mehr in den Fokus der Kritiker: Bundestrainer Julian Nagelsmann
Gerät immer mehr in den Fokus der Kritiker: Bundestrainer Julian Nagelsmann © IMAGO/pepphoto / Horst Mauelshagen

Ein Jahr lang wurde diskutiert, dementiert und abgewiegelt – und am Ende steht Manuel Neuer bei der Weltmeisterschaft im Sommer dann doch im Tor. Die offizielle Bestätigung des seit Tagen offenen Geheimnisses wird am Donnerstag im Rahmen der Kaderbekanntgabe erfolgen. Bis dahin wird sich Bundestrainer Julian Nagelsmann gut überlegen müssen, wie er die womöglich größte Rolle rückwärts in der DFB-Geschichte der Öffentlichkeit verkaufen will.

In den vergangenen Monaten hatte der 38-Jährige ein mögliches Neuer-Comeback stets vom Tisch gewischt und gebetsmühlenartig betont, dass man mit Hoffenheims Oliver Baumann zwischen den Pfosten doch gut aufgestellt sei. Mit seinem Sinneswandel geht Nagelsmann großes Risiko ein, schon jetzt werden aus Expertenkreisen Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit als Bundestrainer laut.

Dabei galt der eloquente, meinungsstarke und erfrischend ehrliche Nagelsmann zu Beginn seiner Trainerkarriere noch als außergewöhnlich guter Kommunikator. In den vergangenen Jahren leistete er sich aber immer wieder verbale Fehltritte und musste sich nicht selten für Aussagen entschuldigen. Die AZ wirft einen Blick zurück:

Als Nagelsmann die Freiwillige Feuerwehr brüskierte

Vor etwas mehr als vier Jahren hat sich der damalige Bayern-Coach Nagelsmann zum ersten Mal verbal so richtig verdribbelt – und dabei tatsächlich das Kunststück hinbekommen, die Freiwillige Feuerwehr gegen sich aufzubringen. Hintergrund: Im April 2022 wurde Nagelsmann nach einer rechnerisch bereits feststehenden Meisterschaft auf einer Pressekonferenz gefragt, ob sich seine Mannschaft in den verbleibenden Ligaspielen noch zu Top-Leistungen motivieren könne.

Seine Antwort? Nunja, alles andere als elegant: "Wir sind ja nicht ehrenamtlich unterwegs. Wir können uns nicht entscheiden. Wir haben Bock zu haben! Wir sind nicht bei der Freiwilligen Feuerwehr Südgiesing, sondern beim FC Bayern München. Und da geht's drum, dass man in jedem Spiel versucht, eine ordentliche Leistung abzuliefern." Auweia!

Die Replik der Ehrenamtler ließ nicht lange auf sich warten und fiel deutlich aus. "Wir sind bestürzt über die Äußerung, weil sie das Engagement unser Retter diskreditiert", sagte Johann Eitzenberger, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes Bayern: "Wir laden Herrn Nagelsmann gerne ein, sich mal eine Wache der Freiwilligen Feuerwehr in Bayern anzuschauen, um mögliche Missverständnisse auszuräumen."

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Der damalige Bayern-Coach nahm die Einladung pflichtschuldig an und stattete der Feuerwache 4 in München einen Besuch ab. Seine Aussage sei "unglücklich formuliert" gewesen, schrieb der Fußballlehrer auf Instagram: "Ich wollte nie die Freiwillige Feuerwehr oder irgendeinen ehrenamtlichen Helfer diskreditieren."

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Achja: Die Freiwillige Feuerwehr Südgiesing gibt es übrigens überhaupt nicht, nicht einmal der Stadtteil existiert. Aber das ist eine andere Geschichte...

"Das ist nicht mein Stil": Nagelsmann bringt PSG-Trainer und Barca-Präsident gegen sich auf

Dass Nagelsmann nicht nur eine klare Meinung hat, von der er sehr viel hält, sondern dass er diese auch gerne öffentlich kundtut, mussten auch schon Branchenkollegen erfahren. Nur ein Vierteljahr nach seinem Feuerwehr-Fauxpas äußerte sich der 38-Jährige zur Einkaufspolitik beim FC Barcelona, der im Sommer 2022 trotz massiver finanzieller Probleme unter anderem Robert Lewandowski vom FC Bayern oder Raphinha von Leeds United für viel Geld nach Katalonien holte.

"Es ist nicht nur Lewy, sie kaufen viele Spieler – ich weiß nicht, wie. Es ist der einzige Klub in der Welt, der kein Geld hat, aber jeden Spieler kauft, den er will. Es ist irgendwie komisch, irgendwie verrückt", sagte Nagelsmann und zog so den Zorn von Barca-Präsident Joan Laporta auf sich. "Es ist Ahnungslosigkeit, ein Mangel an Informationen zu unserem Klub", sagte der Boss der Katalanen, ohne Nagelsmann namentlich zu nennen: "Jeder soll sich um die eigenen Dinge kümmern."

Ein stolzer Katalane: Barca-Präsident Joan Laporta
Ein stolzer Katalane: Barca-Präsident Joan Laporta © IMAGO/S. Ros

Im Februar 2023 folgte das nächste Scharmützel mit einem Kollegen aus der Branche, dieses Mal mit dem damaligen PSG-Trainer Christophe Galtier. Auslöser war seinerzeit eine Verletzung von Kylian Mbappé, dessen Einsatz im Champions-League-Achtelfinale gegen die Bayern laut Klubangaben auf der Kippe stand. Nagelsmann vermutete dahinter aber einen Bluff und bezichtigte PSG indirekt der Lüge. "Sie können pokern und die strukturelle Verletzung nicht angeben, sie können aber auch pokern und sagen er fällt aus, er fällt aber nicht aus", meinte der damalige Bayern-Coach.

Der ehemalige PSG-Trainer Christophe Galtier.
Der ehemalige PSG-Trainer Christophe Galtier. © IMAGO/JB Autissier

PSG-Trainer Galtier hatte für die Aussagen seines Kollegen kein Verständnis. "Das ist nicht der Stil des Vereins und das ist auch nicht mein Stil", so der Chefcoach der Pariser. Beim betreffenden Hinspiel saß Mbappé zunächst auf der Bank und wurde nach gut einer Stunde eingewechselt. Topfit dürfte der französische Stürmer-Star also nicht gewesen sein.

Das kommunikative Desaster bei Undav

Für kollektives Kopfschütteln in der Republik sorgte Nagelsmann mit seinen Aussagen zu Deniz Undav bei der bis dato letzten Länderspielperiode Ende März. Der Stürmer des VfB Stuttgart hatte gegen Ghana mit seinem späten Siegtreffer zum 2:1 in der 88. Minute dafür gesorgt, dass die DFB-Elf wenige Tage nach einem wilden 4:3-Erfolg in der Schweiz doch noch irgendwie mit zwei Siegen ins WM-Jahr startete.

Deniz Undav erzielte im letzten März-Länderspiel gegen Ghana den späten Siegtreffer zum 2:1, musste sich danach aber Kritik von Bundestrainer Nagelsmann anhören.
Deniz Undav erzielte im letzten März-Länderspiel gegen Ghana den späten Siegtreffer zum 2:1, musste sich danach aber Kritik von Bundestrainer Nagelsmann anhören. © IMAGO/Maximilian Koch

Anstatt seinen goldenen Torschützen zu loben, stellte Nagelsmann ihn nach der Partie aber in aller Öffentlichkeit bloß und ließ zudem noch Zweifel an dessen Fitness durchblicken. Er habe insgesamt kein gutes Spiel gemacht und hätte das Tor auch nicht erzielt, wenn er in der Startelf gestanden hätte, meinte der Bundestrainer. Bei der WM im Sommer würden zudem bis zu 40 Grad herrschen und in der Bundesliga erziele Undav seine Tore in der Regel relativ früh – was sich faktisch übrigens nicht untermauern lässt –, sagte Nagelsmann weiter.

Naheliegendster Grund für die doch sehr ungewöhnlichen Äußerungen ist die Tatsache, dass der Bundestrainer im Sturm klar auf Kai Havertz als Nummer eins und Nick Woltemade als ersten Backup baut. Schon im Vorfeld der Länderspiele hatte der 38-Jährige auf mediale Nachfragen zu Undav gereizt reagiert, nach den Partien machte er aus seiner Stimmungslage endgültig keinen Hehl mehr. "Wir hatten jetzt sieben Tage Dauerthema Deniz Undav", zischte Nagelsmann, der sich laut eigener Aussage in der Folge – nicht zuletzt auf Anraten seiner Lebensgefährtin – beim Spieler für seine schroffen Worte entschuldigte.

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