Post von Django aus Doha

Der AZ-Kolumnist ist mit den Bayern ins Trainingslager gereist. Hier schreibt der Kabarettist über Sammers Stoppuhr, das Leben der Stars vor Ort – und über Kamele und Ibrahimovic.
| Django Asül
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Ganz nah dran am FC Bayern im Trainingslager in Doha, Katar: AZ-Kolumnist und Kabarettist Django Asül.
privat Ganz nah dran am FC Bayern im Trainingslager in Doha, Katar: AZ-Kolumnist und Kabarettist Django Asül.

AZ-Kolumnist Django Asül ist mit den Bayern ins Trainingslager gereist. Hier schreibt der Kabarettist über Sammers Stoppuhr, das Leben der Stars vor Ort – und über Kamele und Ibrahimovic.

Doha - Es geht auch ohne Masterplan. Sagt Jupp Heynckes. Und der muss es schließlich wissen. Schließlich führt der FC Bayern aufgrund dieser Masterplanlosigkeit die Bundesliga mit großem Vorsprung an. Viele andere Vereine hingegen haben es weitaus schwerer. Die sind so weit weg vom Master, dass sie nicht mal einen Plan haben.

Jetzt hat aber die Geschichte ohnehin gezeigt, dass Planwirtschaft die Menschheit nicht weiterbringt. Es sei denn, man heißt Lafontaine oder Wagenknecht. Aber die spielen ja auch schon länger gegen den Abstieg.

Beim FC Bayern läuft also so manches anders als in der letzten Rückrunde. Der Negativtrend damals setzte nach dem besten Trainingslager aller Zeiten ein. Das macht natürlich neugierig. Man will intuitiv wissen: Wenn eine Rückrunde nach dem besten Trainingslager so schräg läuft, sollte man dann das nächste Trainingslager nicht eher irgendwo zwischen Omsk und Wladiwostok aufschlagen?

Der FC Bayern aber macht es anders und geht exakt wieder ins selbe beste Trainingslager aller Zeiten. Wobei die Rahmenbedingungen in Katar in der Tat mehr als optimal sind. Viel Sonne, gute Stimmung, milde Temperaturen. Also so wie im jüngst vergangenen Dezember in Deutschland.

Doch schnell merkt der Beobachter, dass sich doch einiges geändert hat zum letzten Aufenthalt in Doha: Die Trainingsshirts sind in aggressivem Orange, Herrmann Gerland stellt die Hütchen wesentlich schneller auf als sonst. Und Matthias Sammer als Neuling steht mit einer Stoppuhr in der Hand. Ob er die Zwischenzeiten von Gerland stoppt oder einfach nur das Training pünktlich beenden will, lässt sich auf die Distanz nicht erschließen.

Eine straffe Lockerheit ist hier also die Basis des Erfolgs. Wobei die Fokussierung auf das Wesentliche hier nicht schwer fällt. Die Sportanlage ist so groß, dass es mit einem Tagesmarsch zu rechnen ist, bis man alle Trainingsplätze gesehen hat. Und außerhalb der Anlage sind nur schmucke Baustellen.

Das alles deutet auf eine gewisse Symbolik hin. Hier will einer den Bayern-Stars klarmachen: Es ist noch ein weiter Weg. Und es gibt noch etliche Baustellen. Das Hotel selber sieht von außen allerdings nicht so sehr wie eine Festung aus 1000 und einer Nacht aus. Eher wie ein edles, überdimensioniertes Klubhaus eines britischen Elite-Golfklubs.

Man rechnet vor dem Betreten der Innereien des Hauses eher mit Herrn Ferguson als Hoteldirektor, Herrn Rooney als Liftboy und der Frau von Prinz Charles als Zimmerservice. Doch erst mal drinnen angelangt, offenbaren sich einem sofort die Vorzüge des Orients: Perfekter Service, lächelnde und emsig herumwuselnde Fachkräfte aus Fernost, zu kalt eingestellte Klimaanlage.

Der Empfang ist sehr warm. Und dennoch muss man sich warm anziehen. Es sei denn, man begibt sich ins Freie. Und genau da hält sich der Bayern-Tross die meiste Zeit auf. Beim Training sind alle voll bei der Sache. Denn das Vorjahr hat gezeigt: Acht Punkte Vorsprung gegenüber Dortmund sind schnell weg. Und sechzehn Punkte im Extremfall nach klassischem Dreisatz doppelt so schnell.

Die PSG-Truppe von Zlatan Ibrahimovic ist übrigens ebenfalls im selben Haus untergebracht. Das ist quasi das Werksteam von Katar. Der Emir von Katar ist ein pragmatischer Typ. Was zu kaufen ist, kauft er. Was nicht zu kaufen ist, wird eben eingeladen. Dass Paris St.-Germain also die Nähe zu Bayern sucht, darf durchaus als Kompliment gewertet werden. Denn die Pariser wollen unbedingt bald die Champions League gewinnen. Also schauen sie beim Training den Bayern zu, weil sie es den Münchnern in dieser Saison am ehesten zutrauen. Weil Chelsea schon raus ist.

Zu bemitleiden sind die mitgereisten Medienleute. Was will man aus so einer Oase der Harmonie groß tagtäglich berichten? Das, was an Berichterstattung in der Heimat ankommt, dürfte nur den Frust bei den anderen Ligakonkurrenten in ungeahnte Höhen treiben: Der FC Bayern bestens gelaunt, das Wetter ein Traum, und fürs Auge gibt es Ibrahimovic und Kamele.

Während der benachbarte FC Augsburg im Belek'schen Schmuddelwetter sich vorbereiten darf. Quasi als Strafe für zehn Punkte Rückstand auf Platz 15.

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