Plötzlich "Harry-Kane-esk": Upamecano erinnert an stürmende Abwehr-Legende des FC Bayern
Der Mann hat 218 Pflichtspiel-Einsätze für den FC Bayern in seiner Vita, dabei zwölf Tore erzielt. Nur zwölf, nicht mehr? Denkt man Lúcio, den wuchtigen, dynamischen Innenverteidiger des FC Bayern, der von 2004 bis 2009 in München unter Vertrag war, kommen einem seine Sturmläufe aus der eigenen Hälfte in den Sinn. Mit der Power eines Franz "Bulle" Roth, mit der Statur eines kernigen Hochspringers.
Bisweilen jedoch machte sich der Brasilianer derart ungestüm auf den Weg Richtung Tor, dass Mitspieler, Trainer und die Bosse auf der Tribüne innerlich schon abwinkten, wenn Lúcio seinen Motor anschmiss und durchstartete. So verlässlich sein Körpereinsatz in der Defensive war, solch ein Unruheherd war der heute 48-Jährige im Spiel nach vorne. Und doch vergleicht man jeden stürmenden FCB-Verteidiger sofort mit Lúcio.
Dank findet Upamecano-Aktion "Harry-Kane-esk"
In Freiburg traf dies auf Dayot Upamecano zu, der bei seinem Sprint von Strafraum zu Strafraum (endlich mal ein wahrer Box-to-Box-Spieler) einen auf Lúcio machte. Vor dem SC-Torwart Mio Backhaus angekommen, machte "Upa", wie er von allen gerufen wird, dann einen auf Torjäger.
"Der Abschluss war sehr gut. Er hat den Keeper ausgeguckt, hat in eine Richtung geschaut und in die andere geschossen", fand Aushilfstrainer Aaron Danks lobende Worte für den Franzosen und erklärte, die Aktion sei "Harry-Kane-esk" gewesen. Also Weltklasse.
Upamecano hatte den Ball am eigenen Strafraum nach einem Schuss der Freiburger geblockt, dann erobert, weiterverarbeitet und war geistesgegenwärtig nach vorne durchgesprintet, als müsse er kurz vor Schließung eines Gates noch den Flieger erwischen. Die sich auftuende Lücke nach dem perfekt getimten Pass von Michael Olise hatte ihm das Trainerteam aufgezeigt.
Bayerns Trainerteam zeigt Upamecano spezielle Szene
Ab durch die Mitte – wie schon am Mittwoch beim 2:2 in der Champions League gegen den FC Arsenal als Upamecano letztlich per Kopfball scheiterte. Auch beim 6:1 gegen RB Leipzig hatte er seinen Sturm-und Drang-Moment, nun belohnte er sich für seine Offensivausflüge erstmals mit einem Tor, dem 1:0.
Danks lobte sein Trainerteam und sich: "Wir haben ihm im Video eine Chance gezeigt, die er gegen Arsenal hatte, wo er einen ähnlichen Lauf gemacht hat. Wir haben gerade zusammen darüber gescherzt." Der 27-Jährige lieferte beim 3:1 in Freiburg einen leidenschaftlichen Abwehrkampf, räumte Ball und Gegner beiseite, eröffnete das Aufbauspiel – und traf selbst.

"Dass er so ein Killer vor dem Tor ist, wusste ich noch nicht. Seit heute weiß ich es", sagte Sportvorstand Max Eberl und erklärte: "Damit belohnt er sich für seine Leistung. Er hat in den letzten Wochen schon Weltklasse gespielt."
In Freiburg erhielt Upamecano – und ausnahmsweise einmal nicht Harry Kane - die Trophäe für den Spieler des Spiels. Dafür musste der meist so schüchtern auftretende Hüne (1,86 m) jedoch aus der Kabine geholt werden, um das obligatorische Strahlemann-Selfie mit dem seitlich gerahmten Mini-Bundesligaball zu machen. Nach seinem erst neunten Tor im 204. Pflichtspiel für die Bayern. Damit ist seine Tor-Quote knapp unter Lúcio-Level.
Upamecano könnte im DFB-Pokal gegen Magdeburg pausieren
Seine Vertragsverlängerung bis 2030, abgeschlossen im Februar, hat sich bezahlt gemacht. Upamecano, bei der WM im Sommer mit Frankreich Vierter, besticht durch konstant starke Leistungen. Der Bruder Leichtfuß in ihm drin, der früher hier und da für haarsträubende Fehler gut war, scheint verschollen.
Upamecano ist in der Abwehrmitte gesetzt, um den Platz an seiner Seite duellieren sich Jonathan Tah und Min-jae Kim, der nach seiner leichten Zerrung am Montag an der Säbener Straße zumindest wieder Solotraining mit Ball absolvieren konnte.
Wenn der Südkoreaner rechtzeitig fit wird, könnte Upamecano am Mittwoch im Zweitrundenspiel des DFB-Pokals gegen Zweitligist 1. FC Magdeburg eine schöpferische Pause erhalten. Schließlich ist sein physisches Spiel samt der Siebenmeilenstiefel-Sprints enorm kräftezehrend.
