Philipp Lahm: "Wir sind noch nicht am Ende"

Der "1. FC Bayern München" landet in Marokko zur Klub-WM - dort gibt es gleich mal chaotische Szenen. "Wenn du erst einmal da bist, verstehst du, um was es geht."
von  SID
Kapitän Philipp Lahm reist von Doha nach Zürich zur Fifa-Gala.
Kapitän Philipp Lahm reist von Doha nach Zürich zur Fifa-Gala. © Rauchensteiner/Augenklick

Der "1. FC Bayern München" landet in Marokko zur Klub-WM - dort gibt es gleich mal chaotische Szenen. "Wenn du erst einmal da bist, verstehst du, um was es geht."

Agadir - Uli Hoeneß sah dem chaotischen Treiben in der Ankunftshalle des Flughafens Al-Massira in Agadir mit einiger Verwunderung zu und schlürfte neugierig seinen marokkanischen Minz-Tee. "Mit uns kommt man halt rum, nachts um halb zwei in Marokko", rief der Präsident des FC Bayern München vergnügt.

Die wenige Stunden zuvor errungene 19. Herbstmeisterschaft war da schon ganz weit weg. Auch wenn Sportvorstand Matthias Sammer bekannte, er könne den Namen des Halbfinal-Gegners bei der Klub-WM, Guangzhou Evergrande aus China, "ja noch nicht einmal aussprechen", galt ab dem frühen Sonntagmorgen das Motto: erst Herbstmeister, dann Weltmeister!

Nicht einmal vier Stunden nach dem glanzlosen 3:1 (1:0) gegen den Hamburger SV flogen die Bayern in Richtung Sonne. In Marokko will der Triple-Sieger ein "Jahr der Superlative" mit dem fünften "großen Pokal" krönen, wie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge stolz betonte: "Diese Chance wollen wir nutzen."

Am Dienstag (20.30 Uhr/MEZ) ist der chinesische Champion aus Guangzhou mit Italiens Weltmeister-Trainer Marcello Lippi die erste Hürde. Im Endspiel am 21. Dezember (Samstag) in Marrakesch träfen die Bayern auf Gastgeber Raja Casablanca oder die Brasilianer von Atlético Mineiro mit dem alternden Star Ronaldinho.

Ein machbares Programm beim Unterfangen, nach den Weltpokal-Siegen 1976 und 2001 als erste deutsche Mannschaft die seit 2000 mit Unterbrechungen nun zum zehnten Mal ausgetragene Klub-WM zu gewinnen. Doch bereits die Anreise geriet recht turbulent.

Der Pilot, ein bekennender Fan von Werder Bremen, begrüßte den "1. FC Bayern München" an Bord des Airbus A321-200, landete die Münchner Delegation nach rumpligem Flug aber sicher in Agadir. Dort spielten sich dann aber fast chaotische Szenen ab. Die Bayern-Stars wurden bereits auf dem Rollfeld von einem Dutzend Flughafen-Mitarbeiter bedrängt.

In der Ankunftshalle, wo der zuckersüße Minz-Tee und landestypisches Gebäck bereitstand, gierten über 100 Fans nach Fotos und Autogrammen. Besonders die Signatur von Superstar Franck Ribéry war gefragt. Die Bayern ließen den Ansturm professionell-gelassen, oder wie Hoeneß belustigt über sich ergehen.

Doch sie dürften froh gewesen sein, als sie den Trubel hinter sich gelassen hatten und gegen zwei Uhr Ortszeit im Luxus-Hotel Tikida Golf Club in ihre Betten sanken. Am Sonntagnachmittag stand das erste Training auf marokkanischem Boden an.

Der ewige Mahner Sammer forderte zuvor für die gute Woche in Nordafrika, die Mannschaft müsse sich zum Abschluss des erfolgreichsten Jahres der Klubgeschichte noch einmal "vom Körper und vom Kopf her steigern".

Denn, so betonte Kapitän Philipp Lahm: "Wir sind noch nicht am Ende, wir haben noch etwas vor." Erst mit dem fünften Titel nach Meisterschaft, Champions League, DFB-Pokal und europäischem Supercup gibt sich der "FC Nimmersatt" zufrieden.

"Die Leute reden vielleicht nicht von der Klub-WM. Aber wenn du erst einmal da bist, verstehst du, um was es geht. Es steht viel, viel Prestige auf dem Spiel", sagte Trainer Pep Guardiola. Schon das Treffen mit dem HSV stand ganz unter diesem Eindruck.

"Die Spieler hatten vielleicht schon Urlaub und Marokko im Kopf. Wir hatten in der zweiten Halbzeit Probleme und wie gegen Manchester einfache Ballverluste. Wir haben gute Spieler, da muss man solche Aktionen vermeiden", tadelte Guardiola seine Spieler.

Tore durch Mario Mandzukic (42.), Mario Götze, der in der 52. Minute mit einem herrlichen Drehschuss traf, und Xherdan Shaqiri (90.+3) – das war's auch schon an glanzvollen Aktionen. Die Bayern wackelten einige Male bedenklich, wie auch beim zwischenzeitlichen 1:2 durch Pierre-Michel Lasogga (87.), und bestätigten ihren Coach.

"Wir sind im Moment nicht die Besten in Europa und verdienen nicht so viel Lob", hatte der zuvor erklärt. Den Gegenbeweis wollen die Bayern in Marokko antreten.